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Sonntag, 28. Januar
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 Gedränge bei Delcourt
 Asterix für die kleinen Festivalbesucher an niedrigen Regalen
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Mit 210.000 verkauften Eintrittskarten schätzen die Organisatoren des Festivals (FIBD) gegen Sonntagmittag die Besucheranzahl für dieses Jahr zu einem Rekordergebnis ab. Das seien 9 Prozent mehr als letztes Jahr und 2 Prozent mehr als im "Boucq-Jahr", dem letzten Rekordjahr, in welchem François Boucq Festivalpräsident gewesen ist. In diesem Jahr 2001 habe es auch eine Rekordzunahme im Verkauf von Mehrtageskarten gegeben (in zwei Jahren um 42,5 Prozent). Dieses lässt vermutlich auch die Hotellerie und Gastronomie von Stadt und Umland jubeln, die immer mehr Festival-Gäste unterzubringen und zu verpflegen haben. Bis hoch nach Cognac, über 30 km von Angoulême entfernt, war kaum noch ein Zimmer zu bekommen. Und die abendliche Suche nach einem freien Tisch in einer Pizzeria oder einem Restaurant in Angoulême dauerte nicht selten lange.
Publikumsrenner unter den Veranstaltungsorten war das "Cyberbédé" (Comics und Internet) mit 24.000 Besuchern, gefolgt von den Räumen für den Comic-Schulwettbewerb der Sparkasse mit 17.000 Besuchern und dem Pavillon für junge Talente mit 12.000 Besuchern. Aus diesen Zahlen lässt sich ablesen, wie hoch gerade auch das Interesse von Kindern und Jugendlichen am Comic-Festival ist. (Alle hier genannten Zahlen für 2001 stammen aus der Presseerklärung des FIBD vom 28. Januar 2001, 13 Uhr.)
Unter den Ausstellungen verzeichnete diejenige von und über Florence Cestac mit 15.000 Besuchern großen Zulauf. Man schätzt, dass am Ende der Ausstellungszeit etwa 20.000 Leute wegen ihr im CNBDI gewesen sein werden. Für die Ausstellung zu Yves Chaland im Angoulêmer Theater interessierten sich 15.500 Personen. Sie ist inzwischen leider abgebaut worden. 12.000 Besucher sahen sich die Manga-Ausstellung bei den Markthallen an, weitere 8.000 die Shôjo Manga-Ausstellung (Manga für Mädchen) beim Rathaus.
Obwohl mehr verspielt als praktisch, zählte man für die Internet-Website des Festivals 1,3 Millionen Seitenaufrufe. Bei mehreren Suchmaschinen war die Site am Freitag und Samstag Spitzenreiter. Dennoch wäre zu wünschen, dass die Macher dieser Site nicht alles tun, was technisch möglich, toll und hip ist, sondern was möglichst alle auch ansehen und gegebenenfalls ausdrucken können. Mit älteren Netscape-Browsern ist man aufgeschmissen, möchte man alles, was die Site zu bieten hat, nachlesen.
736 Comic-Autoren waren zum Festival 2001 angemeldet, was eine Zunahme von 29 Prozent gegenüber 2000 bedeutet. Ihnen standen mit 787 offiziellen Vertretern von Presse, Funk, Fernsehen und Internet etwa gleich viele Presseleute gegenüber.
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 Mourad Boudjellal, Manager von Soleil (Foto von laBD.com)
 Der große Stand von Soleil
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Zwar hört man hinter den Kulissen immer wieder auch von Sand im Getriebe, dieses Jahr fühlt sich der Verlag Soleil durch das aus ihrer Sicht merkwürdige Gebaren vom FIBD und seinem Manager Jean-Marc Thévenet heftig auf den Schlips getreten und droht mit Ausstieg, doch unter dem Strich hat die Vergangenheit gezeigt, dass so etwas das Festival nicht aus dem Gleis wirft. Mal war Dargaud verärgert, mal Humanoïdes, und zum Schluss leisteten sie es sich doch nicht, einigen zehntausend möglichen Kunden aus dem Weg zu gehen. "Le jour où je peux m'en passer, je ne viens plus", sagte Mourad Boudjellal, Manager von Soleil, und spricht damit offen aus, dass er es sich noch nicht leisten könne, in Angoulême nicht dabei zu sein. Lediglich das belgische Verlagshaus Dupuis ist dick genug, auch weiterhin eisern durch Abwesenheit zu glänzen. Im Vorfeld des Festivals war auch von Protesten seitens der Comic-Autoren zu lesen, die sich gegen die höheren Eintrittspreise für die Messezelte wandten, weil letztlich sie es seien, für die dort Eintritt zu bezahlen sei, wovon sie aber nichts hätten. Resultat des Streits ist, dass trotz höherer Eintrittspreise nun entgegen ihrer Boykottdrohung gleich 29 Prozent mehr Comic-Autoren nach Angoulême gekommen sind. Stimmen die Zahlen nicht, hat man sich irgendwie geeinigt oder ist man resigniert?
Soleil hat zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Francs (etwa zwischen 245.000 und 276.000 Euro) für seinen Auftritt beim Comic-Festival locker gemacht, davon je gut 100.000 Euro für ihre 75 angereisten Comic-Autoren einerseits und für den großen Verlagsstand andererseits. 23.000 Euro zahlte man für die Standmiete und dann kamen noch Kosten für Abendprogramm, Hostessen und die Soleil-Werbung auf den Stadtbussen hinzu. Dennoch hielt sich die Steigerung der Einnahmen von Soleil in diesem Jahr in Grenzen verglichen mit Albin Michel (Verdreifachung der Verkäufe), Dargaud (25 Prozent Zugewinn gegenüber 1999), Glénat und Delcourt (je 10 Prozent Zugewinn). Bei Humanoïdes Associés hingegen bedauerte man eine Abnahme der Verkäufe um 10 Prozent.
