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Ausstellungen
Mit 16 Ausstellungen ist das Erlanger Comic-Panorama einzigartig in der deutschen Ausstellungslandschaft. Zum Schwerpunkt-Thema "Phantastik, Fantasy und Science-Fiction" im Großen Saal der Stadthalle und in der Städtischen Galerie gibt es einen Rundumblick zwischen Klassik und Aktualität, mit den Groß-Künstlern aus Frankreich, Amerikas Superhelden samt Gefolge und europäischen Fantasy-Sternen. Dazu Ein- und Ausblicke auf Europas aktuelle Szene und die Newcomer des Comics.
Dauer der Ausstellungen, soweit nicht anders angegeben, vom 22. Juni - 25. Juni 2000 (Do 12-19 Uhr, Fr, Sa 10-19 Uhr, So 10-18 Uhr)
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Moebius/Giraud
Genius des Phantastischen
Städtische Galerie Erlangen, Palais Stutterheim, Marktplatz 1
10. Juni - 9. Juli
Geöffnet während des Salons: Do 12-19 Uhr, Fr, Sa 10-19 Uhr, So 10-18 Uhr, sonst: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So 10-17 Uhr
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Das Gesicht von Leutnant Blueberry! Man studiere einmal, was im Laufe der Zeit mit diesem Gesicht passiert, und man wird etwas über die Befreiung eines Handwerkers zum Künstler erfahren und zugleich über die Entwicklung der Bildergeschichte vom Massenmedium zur Comic-Kunst. In den ersten Bänden der Western-Serie von Jean Giraud hat das Gesicht kaum Charakter. Es ist ein austauschbares Stereotyp. Profil und "en face" passen nicht zusammen. Ein paar Bände später ist aus dem Gesicht immerhin ein Konterfei des Filmschauspielers Jean-Paul Belmondo geworden. Nun kann man es zwischen den vielen anderen Figuren identifizieren.
Weitere Bände und Jahre später zeigt das Gesicht mehr als Charakter. Es kann zu einer Landschaft werden, deren Struktur durch kurze Striche und Punkte von Feder und Rapidograph gekennzeichnet ist. Mit den realen Landschaften in Girauds Western-Zyklus hatte sich etwas ganz Ähnliches ergeben. Aus Kulissen sind sie zu Organismen geworden. Aus kolorierten Flächen verwandelten sie sich in raffinierte Farbzonen der "couleur directe". Jijé, Förderer und zunächst Vorbild Girauds, der nie über das Handwerk und damit über ein Medium allenfalls für Jugendliche hinaus wollte, hatte die Comics Girauds da längst als "entgleist" bezeichnet. Dem Aufbruch des Comics in eine neue Qualität mochte er nicht vertrauen.
Jean Giraud ist maßgeblich an diesem Aufbruch beteiligt. Er gehört zu den einsamen Spitzen internationaler Comic-Kunst, ist nicht nur in Europa eine Kultfigur, sondern auch in Amerika und Japan hoch geschätzt. Und das geht kaum einem anderen französischen Zeichner so. Der Marvel Verlag veröffentlicht Girauds Werk. Für Marvel hat er die Superheldenfigur des Silver Surfer gezeichnet. An den Filmen "Alien", "Dune", und "Tron" hat er mitgearbeitet. Insbesondere für die Gattung des Erwachsenen-Comic wurde Giraud wichtig. Er hat 1975 zusammen mit Jean-Pierre Dionnet, Philippe Druillet und Bernard Farkas in Frankreich das Magazin "Métal Hurlant" (auf Deutsch "Schwermetall") gegründet und damit den wesentlichen Anstoß für die Emanzipation der Comic Strips gegeben.
Er selbst, 1938 in Fonteney-sous-Bois bei Paris geboren, ist mit diesem Medium ohne das in Deutschland dabei so häufige schlechte Gewissen groß geworden. Nachdem er einen Lernkurs für Zeichnen absolviert hatte, trat er im Alter von 16 Jahren in die Ecole Supérieure des Arts Appliqués ein. Mit 18 veröffentlichte er seinen ersten Comic, "Frank et Jérémie", einen Western.
Unvermeidlich für die Comic-Revolution der 70er Jahre war die Aufspaltung Jean Girauds in "Gir", wie er seine Abenteuergeschichten signierte, und in Moebius, ein neues Pseudonym. Moebius versuchte mit neuem Strich das ganz Andere und gewann dem Zeichner, der bisher meist fremde Szenarios umgesetzt hatte, den Autor hinzu. Moebius öffnete die Panels in jeder Hinsicht. Er unterwarf den Rhythmus der Seitenaufteilung ganz den Erfordernissen der Erzählung und hielt sich an keine Norm mehr. Die kurzen Federschläge, die Körpern und Gegenständen Volumen geben und sie manchmal geradezu in Luft aufzulösen scheinen, wurden das Kennzeichen von Moebius.
Moebius verließ die vertrauten Landschaften des Abenteuers, um im Kosmos nach neuen, merkwürdigen Welten zu suchen. Spielten seine ersten Geschichten noch satirisch mit dem Material der Science-Fiction, so tendiert schon die episodische, immer wieder in neue Winkel fortgesetzte Geschichte um die Hermetische Garage des Jerry Cornelius zu einer philosophischen Haltung. Moebius löst Sinn und Zusammenhang irritierend aber vergnüglich auf. Dabei kann sein perfektionierter Strich jede Pointe setzen. Tritt zum Beispiel der amorphe Held Major Grubert in einem Bild im besten amerikanischen Comic-Realismus auf, so reitet er im nächsten als naive Kinderkritzelei davon.
Moebius mutet seinen Lesern Erwartungsenttäuschungen zu und überrascht sie mit verblüffenden, formalen und inhaltlichen Wendungen. In kosmische Dimensionen führt diese Haltlosigkeit in dem von Alexandro Jodorowsky getexteten Zyklus über den Incal, eine universelle Kraftquelle. In Momenten bringt Moebius, zeitweise selbst von esoterischen Gedanken angerührt und Experimenten mit bewusstseinserweiternden Drogen nicht abgeneigt, die Incal-Geschichte in die flirrende Spiritualität esoterischer Darstellungen. Vor drohenden Abstürzen in Eso-Kitsch rettet ihn allerdings seine Ironie.
