Aaricia ist als Frau an der Seite Thorgals eine der Hauptfiguren im Werk Grzegorz Rosinskis. Der Zeichner hielt ihr Porträt auch in Form dieses Gemäldes fest, das man im Rathaus sehen konnte.
Anekdotisches
Pierre Christin wurde 1976 von einem Preis überrascht: "Am Anfang war die Stadt auf das Festival nicht vorbereitet und die Restaurants waren geschlossen. Während des dritten Festivals hatte ich dermaßen Hunger, dass ich am Sonntag beschloss, nach Paris zurückzufahren, wenigstens im Zug sollte sich etwas finden lassen, um das Loch im Magen zu stopfen. Auf dem Weg zum Bahnhof hörte ich ein Auto hinter mir halten. Der Typ stieg aus und sagte: »Sie sind Christin. Sie müssen schnell zurückkommen, es ist sehr wichtig«. Ich sah nicht ein warum. Er fuhr fort: »Es gibt einen Preisträger für das Szenario und das sind Sie«. Ich war umso mehr erstaunt, als ein Preis für den besten Szenaristen eigentlich gar nicht vorgesehen war."
Fred, der 1980 den Großen Preis der Stadt erhielt, erzählte über seine Erlebnisse beim Comic-Festival Angoulême: "Erinnerungen habe ich haufenweise, ich war bei allen Festivals dabei, nur ein einziges Mal nicht, weil ich da nicht eingeladen war. Und ausgerechnet in jenem Jahr, wurde mir der Große Preis verliehen.
Was daran besonders drollig ist, ist dass es bei meinem Verleger, Georges Dargaud, genau umgekehrt war. Er kam zum ersten Mal nach Angoulême. Also nahm er den Preis entgegen, als eine große Ehre für sein Haus. Für mich aber war es eine große Schande, nicht dabei gewesen zu sein."
Michel-Edouard Leclerc, Mäzen des Festivals und Chef einer Lebensmittelkette, erzählte: "Um mit den Comicmachern gute Kontakte aufzunehmen, riet man mir, eine Feier zu veranstalten, weil jene das sehr mögen. Also richteten wir uns auf eine Riesenparty in der Nähe von Cognac ein und schickten Einladungen an 400 Gäste. Es war ein völliger Schlag ins Wasser. 800 Personen kamen, die die Grills in zehn Minuten plünderten und dann meckerten, dass der Lebensmittelhändler seine Leute nicht ernähren könnte. Eine für die Animation an diesem Abend engagierte Gruppe eines Improvisationsthaters hatte keinerlei Erfolg und entkam knapp dem Schicksal, gelyncht zu werden."
Yves Poinot, Präsident des Comic-Festivals, verstieg sich in einer Spezialausgabe des Figaro am 22. Januar zu dem Vergleich, Angoulême sei der "Vatikan des Comic". Daraufhin strich die Charente Libre am folgenden Tag die Bescheidenheit Poinots heraus, da er nicht erwähnte, wer also der Papst sei.
Jean-Christophe Long, Zeichner bei Frémok, wurde gefragt, warum er seine Alben nicht signiere, sondern mit einem seiner vielen mitgebrachten Stempel versehe. Der Künstler anwortete darauf, dass er "zeichne wie ein Schwein".
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Notizen
Die in Angoulême verliehenen "Alph-Art" sollen einen neuen Namen bekommen. Namensgeber für den renommierten Preis war der Titel des letzten, unveröffentlichten Albums, an dem Hergé gearbeitet hatte ("Tim und die Alpha-Kunst"). Doch der Name sei zu schwierig auszusprechen und zu schreiben!? Also sucht man nach Ideen für einen neuen Namen, der ab nächstem Jahr benutzt werden soll.
Kurz vor Eröffnung seiner Ausstellung "Theater der Bilder" im Stadtthater lagen bei François Schuiten die Nerven blank. Bitter beklagte er sich vor der Presse über die mangelnde Mitarbeit des Hauses und schimpfte auf deren Verlässlichkeit. Die Theaterleute zeigten sich verschnupft darüber, wie man mit ihnen in ihrem eigenen Haus umgehe. Was sich ganz so wie der Kleingeist anhört, der jeder anständigen Provinzstadt zusteht, erfuhr dann nach ausreichender Nachtruhe von Schuiten eine Relativierung: Jeder Künstler wolle eben immer und auch noch im letzten Moment etwas an seinem Werk zum Besseren verändern. Das schafft natürlich eine gereizte Stimmung.
