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Samstag, 27. Januar
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 Blick in die große Halle der Ausstellung "Les maîtres de la bande dessinée européenne"
 Ein portugiesischer Comic von Rafael Bordalo Pinheiro aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ("A Berlinda")
 Hölzerner Kasten mit Exponaten
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Am 24. Januar wurde die Ausstellung "Les maîtres de la bande dessinée européenne", die vorher in Paris zu besichtigen war, im Centre National de la Bande Dessinée et de l'Image (CNBDI) in Angoulême eröffnet. Nach seiner Werkschau "Asterix, Barbarella & Co.", die die Entwicklungsschritte des frankobelgischen Comics veranschaulichte und die man während der ComicTime Hildesheim auch in Deutschland sehen konnte, hat Thierry Groensteen den Blick auf die Geschichte des europäischen Comics gerichtet und mit der Nationalbibliothek Frankreichs einen geeigneten Partner gefunden, um auch in Paris Aufmerksamkeit zu erreichen. Aus dreizehn Ländern wurden dazu über 300 Dokumente von 68 Comic-Zeichnern und 5 Comic-Textern zusammengetragen.
Um für ein größeres Publikum attraktiv zu sein, ist es für einen Ausstellungsmacher selbstredend nicht damit getan, alle Exponate an den Wänden der zur Verfügung stehenden Räume gleichmäßig zu verteilen. Neben der durchdachten Anordnung und Dokumentation kommt insbesondere der Ausstellungsarchitektur eine wichtige Rolle zu. Für diese Aufgabe engagierte man Argos Arhea Design, die die sechzehn "Zellen", in die die Ausstellung geordnet worden ist, gestaltete. Im in rot ausdrapierten "Raum der Szenaristen" kann man in bequemen Ledersesseln Platz nehmen, mit den berühmten Textern telefonieren und etwas von der Atmosphäre mitnehmen, die die Phantasie der Autoren anregte. In der großen Haupthalle sind blaue Segel aufgespannt, die ein Gefühl der Weite und Ruhe vermitteln. An diesem Ort kann sich der Besucher setzen und in den bereitliegenden Comics lesen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 29. April 2001 im CNBDI in Angoulême geöffnet. Der Katalog zur Ausstellung kostet 280 FF. Dieser leider recht hohe Preis rechtfertigt sich aus dem Bemühen, die abgedruckten Originale möglichst farbgetreu zu reproduzieren. Unter dem Titel "Im Schatten des Affenbrotbaums" zeigte das Angoulêmer Papiermuseum daraus die besten Stücke.
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 Christian Farner in der Ausstellung der Schweizer
 Manga-Ausstellungszelt
 Cestac-Gemälde
 Bretécher-Gemälde
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Als Nichten und Neffen Töpffers bezeichnen die Ausstellungsmacher die neue Generation Schweizer Comiczeichner, deren Zahl, Vielfalt und Werke überraschten. Unterstützt von Schweizer Kulturinstituten und dem Bürgermeister von Genf konnte das Festival International de la Bande Dessinée (FIBD) in Angoulême vier Tage lang mehrere Dutzend Comic-Autoren vorstellen, deren Einfallsreichtum respektabel ist. Beispielsweise ordnete Christian Farner die offenbar zusammengehörenden Panel mehrerer Handlungsstränge auf einer Seite einmal nicht sequentiell an und erreichte dennoch Erzählung. Auffällig waren die nicht seltenen textlosen Comics, die die neuen Schweizer anbieten, was ein Effekt ihres mehrsprachigen Landes sein mag.
Wie zu vermuten war, handelte es sich bei der Manga-Ausstellung der Japan Foundation in einem Zelt neben den Markthallen der Stadt im Wesentlichen um die gleiche Ausstellung, die man im September und Oktober 2000 in Köln besuchen konnte (vgl. Manga im JKI Köln). Dennoch gab es einige schöne Verbesserungen: zum einen hatte man dem Innenraum des Zelts durch Tücher ein japanisches Flair zu geben versucht, zum anderen standen den Besuchern lange Papierwände zur Verfügung, an denen sie eigene Zeichnungen anbringen konnten. Der französischsprachige Katalog zur Ausstellung lag gratis aus.