Während Gir immer noch am großen Epos des Leutnant Blueberry arbeitet, ist die Zeichnung für Moebius inzwischen zur allerpersönlichsten Artikulation der Welterfahrung im Tagebuch geworden, verfremdet durch kosmische Perspektiven und als Psychodrama inszeniert mit einem Personal aus abertausend Skizzenblättern und ausgeführten Bildern. Moebius kann auf die Narration der Comic-Erzählung längst verzichten. Er malt Ansichten von Seelenlandschaften im Einzelbild. In dem pornografischen Band "Des Engels Kralle" (Text: Jodorowsky) stellt er sich schließlich in die Tradition des schmerzhaften Surrealismus und entwirft Bilder des kalkulierten Schreckens - als wären sie mit dem Skalpell gezeichnet. (HH)
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Jean-Claude Mézières
Der Herr des galaktischen Bestiariums
Kongreßzentrum, Großer Saal
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"Eigentlich ist alles ganz einfach", hat Pierre Christin, der Comic-Szenarist, über Jean-Claude Mézières, den Comic-Zeichner, geschrieben. "Der Zeichner Mézières nimmt eine zentrale Stellung in der französischen Comic-Szene ein, nicht mehr und nicht weniger... Sein Zeichenstil ist von schnörkelloser Eindeutigkeit: präzise Anordnung, Weglassen jedes unnützen Details, bewusste Nüchternheit in der Ornamentierung. Er ist archetypisch in seiner Einfachheit, auch wenn er all jenen zu schlicht erscheinen mag, die sich für modische Manierismen begeistern."
Pierre Christin muss es wissen. Viele seiner Textbücher sind von Jean-Claude Mézières visualisiert worden. Die Science-Fiction-Serie "Valerian und Véronique" ist das Markenzeichen der Zusammenarbeit beider Künstler und das Hauptwerk von Mézières. Hier hat er einen unverwechselbaren Kosmos entworfen und seinen Tuschpinsel in die entlegensten Weltraumtiefen der Phantasie getaucht. Beim Durchblättern dieser Alben regt sich allerdings Widerspruch gegen die Einschätzung Pierre Christins. So einfach ist das Artwork von Mézières nicht.
Ganz ohne Manierismus kommen seine Weltraumlandschaften nicht aus. Und die Nüchternheit der Ornamentierung verwandelt sich häufig in eine Explosion floraler Textur, hinter der die Üppigkeit des Jugendstils als Vorbild leuchtet. Diese Stilmischung erst macht die ästhetische Tiefe von "Valerian und Véronique" aus. Den wirklich nüchternen, ganz realistischen Mézières kann man im ebenfalls von Christin getexteten Comic-Roman "Lady Polaris" nachschlagen. Da gibt es dann Fotoübermalungen, Fotoimitationen, den kaum noch merklichen Wechsel zwischen dem Zugriff der Fotografie und jenem des Malers auf die Wirklichkeit. Abbild und Inbild verschmelzen. Die Gebrauchsgrafik der Comic-Kunst flirtet ganz heftig mit den Möglichkeiten der freien Disziplin.
Tatsächlich kommt Jean-Claude Mézières, Jahrgang 1938 (das Geburtsjahr teilt er mit seinem Texter und Jugendfreund Christin), von den angewandten Künsten her. Mit 15 Jahren besuchte der Pariser die Ecole des Arts Appliqués. Nach dem Abschluss arbeitete er als Illustrator für den Verlag Hachette und in der Werbung. Ausgerechnet auf einem Trip durch die Vereinigten Staaten kreuzten sich die Wege von Christin und Mézières wieder. Gemeinsam beschlossen sie, sich im Medium narrativer Grafik zu versuchen. Ihre ersten Kurzgeschichten konnten sie durch die Vermittlung von Jean Giraud an die berühmte französische Comic-Zeitschrift Pilote verkaufen.
Für einige der Pilote-Szenaristen, darunter Reiser, Lob und Goscinny, zeichnete Mézières Short Storys, bis 1967 die erste Folge von "Valerian und Véronique" entstand, auch eine Short Story und noch gar nicht als Start zu einer Serie angelegt. Autor und Zeichner waren allerdings mit ihrem Produkt höchst unzufrieden und fabrizierten eine Fortsetzung mit dem Titel "Die Stadt der tosenden Wasser", um zu beweisen, dass sie es besser können. Erst diese Fortsetzung wurde zur Keimzelle der Serie um die beiden Agenten im diplomatischen Dienst des Raum-Zeit-Service mit ihren humanistischen und antikolonialistischen Botschaften.
Formal hatte Mézières die Serie zunächst als Semi-Funny in der Tradition von Franquin angelegt. Die Köpfe waren überbetont - sowohl in der Proportionierung eines gewissen Kindchen-Schemas, wie auch in der karikierenden Überzeichnung der Charaktere. Inzwischen sind Valerian und Véronique erwachsen geworden. Die Funny-Elemente jedoch hat Mézières in die Besetzung seines galaktischen Zoos gerettet, die er mit überbordender Phantasie betreibt. Die Vielfalt der Weltraumbewohner, die nie einem simplen Gut-Böse-Schema zugeordnet werden, sondern stets ganz eigenwillige und stimmige Temperamente vorführen, gehört zu den besonderen Qualitäten von Mézières' Kunst.
Bei weitgehend konventioneller Seitengestaltung gibt er den einzelnen Panels große Tiefe, eine Ahnung von der Unendlichkeit des Alls mit seinen unendlichen Möglichkeiten für physiologische und kulturelle Experimente. Immer wieder schmuggelt er neue Gestaltungstechniken zwischen die gezeichneten Passagen, irritiert mit übermalter Rasterfolie, collagiert seine Grafik mit Makrofotografien oder Computeranimationen und fängt sich so geradezu magische Effekte ein. All diese Experimente sind aber kein Selbstzweck, sondern dienen immer der Erzählung, akzentuieren Stimmung oder ironisieren das Geschehen, wenn es allzu ernsthaft zu werden droht.
