"Nicht schlecht!" titelte eine der großen Tafeln in der Ausstellung über Martin Veyron im CNBDI (Centre National de la Bande Dessinée et de l'Image), die noch bis zum 1. Dezember 2002 zu sehen ist.
|
Martin Veyron wurde am 27. März 1950 in Dax, Frankreich, geboren. Nach dem Besuch einer Kunsthochschule in Paris begann er als Illustrator bei den Zeitschriften l'Expansion, Lui und Cosmopolitan. Ab der ersten Ausgabe von l'Écho des Savanes, 1977, veröffentlichte er darin Kurzgeschichten um seine Hauptfigur Bernard Lermite. Nach Einstellung der Zeitschrift wechselte er mit dieser Serie von 1981 bis 1983 zu Pilote, um danach bei der Neuauflage von L'Ècho des Savanes wieder dort dabei zu sein. 1982 erschien seine erotische Erzählung "L'amour propre", ein Album, welches ein großes Publikum fand und sich über 100.000 Mal verkaufte. 1983 folgte "Executive Woman" und nach zahlreichen Arbeiten für Werbung und Zeitungen dann 1998 "Cru bourgeois" und Ende 2000 schließlich "Caca Rente".
In Deutsch erschien von Veyron im Januar 1984 bei Taschen ein Album "Ludwig Lehmann". Danach fand er Veröffentlichung in "U-Comix" und in "U-Comix präsentiert" (Bd. 42: 'Bernard Lermite 1: Kann man rauchen nach dem Tod?').
|
Am frühen Vormittag erschien Will Eisner zur Pressekonferenz, wo er sich nicht nur vielen Fragen der Journalisten ausgesetzt fand, sondern auch Andy, der diesen Moment mit dem Stift festhielt. Will Eisner schrieb anschließend seinen Namen auf die Zeichnung und setzte scherzend darunter "I think". (Klicken Sie auf den Bildausschnitt, um die ganze Zeichnung mit diesem Vermerk zu sehen.)
Will Eisner war am Vorabend bejubelter Star der Verleihung der Alph-Art im Theater der Stadt gewesen, wo man ihn mit einer standing ovation begrüßte. Er hatte sich am Donnerstag mit der französischen Kulturministerin Catherine Tasca getroffen und stand seinen Fans während mehrerer Signierstunden am Stand von Delcourt zur Verfügung, dem Verlag, bei dem jüngst sein Band "Petits miracles" erschien, in welchem der 85-jährige Comiczeichner vom Vorkriegs-New York bildhaft berichtet. Will Eisner erhielt bereits 1975 in Angoulême den Grand Prix der Stadt. In der Ausstellung der großen Meister des amerikanischen Comics im CNBDI kann man noch bis zum 28. April 2002 von Eisner Seiten aus "The Spirit" sehen, seiner 1940 entstandenen, bekanntesten Comicserie.
|
Freitag, 25. Januar
Das Wahre sei das Ganze, schrieb Hegel in der "Phänomenologie des Geistes" (1807). Und dieses Wort kann einem immer wieder in den Sinn kommen, wenn man jemanden zu beurteilen sucht, von dem man nur wenig kennt. Das eine Album von "Bernard Lermite", welches Alpha 1991 in Deutsch herausgab, reicht jedenfalls nicht, um zu verstehen, warum ausgerechnet Martin Veyron 2001 in die Riege der Preisträger des Großen Preises der Stadt Angoulême aufgenommen wurde. Bezeichnenderweise wird Veyron in der Ausstellung als "faiseur d'histoires" (d.i. Geschichtenmacher) vorgestellt und auch der Autor der Charente Libre, der Veyron in einem doppelseitigen Artikel vorstellt, hält sich bezüglich eines Urteils zu Veyrons Zeichenkunst mit einem eher nebenbei eingeschobenen "dessins élégants" zurück.