In zwei verschiedenen Teilen des CNBDI sind zwei verschiedene Teile des Werks von Florence Cestac noch bis Anfang September 2001 zu sehen. Zum einen sind humorige Exponate ausgehängt, die man nicht als Comic bezeichnen kann, zum anderen wird Cestacs Comicschaffen gewürdigt. Den Besuchern machen die kitschigen Ölgemälde, in die die Cestac nachträglich und zum Glück ihre großnasigen Figuren hineingemalt hat, am meisten Spaß.
Eine ganz andere Seite von Claire Bretécher wartet auf den Ausstellungsgänger in der ersten Etage des CNBDI noch bis zum 2. Mai 2001. Wer die Zeichnerin nur von den vermeintlich schnell hingeworfenen Zeichnungen aus "Agrippine" kennt, wird verblüfft auf ihre Gemälde sehen, mit denen sie Situationen ihres Alltags einzufangen scheint. Comics sind das nicht, aber das CNBDI wird so dem I (Image, d.i. Bild) in seinem Namen gerecht.
Afrikanische Comic-Autoren aus zehn Staaten taten sich zusammen, um in ihren französischsprachigen Ländern über einen Comic, der in den Schulen verteilt werden soll, auf die Themen Kindersoldaten, zu frühe Heirat, AIDS, Beschneidung, traditionelle Medizin, Empfängnisverhütung u.s.w. einzugehen.
Im Theater der Stadt würdigte man vom 25. bis 28. Januar das Werk des viel zu früh verstorbenen Yves Chaland, der in den 80er-Jahren als Brücke zwischen dem klassischen und dem sich erneuernden französischen Comic empfunden wurde. Es wird auf zwei Bücher hingewiesen, die demnächst erscheinen sollen, zum einen eine Biografie und zum anderen ein Blick auf seine Arbeit für die Werbung.
L'Écho des Savanes/Albin Michel feiert nicht nur sein 30-jähriges Jubiläum sondern auch die Herausgabe seines 200. Titels. Darum konnte man während der vier Festival-Tagen in der Rue de Genève eine Retrospektive dieses erfolgreichen Verlags sehen, dessen Autoren in diesem Jahr wieder groß herauskamen: Martin Veyron gewann den Grand Prix der Stadt, René Pétillon den Alph-Art für den besten inländischen und Carlos Nine den Alph-Art für den besten ausländischen Comic.
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 Martin Veyron wird vom Rathausbalkon zum Preisträger ausgerufen
Gewinner des Grand Prix der Stadt Angoulême
- 1974: André Franquin
- 1975: Will Eisner
- 1976: Pellos
- 1977: Jijé
- 1978: Jean-Marc Reiser
- 1979: Marijac
- 1980: Fred
- 1981: Moebius
- 1982: Paul Gillon
- 1983: Jean-Claude Forest
- 1984: Jean-Claude Mézières
- 1985: Jacques Tardi
- 1986: Jacques Lob
- 1987: Enki Bilal
- 1988: Philippe Druillet
- 1989: René Pétillon
- 1990: Max Cabanes
- 1991: Marcel Gotlib
- 1992: Frank Margerin
- 1993: Gérard Lauzier
- 1994: Nikita Mandryka
- 1995: Philippe Vuillemin
- 1996: André Juillard
- 1997: Daniel Goossens
- 1998: François Boucq
- 1999: Robert Crumb
- 2000: Florence Cestac
- 2001: Martin Veyron
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Martin Veyron kam nach über zehnjähriger Festivalabstinenz dieses Jahr nach Angoulême, weil ihn seine Freundin Florence Cestac eingeladen habe, erklärt der frisch gekürte Gewinner des Grand Prix du festival de la bande dessinée d'Angoulême der Presse. Claire Bretécher lobt Martin Veyrons elegante und subtile Zeichnung. Sie habe für seine Wahl kämpfen wollen, sagte sie, fand aber bei den anderen Mitgliedern der Jury gar keine Opposition. Diese Jury, die sogenannte Académie des Grands Prix de la Ville d'Angoulême, wird durch die ehemaligen Preisträger des Grand Prix gebildet, darunter neben Claire Bretécher (gewählt 1984) und Florence Cestac (2000) so bekannte Comic-Autoren wie Moebius (1981), Jean-Claude Mézière (1984), Philippe Druillet (1988), René Pétillon (1989), Max Cabanes (1990), Frank Margerin (1992), Philippe Vuillemin (1995), André Juillard (1996) und François Boucq (1998). Wer nicht kommt, wie dieses Jahr Enki Bilal (1987), Robert Crumb (1999), Fred (1980) und andere, darf an der geheimen Abstimmung auch nicht teilnehmen. Schon nach der ersten Abstimmungsrunde hätte Veyron vorne gelegen, schreibt die Charente Libre.