So ist Jean-Claude Mézières' Comic-Kunst nichts für die flüchtige Lektüre. Sie verführt zum wiederholten Hinschauen und erschließt oft erst spät ihren delikaten Hintersinn. Ein Beispiel? In dem Album "Die Insel der Kinder" tönt ein faschistoider Kämpfer: "Eine neue Rasse wird sich erheben, die zuerst Simlan wieder aufbauen und dann die Raumfahrt neu beleben wird ... " Mézières' Vision der mit solchen Absichten startenden Raumflotte zeigt oben ein schwarzes All, darunter rote Raketenauren und darunter wieder gelb-goldene Feuerstrahlen: Schwarz-Rot-Gold. Wetten, dass diese Farbkombination kein Zufall ist ... (HH)
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H. R. Giger
Ctulhus Künstler
Kongreßzentrum, Großer Saal
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Das Morbide, das Fleischliche, das Dämonische, das Industrielle, das Erotische, das Fremde, das Skelettierte, das Zerfallende, das Schleimige - vielleicht sind das Bestandteile der Erscheinung Cthulhus, der unsagbar bösen Gottheit aus dem Universum des amerikanischen Horrorautors H.P. Lovecraft. Cthulhu ist eine Muse des Schweizer Künstlers H.R. Giger. Gigers Bilder, Gigers frühe Filme, Gigers Ambiente und die Kreaturen, die Giger für Blockbuster aus Hollywood geschaffen hat ("Alien","Species") sind vom Geist Cthuluhs inspiriert. Der Künstler selbst hat seine Biografie einem "Necronomicon" anvertraut. Auch dieses uralte Buch, das die Beschwörungsformeln der grausamen Götter enthält, stammt aus der Bibliothek von Lovecraft. Die Geisterbahn ist der Raum, in dem Gigers Werk entsteht und der von diesem Werk zugleich konstituiert wird. Giger ist ein Mulitmediatalent, ein Universalkünstler an den Grenzen des Grauens.
Dabei entstammt er der Schweizer Idylle, wurde 1940 in Chur geboren. Allerdings begeisterte er sich schon früh für makabre Texte, ließ sich faszinieren von Schaueromanen wie "Das Wachsfigurenkabinett" oder "Das Phantom der Oper". Seine ersten Arbeiten waren von dieser Atmosphäre ebenso inspiriert wie von deutlichen Vorbildern aus dem Surrealismus. Neben Grafik und Malerei, vor allem in Acryl, spielten sehr bald Objekte eine große Rolle in Gigers Kunst. Sie wurden meist zu Schock-Auslösern montiert. Die Geisterbahn als ein eingestandener Ausgangsort der ästhetischen Arbeit ist auch hier nicht zu übersehen. Aus ihr führte der Weg zu Figurationen, die Giger als "Biomechanoiden" bezeichnete, und zur Airbrush-Technik, die wie keine andere die realistische Ansicht des Phantastischen ermöglicht. Der Begriff des "Biomechanoiden" trifft die Kreaturen aus Gigers malerischer Freak-Show besonders genau.
Mechanische, stählerne, geglättete Strukturen verbinden sich mit organischen Formen. Exoskelette setzen sich symbiotisch auf Gitter und Röhren. Eine ambivalente Welt entsteht so, ein Zwischenreich unklarer Existenz, die überdies aufgeladen ist mit den Zeichen dämonischer Beschwörungen. In Gigers Arbeiten wimmelt es von den Symbolen des Satanismus, von der Schlange bis zum Pentagramm. Zusammenwuchernde Hintergründe schließen das Licht zunehmend aus. Meist werden die Farben so weit auf Töne von kaltem Blau, Grün oder Grau reduziert, dass der Eindruck von Monochromie entsteht. Hier werden Hymnen an die Nacht angestimmt.
Gigers Kino-Monstren sind Ausgeburten dieser lichtlosen Welt zwischen Biologie und Technologie. Das berühmte "Alien", das er für die Film-Serie gleichen Titels erfand, changiert schrecklich zwischen dem blutig organischen Schmarotzer seines Fortpflanzungs-Stadiums und einer gepanzerten Maschine, die ihre Opfer durch Säure-Ausscheidungen und ein stählernes Gebiss vernichtet. Dass dieses Gebiss zugleich phallische Qualitäten hat, ist nur konsequent. An Gigers Phantasie-Entwürfen hat das Obszöne seit je einen großen Anteil. Obszöne Norm-Verletzungen gehören nun einmal in die satanische Sphäre, wie sie Giger etwa in seinem "Passagentempel" heraufbeschwört. Der Besucher muss in diesen Tempel eintreten wie in einen düsteren Uterus, wie in einen Brutkasten, der den Nachtseiten der Seele zur Geburt verhelfen soll.
Das Leben: ein Alptraum. Aber der Alptraum: eine künstlerische Performance. So stellt sich das Werk von H.R. Giger dar. Und so stellt er selbst sein Leben dar. Ein Performancekünstler, der den realen Menschen in das Fremde verwandelt, in ein Alien aus Chur, entsetzlich und in seiner Entsetzlichkeit anziehend zugleich. (HH)
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Kreuzfahrt durch den phantastischen Kosmos
Dave Mack, Mark Harrison, Paul Staples, Doug Mahnke, Dirk Schulz, Wendy und Richard Pini, Frédéric Beltran, Ralf Schlüter und weitere Zeichner
Kongreßzentrum, Großer Saal
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Der Kosmos des Phantastischen: unendliche Weiten, ein Multiversum der Ausdrucksformen. Und doch wieder ein beschränktes Repertoire an Erzählstrukturen mit einem überschaubaren Personal. Helden sind unerlässlich, seit Gilgamesch und Enkidu auszogen, um das Ungeheuer Chumbaba zu besiegen. Heute heißen diese Helden Slaine, Lobo oder Superman. Sie haben Gefährtinnen im Geiste bekommen, mögen sie vampirische Mutanten sein wie Durham Red oder gebrochene Kämpferinnen wie Kabuki.
Die Widersacher haben sich seit Chumbaba auch kaum verändert: Monster allemal, sogar wenn inzwischen Helden wie Lobo selbst monströse Züge angenommen haben. Aber schon Enkidu war ein überstarkes, ziemlich vertiertes Wesen und damit Lobo sehr ähnlich. Nichts Neues unter der Sonne der Phantasie. Übrigens, wer es nicht weiß: Gilgamesch und Enkidu waren die Hauptfiguren im "Gilgamesch Epos", dem ersten Fantasy-Roman der Geschichte, gedichtet ungefähr 2000 v. Chr. im Zweistromland.