Kaum war die Büste Hergés auf einen neuen Sockel in der Rue Hergé gesetzt worden, setzte man auf den alten Sockel neben dem CNBDI einen Sarg, einen Sarg in Form einer Rakete. Damit protestierte man gegen die drohende Einstellung des Projektes, einen 52 Meter hohen Nachbau der rotweißen Rakete aus "Tim und Struppi" in Angoulême zu errichten.
Jean-Jacques Aillagon, Kulturminister Frankreichs, hob in einem Communiqué das Comic-Festival nicht nur auf eine Stufe mit dem Theaterfestival in Avignon und dem Musikfestival in Aix, sondern er regelte auch die Zuständigkeit in seinem Ministerium neu: Der Comic wird jetzt der Direktion für Buch und Lesen zugeordnet, vorher war es die Direktion für bildende Künste. Ist da der Comic jetzt richtig oder falsch aufgehoben?
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Sonntag, 26. Januar
Im letzten Jahr legte man umgehend am Ende des Festivals Zahlen auf den Tisch, um den Erfolg eines Festivals, welches immerhin jährlich um die 200.000 Besucher anlockt (davon allein am Samstag etwa 100.000), festzuklopfen. In diesem Jahr hielt man sich bedeckt. Womöglich lag das an einer Computerpanne, die am Samstag zu etwa einstündigen, ärgerlichen Wartezeiten beim Verkauf der Eintrittskarten führte, oder der Zweck jener damaligen, prompten Zahlenspiele ist nun bereits erreicht: Die öffentliche Hand gibt dem Veranstalter mehr Geld (die Stadt schraubte den Zuschuss für dieses Jahr auf nahezu eine Million, der Staat gibt ab sofort knapp 200.000 Euro pro Jahr). Da könnten "falsche" Zahlen dann nur stören. Der subjektive Eindruck vom Andrang am Samstag war jedenfalls klar: In den Messezelten war kein Durchkommen, die Warteschlangen bei den Ausstellungen und den Podiumsgesprächen waren lang, immerhin 900 Comiczeichner signierten in den Zelte. Dem Vernehmen nach waren über tausend Pressevertreter zum Comic-Festival gekommen, wohl nicht zuletzt wegen der Anwesenheit des belgischen Prinzenpaares am Donnerstag und wegen des Renommées von François Schuiten.
Bis zu anderthalb Stunden mussten die Festivalbesucher am Samstag vor den zwölf Kassen anstehen, um eine Karte kaufen zu können, die zum Eintritt in Messezelte und Ausstellungen berechtigte. Da sich auch vor den Signierständen und Ausstellungsräumen Warteschlangen bildeten, die glatt eine dreiviertel Stunde Wartezeit bedeuteten, befürchtet die Sud Ouest, dass das Festival Opfer seines eigenen Erfolgs werden könnte. Jean-Marc Thévenet, Direktor des Festivals (FIBD), bedauerte, dass manche Gäste wegen der Warterei einige Ausstellungen nicht haben sehen können. Den Vorverkauf haben nur 10% der Besucher genutzt, viel zu wenig, man werde auf diese Möglichkeit deutlicher hinweisen müssen. Man hoffe, man habe mehr Besucher zufrieden als unzufrieden gemacht, kommentierte Yves Poinot, Präsident des Festivals, den Missstand. Ein weiteres Problem des Erfolgs des Festivals ist der Mangel an Hotelbetten. Im Umkreis von 100 km war – der Recherche einer Tageszeitung zufolge – kein einziges Hotelbett mehr zu bekommen.
Gedränge im Messezelt: Zum Glück haben die Zelte genügend Notausgänge, falls in dieser beklemmenden Enge Panik um sich greift.
Für Philippe Mottet, dem Bürgermeister Angoulêmes, dürften die vergangenen Tage voller Aufmerksamkeit für ihn und sein Amt ein Genuss gewesen sein. Mit der Trikolore vor der Brust neben Prinzessin Mathilde von Belgien, das brachte sein Bild und seinen Namen gehäuft in die Presse, wo er betonte, dass er das Comic-Festival nicht für sein persönliches Fortkommen benutzen möchte, wie dies sein Vorgänger (d.i. Jean-Michel Boucheron) gemacht habe. Er habe zum Festival selbst ein gutes Verhältnis, sich zu Beginn seiner Amtszeit jedoch mit einem öffentlichen Eintreten dafür zurückgehalten. Ergebnis seines Engagements für den Comic ist unter anderem die Gründung eines Netzes der Bürgermeister von Städten, in welchen Comiczentren stehen. Im April fliege Mottet nach Kochi, Japan, um dort ein Comicmuseum zu eröffnen. In der leidigen Angelegenheit um das Aufstellen einer "Tim und Struppi"-Rakete auf einer Insel in der Charente müsse noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen, sagte er der Charente Libre. Am Samstagabend lud die Stadt in der Rue Hergé und bei der Markthalle zu einem riesigen, öffentlichen Gratis-Bankett ein. Die offenbar hungrigen Festivalbesucher verputzten alle aufgefahrenen Speisen in kaum einer Stunde. Darüber war die örtliche Gastronomie selbstredend wenig begeistert, die in dieser Zeit kaum Umsatz machte, doch die Comicfans wird es gefreut haben.