In Frankreich brachten die Verlage im Jahr 2000 laut Charente Libre 1.272 neue Comics heraus und verkauften 28.000.000 Alben.
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 Jean-Marc Thévenet, Manager des Comic-Festivals (Foto von laBD.com)
 Didier Pasamonik (links) mit dem chinesischen Mangaka Tony Wong (rechts) (Foto von Pasamonik.com)
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Jean-Marc Thévenet hat neue Haupt-Sponsoren für das Comic-Festival angekündigt. Eine Schnaps- und eine Gasfirma wollen zu den öffentlichen Geldgebern (Stadt Angoulême, Landkreis Charente), der Sparkasse und der Supermarktkette Leclerc hinzustoßen. Zudem erwartet Leclerc eine "Neupositionierung" im Festival, was immer das bedeuten mag. Die Zielgruppe der Jugendlichen ist für das Alkoholkapital sicherlich interessant, und Gas kann man auch immer mal gebrauchen. So lässt sich nun also der Comic für recht fragwürdige Belange einspannen. Vielleicht erwartet uns im nächsten Jahr in den Messezelten jeweils ein kleiner Leclerc-Supermarkt, in dem Sparschweine, Gas und Schnaps feilgeboten werden? In der immer schwieriger werdenden Gemengelage an Interessen kann den Organisatoren dann die Lust am Comic leicht vergehen, zumal man mit einer Mannschaft von nur sechs Personen, wie Thévenet der Charente Libre gegenüber beklagt, schon jetzt die anfallende Arbeit kaum bewältigen könne.
"Die Zaster ist das Fundament des Festivals", betont Thévenet in einem Interview mit laBD.com. Dieses Jahr hätten 500.000 Francs (knapp 77.000 Euro) gefehlt, weswegen man mehrere Projekte habe streichen müssen ("Festival Off", "Rue Cestac", "Magic Mirror"), darunter leider auch die internationale Konferenz "Comics und Internet", die von Didier Pasamonik, Ex-Chef von Humanoïdes Associés, nach seinem Besuch in verschiedenen Ländern organisiert worden war. "Ich stellte fest, dass japanische und koreanische Comic-Sites um die 112.000 Besucher am Tag haben, gegenüber 500 in Frankreich. Die Jugendlichen (dort) haben mir versichert, dass sie ihre Lieblingscomics am Bildschirm lesen. Also musste man in Angoulême eine internationale Begegnung zwischen Comic und Internet schaffen", schlussfolgerte Pasamonik. Thévenet war begeistert und gab Pasamonik grünes Licht. Dieser lud ein und besorgte das nötige Sponsorengeld in Höhe von 140.000 Francs (21.500 Euro). Zwei Wochen vor Beginn dieser Konferenz kam dann die kalte Dusche: Thévenet blies die ganze Sache ab, weil man aus Zeit- und Geldgründen (?) dem eingeladenen Personenkreis keine optimale Aufnahme bieten könne. Was die offiziell bereits eingeladenen Gäste aus Asien, den USA und Europa, die ihre Flüge womöglich schon reserviert und ihre Vorträge vorbereitet hatten, von einer solch chaotischen Organisation wohl gehalten haben mögen? Dennoch will Thévenet diese Idee nicht aufgeben und sie im nächsten Jahr wieder aufgreifen,... wenn die nötigen Mittel beschafft werden können.
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 Asterix-Osterei in einem Schaufenster, in welchem sich die neuen Markthallen spiegeln
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Angoulême wirkt im Kern nicht gerade wie eine prosperierende Kleinstadt. Viele Häuser sehen heruntergekommen oder verlassen aus. Eine Teilnehmerin des Symposiums "Comics in Europe" nannte die Stadt grau. Kein Wunder, dass man sich gerne den Glanz und die Bereicherung eines großen Festivals gibt. Neben dem Internationalen Comic-Festival hat man sich weitere aus den Gebieten Musik, Spiel, Oldtimern und Gastronomie in seine Mauern geholt. Doch der Bereich der Comics und Bilder bleibt das ganze Jahr über für die Stadt wichtig, nicht nur durch das Nationale Comic-Zentrum CNBDI sondern auch durch Magélis, ein gemeinsames Dach, unter dem sich mittlerweile 50 Unternehmen der bilderproduzierenden Branche mit mehr als 700 Arbeitsplätzen versammelt haben. Comics ('Ego comme X'), Zeichentrickfilme, Computerspiele, Multimedia-Anwendungen und ähnliches werden in Angoulême produziert, hinzu kommt eine Schule, die für diese Berufe qualifiziert. Damit will Magelis europäischer Mittelpunkt dieses Gewerbes werden. Das klingt für die Stadt gut. Eine neue Markthalle hat man jetzt gebaut und kann auf die Verwirklichung weiterer Projekte hoffen. Nur folgerichtig trifft man überall auf freundliche Unterstützung des Festivals, auch beim Konditor, der sein Schaufenster mit einem großen Asterix-Ei geschmückt hat. So früh im Jahr wirkt dieses Osterei doch etwas überraschend.
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Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl
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