In diesem Genre geht es immer um die Träume. Um Träume von Supermacht und Gottähnlichkeit, um Angst- und Schreckensträume, in denen Abgründiges im Menschen selbst als unheimliche Wesen und unheimliche Welten symbolisiert wird. Das Unheimliche ist das Unvertraute, ist das, was außerhalb des Feuerkreises geschieht (geschehen könnte!), in dem man gerade sitzt und sich Geschichten erzählt. Diese Herkunft sieht man modernen Fantasy-Comics kaum noch an. Aber "Megalex", die planetenumspannende, technoide Zukunftsstadt (auch die Zukunft liegt außerhalb des Feuerkreises!), die der Franzose Frédéric Beltran mit den Mittel des Kino-Realismus entwirft, ist doch ein einziger Alptraum, eine Verlängerung gegenwärtiger Tendenzen in die Utopie, ein Warnschrei, wenn man will.
"Durham Red", der weibliche SF-Vampir aus der Heavy-Metal-Atmosphäre des britischen Magazins 2000 AD, wird in den tiefenscharfen Ineinander-Blendungen des Zeichners Mark Harrison zum Ausdruck der Unüberschaubarkeit gegenwärtiger Verhältnisse. "Slaine", von seiner Herkunft aus 2000 AD her ein Vorfahre der "Durham Red", steht ausdrücklich in der Tradition mythologischer Heroen. Als keltischer Halbgott unentwegt damit beschäftigt, Dämonen-Heere aus fremden Dimensionen (also aus den Schattenseiten der menschlichen Seele) abzuschlachten, nimmt ihm gerade der verschlankende Stil Paul Staples sein muskelverpanzertes Volumen und distanziert die Figur in die angestrebte Ironie, mit der allein sich die Metzeleien mit dem doppelschneidigen Beil ertragen lassen. Auch Splatter-Heros "Lobo", ein Nachkomme zahlloser, gar nicht edler Wilder der Kunst- und Literaturgeschichte, braucht die Distanz, um von mehr als seiner Kult-Gemeinde ernst genommen zu werden. Doug Mahnke kann sie ihm geben und kann ihn damit aus dem rein formalistischen Manierismus anderer Artisten befreien.
Zusammen mit Joe Rubinstein betreut Mahnke "Superman" in seiner jüngsten Häutung. "Superman" ist das perfekteste Comic-Angebot für die Allmacht-Phantasien seiner Leserschaft. Seit über 60 Jahren erlöst der gottähnliche Messias die Menschheit von kosmischen Bedrohungen und selbstverschuldeten Gefährdungen. Dafür müssen seine gedanklichen und ästhetischen Entwicklungen alle paar Jahre auf ein naives Ausgangs-Niveau zurückgestutzt werden, um neuen Leser-Generationen Einstiegsmöglichkeiten zu geben. Denn Allmacht-Phantasien haben etwas mit dem kindlichen Entwicklungs-Zustand des Individuums zu tun. Das kann freilich ins Erwachsenenalter verlängert werden, wie das Verhalten zahlreicher Diktatoren beweist. Mit Rubinstein und Mahnke erlebt "Superman" derzeit eine solche Zurückstutzung. Denn auch Superkräfte müssen überschaubar bleiben.
An die äußerste Grenze der Phantasie und des Daseins rührt immer wieder "Kabuki": an die Grenze des Todes. Der amerikanische Künstler David Mack entwickelt seine Geschichte geradezu aus den Extremsituationen der Nah-Todeserlebnisse und Sterbevisionen. Er garniert sie nur noch mit konventionellen Zutaten der Comic-Erzählung, mit Rachemotiven, Geheimkulten und Kampfausbildungen. Tatsächlich löst er das Geschehen auch grafisch aus dem Begreiflichen ins Unbegreifliche psychedelischer Farberfahrungen und Erinnerungsreste auf und führt seine Leser an den letzten Markstein, der jeden erwartet.
Seit den Darstellungen von Mischwesen wie Sphingen und Kentauren in der assyrischen, ägyptischen oder griechischen Kunst gehört die Symbolisierung des Unheimlichen zu den Stoffen aller kulturellen Artefakte. Das Unheimliche ist das, was jenseits des Lichtkreises lauert, den ein Feuer als Bannmeile in die Nacht setzt. Es ist genauso das, was jenseits des Lichtkreises der Rationalität im Menschen selbst verborgen ist. Freud hat es das Unbewusste genannt. Es berührt die Grenzen des Wahnsinns und kann nur mit dem Bildmaterial zur Vorstellung gelangen, das die lange Geschichte des Phantastischen bereit stellt, nach der Antike fortgeführt in den Dachdämonen gotischer Kathedralen, der Mutantenwelt von Hieronymus Bosch, Goyas schwarzen Gemälden bis zu den Visualisierungen von Träumen, wie sie die Surrealisten versuchten.
In ihren besten Arbeiten nährt sich die Kunst der Horror-Comics aus diesen Vorbildern. Zu den herausragenden Artisten dieser Gattung gehört der Amerikaner Berni Wrightson mit vielen Geschichten oder der Franzose Hulet mit "L'état morbide". Mit seinen Alben "Nacht-Odyssee" und "Schattengänger" knüpft der Bielefelder Ralf Schlüter an diese Traditionen an.
Die Kraft seiner Bilder liegt im Atmosphärischen und durchaus im Entwurf der Natur- und Kulturkulissen. die konstruktion zieht dem leser den boden unter den füßen weg, wenn er nicht ganz und gar Kopfmensch ist, denn der Künstler entführt ihn auf eine Reise ständiger Bedrohungen und wachsender Ungewissheiten. Gemäuer lösen sich in Kreaturen auf, Wälder verwandeln sich in Monstren. In seinen besten Momenten erhebt sich Schlüter über alle Normen der Zentralperspektive und führt seine Panels in enthemmte Apokalypsen über, bei denen Picasso und Bacon Pate gestanden haben könnten.
Dass es neben der Menschheit verborgene Völker mit magischen Kräften in versteckten Ländern gibt, berichten die Märchenerzähler schon lange. Zu ihnen gehören die Hinterbliebenen der uralten Wesenheiten, die einst Bäume, Quellen, Blumen "belebten". Das sind die Völker der Feen, Trolle und Elfen. Von ihnen handelte sogar der große William Shakespeare im "Sommernachtstraum". Und Tolkiens "Herr der Ringe", einer der berühmtesten Fantasy-Romane überhaupt, wäre ohne diese Wesen entvölkert.