Grzegorz Rosinski: Aus Polen stammend wurde er in Frankreich mit "Hans" und "Thorgal" erfolgreich und lebt seit 1989 in der Schweiz.
Von den mittlerweile 27 Titeln der Serie "Thorgal" wurden gut 7 Millionen Alben verkauft, allein der letzte im November 2002 erschienene Titel "Le barbare" war trotz einer Auflage von 300.000 Exemplaren angeblich bereits im Dezember ausverkauft. Trotz allen Erfolgs mit dieser, aber auch mit anderen Titeln wie "Hans", "Die große Macht des kleinen Schninkel" oder "Western", stimmte Grzegorz Rosinski bisher nie zu, ihm eine eigene Ausstellung zu widmen. Doch jetzt war es soweit. Sein Sohn konnte die Arbeit des Vaters endlich angemessen in Szene setzen. Auch die Frau Rosinskis hatte ihren Anteil daran, dass es zu dieser erhellenden Vielfalt an Exponaten kommen konnte. Sie achtet nämlich darauf, dass ihr Mann nichts wegwirft, nicht die kleinste Skizze, alles landet in ihrem Archiv, aus dem der Sohn sich nun bedienen konnte. Das Werk des 62-jährigen Rosinski ist außergewöhnlich, die Ausstellung war es auch. Ebenfalls außergewöhnlich ist seine bescheidene, fast schüchterne Art. Auf die Ausstellung angesprochen sagte er: "Ich zögerte, das stimmt, ist sie wirklich nützlich? Und es macht Angst, es gibt bestimmt andere Personen, die diese Ehrung eher verdient haben... Und zudem bedeutet eine Ausstellung, sich nackt zu zeigen."
Jean-Marc Reiser war in der Lage, mit schnellem Strich seine Mitmenschen aufs Korn zu nehmen. Dieses Original zeigt treffend, was die Beziehung zwischen Mann und Frau im Grunde ausmacht.
Unten durften alle, oben nur solche, die über 18 waren, und auch diese ließ man nur portionsweise in den Raum, damit sich vor den erotisch weitreichenden Originalen Reisers kein unandächtiges Gedränge bildete. Die Ausstellung zu Jean-Marc Reiser (1941-1983) war in jenem Hotel zu sehen, in welchem letztes Jahr Régis Loisel gezeigt wurde. Auf beiden Etagen spürte man Reisers Lust und Drang, sich in allen Belangen frei äußern zu können. Damit kam ein Moment unserer jüngeren Geschichte wieder in Erinnerung, in dem man alte Zwänge abstreifte, von einer hinterfragenswerten Moral versperrte Türen einrannte, den "Muff von tausend Jahren" aus den Talaren schüttelte, den Marsch durch die Instanzen begann. Den Protesten im Westeuropa jener Zeit haben wir ein deutliches Mehr an Freiheit zu verdanken – und durch der bei einigen dadurch ausgelösten blinden Wut leider auch furchtbare Irrtümer. Reiser, auf dessen harte, bedrückende Kindheit einer seiner Biographen kürzlich verwies, traf mit seinen provozierenden Zeichnungen in dieser Zeit den Nerv der Protestbewegung und der Leser von Hara-Kiri und Charlie Hebdo. Für die Texte nahmen sich die Zeichner seiner Ausrichtung oft mehr Zeit als für die Zeichnungen, wie Thierry Groensteen in "Asterix, Barbarella & Co.: Das Erwachsenenalter" beschrieb. Wer sich den Comic Jean-Marc Reisers, den manche als gezeichneten Journalismus verstehen, in deutscher Sprache ansehen möchte (erhältlich beim Achterbahn Verlag in einer 24 cm x 30 cm-Ausgabe), der sei unter anderem an "Mein Papa", "Zurück zur Natur", "Schweinepriester" oder "Seid ihr hässlich!" erinnert.
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