Veyrons Stärke sind Dialoge, sein täglich Brot ist die Illustration, der Einbildwitz, die Begleitung des politischen Alltags durch eine ins Bild gebrachte Pointe. In seinem Pariser Atelier setzt er sein allmorgendlich in der Métro begonnenes Zeitungsstudium fort, um Ideen zu sammeln, wie etwa die nebenstehende, mit der er die Schwierigkeiten eines sozialen Aufstiegs karikiert. Vor dem defekten Aufzug rät die Frau: "Nur Mut, es gibt ja noch die Treppe!". Der desillusionierte Mann erwidert: "Die ist doch von Alten überfüllt, die ganz außer Atem sind." Die Ausstellung lässt erkennen, dass in dieser Art Arbeiten die Schwerpunkte seines Wirkens liegen, auch wenn sich die sieben Alben von "Bernard Lermite" dank seines Titelgewinns nun wieder gut verkaufen und sogar in zwei Gesamtausgaben neu veröffentlicht werden sollen, was sonst eigentlich nur toten Autoren zukomme, wie er scherzend einwirft. Beim Rundgang durch die beiden Räume des CNBDI, die seine Exponate beginnend mit einer Kinderzeichnung bis hin zu seinen Frauenakten zeigen, beschleicht einen der Eindruck, dass Veyron ein Bild von Frauen befördert, wie sie ein Beau der Siebziger gehabt haben mag. Martin Veyron mag für Frankobelgien ein guter Zeitungszeichner und Illustrator sein, der seine Gags zu setzen weiß, dass er aber für den Comic wichtige Akzente setzen konnte, dafür liefert auch diese Ausstellung keinen überzeugenden Nachweis.
Robert Beerbohm hatte aus den USA als besonderes Dokument eine Ausgabe von "Pore Lil Mose" mit nach Angoulême gebracht, wo sich am Freitag im Comiczentrum (CNBDI) eine Gruppe von Comichistorikern aus vielen Ländern zum Austausch von Gedanken und Ergebnissen traf. Zeichner der in "Pore Lil Mose" abgedruckten und etwa hundert Jahre alten Comics ist Richard Felton Outcault (1863-1928), der wegen seines "Yellow Kid" in Historikerkreisen einige Zeit lang als erster Comiczeichner empfunden wurde. Inzwischen tauchten Comics älteren Datums auf, so dass man in den USA die Bezeichnung "Victorian Age" für Comics einführte, die zwischen 1828 und 1899 erschienen. Weitere Ergebnisse werden im demnächst in den USA erscheinenden Overstreet-Katalog in einem von Robert Beerbohm, Doug Wheeler und Richard D. Olson verfassten Artikel zu lesen sein. (Im Fotohintergrund: Paul Gravett aus England)
Um das Festival auch Nachwuchszeichnern, Kindern und Jugendlichen interessanter zu machen, unternimmt die Leitung des Festivals in Zusammenarbeit mit verschiedenen Sponsoren einiges. Die Stewardess Natascha lud namens der Sparkasse in ein Zelt, welches im Innenhof des Rathauses aufgeschlagen wurde und in seinem Inneren laufend Veranstaltungen für den Zeichnernachwuchs anbot. Am Place Louval befand sich ein weiteres großes Zelt mit dem Ziel, jungen Talenten den Weg in den Beruf als Comicautor zu ebnen. Die Europäische Gemeinschaft, der Minister für Sport und Jugend Frankreichs und Sponsoren aus der Region unterstützen dieses Projekt. Im Justizpalast zeigte man eine Ausstellung von noch unveröffentlichten Arbeiten von dreißig Nachwuchszeichnern. Einer unter ihnen, Cyril Doisneau, erhielt den Alph-Art als bestes junges Talent. Für Kinder und Jugendliche richtete man zudem einen Raum ein, in welchem Lucky Luke und sein vor kurzem gestorbener Zeichner Morris im Mittelpunkt standen. Ferner stellte die Gemeindebibliothek für Kinder zum Thema "Yakari" aus. Obwohl in diesem Bereich also schon viel getan wird, möchte man - den Worten des Festivaldirektors Jean-Marc Thévenets zufolge - das nächste Comicfestival noch mehr auf die Bedürfnisse der Jugend ausrichten.
|
|