In Tolkiens Tradition, aber mit einem ganz eigenwilligen zärtlichen und humanen Stil, haben die Amerikaner Richard und Wendy Pini die Comic-Sage mit dem deutschen Titel "Elfenwelt" entfaltet. Das englische Original "Elfquest" verweist auf die Herkunft dieser Sage: die mittelalterliche Ausfahrt ins Abenteuer, die Queste genannt wurden. Ein Elfenvolk auf der Suche nach Heimat. Charaktere statt Typen. Der weite Atem des Epos. Und Zeichnungen, die Realismus in das märchenhaft zerbrechliche Schillern von Seifenblasen überführen können. Das sind die Elemente, die die Serie der Pinis auszeichnen. Wahrscheinlich führen ihnen Elfen die Stifte.
Ausfahrten in den Kosmos der Phantasie, zu Pferd, auf dem Segler oder im Raumschiff, sind immer Reisen ins unheimlich Überraschende. Hier werden ein paar Splitter vom Multiversum phantastischer Comic-Kunst sichtbar. Alle Farben jedoch zeigt nur das Land jenseits des Regenbogens. (HH)
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"Ils rêvent le monde"
Eine Geschichte des französischsprachigen Science-Fiction-Comics
media.ART.zentrum
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Sie haben stets die Welt geträumt, bevor sie war: die Autoren der Science-Fiction. Es waren Eroberungsträume und Alpträume und es waren Gesellschaftsutopien, die sie fingierten, manchmal so präzis, dass Polizisten bei ihnen auftauchten, weil sie in Verdacht gerieten, streng geheime Entwicklungsprojekte auszuplaudern. Doch auch im Bereich der Comics blieben die SF-Träume meist im Bereich pubertärer Allmachtsphantasien, bis der Franzose Jean-Claude Forest 1964 das Sex-Girl Barbarella in einen surreal-poetischen Weltraum schickte.
Ein weiterer Schritt in Utopien für Erwachsene war 1974 die Gründung des Magazins Métal Hurlant (auf deutsch: Schwermetall) durch Philippe Druillet, Moebius, Dionnet und Farkas. Dessen Seiten wurden zur Bühne, auf der das Comic-Medium die Reise vom Outer- in den Innerspace vollzog, die sich in der Literatur auch gerade ereignete. Druillets monumentale galaktische Spektakel (zum Teil mit Rückbezug auf Literaten wie Flaubert) gaben tatsächlich Einblicke in die Kampfzonen der Seele. Auch das Spielmaterial, das Moebius in seiner "Hermetischen Garage" aufstöberte, konnte jedem Psychoanalytiker zum Stoff der Traumdeutung gerinnen.
Eine Zeitlang beherrschten den französischen SF-Comic postapokalyptische Visionen wie "Eiszeit" von Gine/Convard, "Die Überlebende" von Paul Gillon oder "Im Schatten des Neumonds" von Adamov und Cothias. Auch die düsteren Geschichten von Enki Bilal waren in verworfenen Zukünften angesiedelt. Nur Jean-Claude Mézières betrieb mit positivem Denken seine intergalaktische Diplomatie zum humanitären Nutzen aller Aliens. Inzwischen sind die Katastrophenängste ökologischen Appellen wie von Thierry Cailleteau und Olivier Vatine in ihrem Aquablue-Band "Schwarze Korallen" gewichen. Oder man widmet sich klassischer Abenteuerdramaturgie wie Stan und Vince in ihrer Serie "Vortex". Auf dem postmodernen Markt tummelt sich nun eine große Vielfalt an Stilen und Temperamenten wie das grafisch rabiate, erzählerisch kafkaeske Talent Killhofer oder der geistreiche Dimensionenspieler Marc-Antoine Mathieu.
In der Zukunft war schon immer alles möglich. Den Träumen französischer Comic-Künstler bietet sie sich derzeit als vielgestaltiges Experimentierfeld ohne Tendenzen und Ideologien und ohne stilistische Richtungsweisungen dar, frei wie der Weltraum: Unendliche Weiten. (HH)
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War and Peace
Künstler aus dem ehemaligen Jugoslawien (Aleksandar Zograf, Serbien; Gordana Basta, Serbien; Wostok, Serbien; The Obscurator, Slowenien; Aleksandar Mihajlovic, Serbien; Boris Bacic, Slowenien)
Kongreßzentrum
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In der Bildergeschichte "Leben unter Sanktionen" gibt es ein Panel, das einen Mann mit drei Köpfen zeigt. Die Fäuste des Mannes schlagen auf die - eigenen - Köpfe ein. Die Gesichter deuten Schmerz an. Die Figur steht grell vor einem hermetischen Hintergrund aus schwarzer Schraffur. Die Zeichnung ist beinahe naiv - eine Karikatur der Verzweiflung eines Monsters.
Dieses Monster ist Bosnien. Ein Bildfeld zuvor sind drei gleiche Köpfe zu sehen. Sie stehen für Serben, Kroaten, Muslime. Es sind die Köpfe, die von dem eigenen, einheitlichen Körper geprügelt werden. Auf dem folgenden Panel hält ein Mann die Hände in einem Gestus der Verzweiflung erhoben. Sein Blick ist auf den Betrachter gerichtet. In der Sprechblase steht der Ausruf: "Ach, mein lieber Leser, ach!"
"Leben unter Sanktionen" ist eine Bildergeschichte des serbischen Künstlers Aleksandar Zograf. Man möchte sich beinahe weigern, diese Bildergeschichte in die Gattung der Comics einzuordnen. Sie hat so gar nichts Komisches mehr, und einmal wird ganz konkret gefragt: "Wo sind all die Typen aus Entenhausen hin?" Nur die Erzählmittel sind noch mit den Comics identisch. Die Erzählmittel, ausgehend von Vorbildern der gesellschaftskritischen Karikatur und der Illustration grauenvoller Geschichten in der Tradition Alfred Kubins, sind mit großer Vielfalt eingesetzt, treiben den Erzählfluss voran, kommentieren die Erzählungen, die alle im Kriegsalltag des geschundenen Jugoslawien erfahren wurden. Aleksandar Zografs Geschichten sind eine Art gezeichnetes Kriegstagebuch mit durchaus appellativem Charakter. Sie appellieren an jeden, der sie anschaut, er möge etwas tun, um den Wahnsinn zu beenden.