Dieses Wahlsystem birgt die Gefahr, dass sich ein Zirkel von Comic-Autoren bildet, welcher nach und nach alle seine alten Freunde in sich aufnimmt. Diesen Eindruck konnte man dieses Jahr gewinnen, denn Veyron hatte beim Vorhersagen wohl niemand auf der Rechnung noch in Erinnerung gehabt. Von Vorteil ist bei dieser Form der Grand Prix-Wahl allerdings, dass kein Vertreter der Stadt, der Festivalleitung oder der Comic-Verlage direkt Interessen einbringen kann, die lediglich darauf abzielen, einen möglichst publikumswirksamen Comic-Zeichner nach vorne zu bringen. Und so bleiben die ewigen Kandidaten Binet und Régis Loisel ein weiteres Mal lediglich ein heißer Tipp für das übernächste Jahr, denn Wolinski wird nahezu sicherlich im nächsten Jahr von und zu seinen Kumpels hinzugewählt.
Der Grand Prix soll dem jeweiligen Künstler für sein Gesamtwerk verliehen werden, nicht für ein einzelnes gutes Album. Martin Veyron hat 1977 mit Bernard Lermite eine Figur geschaffen, der er noch heute zugeneigt sei, wie er im Gesräch mit der Presse erwähnt. Zeichnerisch sind diese Comics wenig gefällig, auch die späteren Alben wie "L'amour propre" oder "Caca Rente" nicht. Max Cabanes meint dann auch, Veyron sei kein großer Zeichner, aber das Werk als Ganzes sei großartig.
Im Dezember 2000 kam bei Albin Michel das neueste Album von Martin Veyron heraus. Es trägt den Titel "Caca Rente" (d.i. Rentenkacke) und ist äußerlich dementsprechend gefärbt. Die Abbildung eines 200 Francs-Scheines liegen dem Cover wie ein Wasserzeichen zugrunde. Damit spielt Veyron bereits auf den überraschenden Clou der Story an, die ihren Anfang bei den Hämorrhoiden des unzufriedenen Hauptdarstellers, Ekelpakets und Pechvogels nimmt und letztlich auf dem Klo endet. Dieser kotige Witz muss es wohl gewesen sein, der die Jury des Grand Prix ansprach und Veyron in ihr Gedächtnis und ihre Reihen führte. Veyron ist ein Erzähler mit bissigem Humor, der einmal sagte, die Zeichnungen wären (ihm) nicht so wichtig. Mit den bisher erschienenen sieben Alben der Reihe "Bernard Lermite" kann man jedenfalls seinen Spaß haben.
Martin Veyron wurde am 27. März 1950 in Dax, Frankreich, geboren. Nach dem Besuch einer Kunsthochschule in Paris begann er als Illustrator bei den Zeitschriften l'Expansion, Lui und Cosmopolitan. Ab der ersten Ausgabe von l'Écho des Savanes, 1977, veröffentlichte er darin Kurzgeschichten um seine Hauptfigur Bernard Lermite. Nach Einstellung der Zeitschrift wechselte er mit dieser Serie von 1981 bis 1983 zu Pilote, um danach bei der Neuauflage von L'Ècho des Savanes wieder dort dabei zu sein. 1982 erschien seine erotische Erzählung "L'amour propre", ein Album, welches ein großes Publikum fand und sich über 100.000 Mal verkaufte. 1983 folgte "Executive Woman" und nach zahlreichen Arbeiten für Werbung und Zeitungen dann 1998 "Cru bourgeois" und Ende 2000 schließlich "Caca Rente".
In Deutsch erschien von Veyron im Januar 1984 bei Taschen ein Album "Ludwig Lehmann". Danach fand er Veröffentlichung in "U-Comix" und in "U-Comix präsentiert" (Bd. 42: 'Bernard Lermite 1: Kann man rauchen nach dem Tod?').
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Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl
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