Aleksandar Zograf ist Wortführer einer Gruppe von Bildgeschichten-Erzählern aus jenem Jugoslawien, das man jetzt "ehemalig" nennen muss. Über die neuen Grenzen hinweg und über die Kriege der jüngsten Vergangenheit haben sich Künstler aus Slowenien und Serbien zusammengetan, um ihren Landsleuten genau wie den Fremden außerhalb Jugoslawiens, die ja als Europäer und Amerikaner tatsächlich Kombattanten in diesen Kriegen sind, Impressionen aus zerstörten Landschaften und verheerten Herzen zu übermitteln.
All diese Künstler gehen von ähnlichen Ideen aus. Ihre Strips sind nicht zuerst für die Verwertungszusammenhänge des Unterhaltungs-Marktes produziert. Sie riskieren die Botschaft, das Anliegen, die Information über Gegenden, die hierzulande kaum anders als in der ideologischen Verzerrung durch Massenmedien zu erfahren sind. Sie nutzen diese Massenmedien selbst, zum Beispiel das Internet. Dort finden ihre Geschichten Betrachter. Ebenso in dem Magazin "Stripburger", das der Slowene Igor Prassel herausgibt. Dieses Magazin ist ein neues Sammelbecken für die Comic-Künstler aus Ex-Jugoslawien. Im Rest der Welt werden sie verstreut publiziert. Die Ausstellung "War and Peace" - "Krieg und Frieden" - der Titel ist bewusst in Anlehnung an Tolstois Roman gewählt - ist eine andere Präsentationsmöglichkeit für die verborgene, widerständige Kunst auf dem Balkan.
Für Slowenien steht neben Boris Bacic, Jakob Klemencic, der unter dem Pseudonym The Obscurator arbeitet. Seine Stoffe bezieht er aus den traumatisierenden kulturell-religiösen Wurzeln seines Landes. Serbien wird vertreten von Aleksandar Zograf, eigentlich Sasa Rakezic, Jahrgang 1963. Gordana Basta, ein Jahr nach Zograf geboren, hat als Autorin an vielen seiner Storys mitgeschrieben. Die serbische Zeichner-Szene wird weiterhin von Danilo Milosev alias Wostok, Jahrgang 1963, und dem jungen, in seinem Land aber schon sehr bekannten Aleksandar Mihajlovic, geboren 1978, repräsentiert.
Im Vorwort zur deutschen Ausgabe von Zografs Album "Psychonaut 1" hat der amerikanische Comic-Künstler Jim Woodring ("Frank") folgende Gedanken aufgeschrieben: "Nachdem ich Sasas Comics gelesen habe, bin ich näher als je zuvor daran, die Einzelheiten des serbo-kroatischen Konfliktes zu begreifen. Doch obwohl ich mittlerweile einen Sinn für die Geschichte der Kämpfe habe, begreife ich sie überhaupt nicht. Wer begann das Kämpfen vor all den Jahren? Kommt auf die Sichtweise an. Ist es ein territorialer oder ein ideologischer Krieg? Kommt auf die Sichtweise an. Sind die extrem abscheulichen Taten der serbischen Armee zu rechtfertigen? Auf keinen Fall. Sind die Kroaten schlicht unschuldige Opfer verrückter Aggressoren? Auf keinen Fall. Die Ursachen für diesen fortdauernden Alptraum sind mit vergangenen Körpern im Dunst vergangener Jahrhunderte begraben. Warum also geht der Krieg weiter?"
Warum geht der Krieg weiter? Das ist die drängende Frage, die die Bildergeschichten-Erzähler aus Ex-Jugoslawien mit ihrer bitteren Kunst unnachgiebig stellen. Die andere Frage müssen die Leser, die Besucher der Ausstellung, sich selbst stellen: Was hat jeder von uns mit diesem Krieg zu tun? (HH)
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Max Cabanes
Mythen einer Kindheit
Kongreßzentrum, Rangfoyer
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Wenn es einen Comic-Künstler des Augen-Blicks gibt, dann ist das Max Cabanes. In seinem Hauptwerk spielen Blicke die entscheidende Rolle. Die Blicke, die die Protagonisten seiner Geschichten tauschen, und die Blicke des Voyeurs, die ihre Spannung nur halten können, wenn sie unentdeckt bleiben. Der Künstler selbst nimmt oft genug die Position des Voyeurs ein und präsentiert das Geschehen wie aus dem Verborgenen, häufig interessiert am Detail, der Großaufnahme. Die Totale ist selten bei Max Cabanes. Meist dient sie nur der Handlungsexposition. Seine Blicke sind intensiv. Sie umkreisen die Objekte der Neugier, der Begierde und der Erinnerung: Der Süden, das Boule-Spiel der Männer in der Nachmittagssonne, flanierende Mädchen. Auf der Suche nach Wahrhaftigkeit entdeckt Cabanes immer neue, immer andere Seiten seiner Kindheit.
Wer sich so der Aufdeckung der eigenen Vergangenheit, aber auch der Entdeckung des Anderen verschrieben hat wie Max Cabanes, dessen Strich kann nicht konsistent bleiben. Seit Cabanes sich mit Geschichten insbesondere erotischer Phantasie und Praxis beschäftigt, hat er die Konturen seiner Bilder entgrenzt. Seine frühen Arbeiten sahen noch anders aus, obwohl sich schon in der berühmten Serie "Dans les Villages" aus der Mitte der 70er Jahre die Konturen nicht fest im Raum stießen. Aber die Körper hatten ein anderes Volumen.
Architektur und Landschaft waren realistisch, gerade weil die Geschichten vom Einbrechen des Phantastischen ins Alltägliche handelten. Denn da berührte unsere Gegenwart eine Zeitpforte zum frühen Mittelalter (und der Zeichner als Ich-Erzähler machte sich mit distanzierter Ironie über das Medium lustig, das er hier bediente). Seit 1972 veröffentlichte der 1947 im französischen Béziers geborene Cabanes Bildergeschichten in diversen Magazinen und arbeitete als Illustrator für Bücher und Zeitschriften. Zum Thema erotischer Entwicklung fand er mit Kurzgeschichten über die Pubertät, die später zu dem Album "Herzklopfen" zusammengefasst wurden.
Seine Werkzeuge sind vor allem Feder, Farbstifte und Wachskreiden. Farbtöne werden zunehmend verwaschen, Konturen aufgelöst. Seine Zeichnungen werden von Stimmungs-Valeurs dominiert, mit denen sich ein Abendhimmel in die Phantasmagorie einer hingegebenen Frau verwandeln kann. Andererseits kann Cabanes Action-Sequenzen durch rasante Perspektivwechsel, manierierte Blickwinkel und Detailnähe atemberaubend dynamisch gestalten. Das Leben als Flirt ist manchmal eben auch von Wut und Aggression durchsetzt. Und sein Chronist ist Max Cabanes. (HH)
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©TOM
Die Welt in drei Bildern
Rathaus, Großer Saal
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Touché: Berührt, gepiekst, Treffer! Viele Übersetzungen sind möglich. Für Leser der Berliner Tageszeitung taz hat "Touché" allerdings nur eine Bedeutung: Eine Geschichte in drei Bildern, nach deren Lektüre man laut heraus lacht, verblüfft den Atem anhält oder sich windet vor Grauen. Oder man freut sich wenigstens darüber, die versteckte Fischgräte wieder einmal gefunden zu haben. "Touché" ist der Titel des Tages-Strips in der "taz". Er erscheint seit 1991. Und nicht wenige Leser schlagen ihn auf, bevor sie sich überhaupt auf die Schlagzeilen einlassen. Andere heben sich ihn bis zum Schluss des Zeitungsstudiums auf, als Trostpflaster, um nach den Inhalten der Schlagzeilen doch noch lachen zu können.
"Touché" ist signiert von Tom, mit einem kleinen Copyright-"c" vor dem "T". Hinter Tom verbirgt sich kein Geheimnis, sondern ein Mann mit Namen Thomas, Zuname Körner. Thomas Körner ist Jahrgang 1960 und wurde in Säckingen geboren, dort, wo Deutschland an die Schweiz stößt. Nach Berlin hat es ihn mit der Absicht eines Studiums der Politologie verschlagen. Aber bei der Absicht ist es geblieben, bis er kurz vor seinem 30sten Lebensjahr beschloss, Zeichner zu werden. Der Begriff ist ihm als Berufsbezeichnung am liebsten. Er akzeptiert auch Cartoonist, weil er gern mal "Ein-Bild-Sachen" produziert. Bei Comic-Zeichner hat er dagegen Bedenken. Darunter versteht er Leute, die lange Geschichten erzählen. Tom dagegen tendiert in der grafischen Narration zum Aphorismus, zur Pointe, die sich auf einen Blick erschließt oder zur shortest story.
Dabei sind seine Geschichten äußerst lakonisch und voll von schwarzem Humor. Aus zunächst eher kantigen Figuren hat er Körper mit charakteristischen Rundungen entwickelt, die alle Nasen wie aus dem Boxring vor sich her tragen. Es sind Typen des Alltags, die ihren Nächsten nicht unbedingt sehr lieben. Manche Typen wiederholen sich auch: die Rentnerin am Briefmarken-Schalter, der rotzfreche Schüler, der teuflische Empfangschef in der Hölle. Sie alle zeigen einen Gesichtsausdruck, als wollten sie gleich zubeißen, während Toms mit Fettwülsten behängte Hunde meist mit dem Gegenpol der Schnauze beschäftigt sind. Bilder aus einer rauhen Welt, deren einziger Trost die Schadenfreude ist und deren Panorama sich in genau drei Panels auszeichnen lässt. (HH)
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WON
Zerstörung und Schöpfung mit der Spraydose
evenTraum, Publicis MCD, Bauhofstraße
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"Destroy and create in the same moment thatıs the way of grafbombing." Das ist eines der Motti von WON: Die Kunst des Grafbombing bedeutet zerstören und schaffen im selben Augenblick. Grafbombing, ein Fachausdruck der Graffiti-Künstler - Bombardieren von Hauswänden, Brücken, Zügen mit Grafik. Für die einen ist das Zerstörung, Sachbeschädigung, Vandalismus. Das muss polizeilich verhindert, verfolgt, bekämpft, gerichtlich geahndet und bestraft werden. Für die anderen ist es ein schöpferischer Akt, Veränderung der Realität durch ästhetische Aktion, Aufladung normierter Design-Vorgaben mit innovativen Farben und Formen.
Die Produkte müssen in Ausstellungen und Museen präsentiert, in Katalogen dokumentiert, mit Preisen honoriert werden. WON hat Verfolgungen und Prozesse hinter sich. Er wurde in München zu Geld- und zu Freiheitsstrafen mit Bewährungsauflagen verurteilt. Andererseits werden seine Arbeiten in Ausstellungen vor die künstlerisch bewusste Öffentlichkeit gebracht - denn eigentlich mutet sich jede Graffiti-Kunst per Definition als Veröffentlichung und Ausstellung einem unwillkürlichen Publikum zu. Die WON-Ausstellungen findet man nicht nur im Kontext von Design und Comics, sondern z.B. auch bei der Skate-WM. Diese Kunst artikuliert also Lebensgefühle.
WON sagt: "Sprühen ist pure Energie, gerichtet gegen Macht und Pseudoordnung, Ausdruck eines Lebensgefühls, welches Respekt vor Dingen nur noch in extrem geringen Maßen kennt." "Die Welt", sagt er an anderer Stelle, "läuft so verschissen satt dahin. Sie braucht Farbe, Geschmiere, Dreck und Müll, um wieder geboren zu werden." Das ist der künstlerische Impetus von WON. Er setzt ihn mit der Sprühdose um. Und er ist dabei - im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die sich auf Zeichen und Ornament beschränken - durchaus figural. Drachenschlangen mit aggressiver Mimik winden sich an Zugwagen entlang.
Porträts - auch das von Shakespeare - tauchen auf. Mädchen zeigen Blößen. Städte gleichen wuchernden Haus-Urwäldern. Alles strahlt detailreich mit neonleuchtender Farbigkeit. Aus diesem Stil hat WON eine Comic-Geschichte über aztekische Götzen mit Ähnlichkeit zu den Invasoren aus dem Film "Mars Attacks", einen computerspiel-verliebten Jesus, den Osterhasen und den Weihnachtsmann entwickelt, deren Charaktere und Hintergrund-Verwucherungen ihrerseits wieder Motive für Grafbombings ergeben.
WON heißt, seines Pseudonyms enttarnt, Markus Müller, ist 1967 in Weiden geboren und hat an der Akademie der bildenden Künste in München studiert. Seine Bilder sind Antworten auf seine Lebenswelt. Fragt sich, was destruktiver ist. (HH)
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Gezähnte Comics
9. Kunst auf bunten Marken
Kongreßzentrum
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Biefmarken zu sammeln, zählt seit 150 Jahren weltweit zu den populärsten Hobbys. In der Gegenwart geht es dabei vor allem um das Sammeln von bestimmten Motiven. In vielen Ländern haben sich dabei auch Comic- und Zeichentrickfilmhelden einen festen Platz auf den Marken erobert.
Deutschland tut sich allerdings relativ schwer mit Comic-Motiven auf Briefmarken, auch wenn man 1958 bereits mit zwei Marken an Wilhelm Busch erinnerte. Die USA ehrten Walt Disney 1968 mit einer regulären 6-Cent-Marke. Zwei Jahre später folgte in Europa der legendäre Disney-Satz San Marinos. Doch zu einem Sammelgebiet wurden Disney-Marken erst seit 1979. Seitdem erscheinen mit Genehmigung der Walt Disney Corporation in vielen Ländern unzählige Motivmarken zu Disney-Filmen. Beliebte Motive sind auch Disney-Collectibles und Strips von Taliaferro, sowie Comic-Cover der Zeichner Strobl, Barks und Kelly. Eigens zu diesen Disney-Marken erschien ein umfangreicher Katalog (1998 in der 2. Auflage).
Außer den USA und Kanada besinnen sich zunehmend auch die europäischen Länder ihrer nationalen Comic-Traditionen. Die schönsten Marken kommen heute aus Schweden und Dänemark, aus der Schweiz und aus Frankreich. Inzwischen liegen zu allen wichtigen Comic-Zeichnern oder Figuren Motivmarken vor. Bahnbrechend wirkten hier die großen Jubiläumsblöcke Frankreichs, 1988, und der USA, 1995.
Die Ausstellung erzählt mit rund 1000 Briefmarken eine Comic-Geschichte der Extra-Art, beginnend mit Wilhelm Busch und Rodolphe Töpffer. Darüber hinaus gibt sie mit Artikeln aus der Fanszene und Ausschnitten aus Sammler-Katalogen Einblicke in die Geschichte des Sammelns und die Produktion von Comic-Marken aus den Ländern Schweden, Finnland, Dänemark, Schweiz, Belgien, Niederlande, Frankreich, USA/Kanada und anderen.
Sie berichtet aber auch über das Disney-Imperium mit Motivmarken, einer Auswahl berühmter Comic-Cover, Disney-Memorabilia wie Greeting Cards und Spielzeug auf Briefmarken, sowie die Geschichte der Disney-Zeichentrickfilme (Poster, Filmszenen usw.).
Einen weiteren Ausstellungs-Schwerpunkt bilden Marken mit Zeichentrickfilm-Motiven, u.a. mit Asterix, Bugs Bunny, Tom und Jerry. Die Exponate stammen aus der Sammlung Michael Scholz, Berlin.
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Wie entsteht ein Comic?
Vom Scribble bis zum Album
Kongreßzentrum, Großer Saal
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Die Entstehung eines Comics und das Werden Nachkriegsdeutschland - in dieser Ausstellung ist beides zusammengefasst. Der Comic "Geht doch rüber! - Fünf Jahrzehnte deutscher Geschichte", den der Ehapa-Verlag in Zusammenarbeit mit dem Bonner Haus der Geschichte produzierte, zeigt die Marksteine deutscher Nachkriegsgeschichte am Beispiel einer Familie, die zu Teilen im Osten, zu Teilen im westlichen Teil Deutschlands lebte und lebt. Gezeichnet wurde die Geschichte von Joseph Béhé, Etienne Jung und Fréderique Schwebel. Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Entstehens dieses Comics vom Scribble über die Reinzeichnung bis hin zum fertigen Album.
Zur Handlung: Pommern 1944/45, im letzten Kriegswinter an der näherkommenden Ostfront... Wie Millionen andere auch flüchten die beiden Schwestern Marianne und Inge in einem der vielen Trecks vor der anstürmenden Roten Armee. In den Wirren der Flucht werden die beiden Frauen auseinandergerissen: Marianne schlägt sich nach Freiburg durch, die schwangere Inge findet im ausgebombten Leipzig Unterschlupf. Auf beide wartet eine ungewisse Zukunft: Mariannes Mann Heinz ist in Rußland vermißt, und Inge weiß, daß ihr Kind ohne einen Vater aufwachsen wird.
Geht doch rüber! begleitet den Lebensweg zweier Schwestern über mehr als ein halbes Jahrhundert in einem Land, das schon bald für mehr als vierzig Jahre geteilt werden sollte. Die authentisch recherchierte Comic-Erzählung läßt Geschichte zwischen Wiederaufbau und Hula-Hoop, zwischen Apo und Mauerspechten lebendig werden.
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Das neue Territorium
14. und 15. Deutsch-Französisches Comic-Zeichner-Seminar 1999 und 2000 Ergebnisse
Rathaus
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Zum 15. Mal wird kurz vor und in Verbindung mit dem Salon vom Französischen Kulturinstitut Erlangen und vom Kulturamt der Stadt in Zusammenarbeit mit Paul Derouet, Hamburg, das Deutsch-Französische Comic-Zeichner-Seminar durchgeführt. Im Anschluss an den Intensivkurs werden die Ergebnisse auf dem Salon präsentiert.
Nur 16 Plätze stehen zur Verfügung. Doch weil der Ansturm alljährlich so groß ist, hat man das Seminar in diesem Jahr auf 20 Plätze erweitert. Die Ausgewählten sind keine Anfänger, sie bringen bereits eine gute Zeichentechnik mit.
Erfahrungsgemäß wird hart gearbeitet während der "Erlanger Woche". Das geht täglich von früh am Morgen bis weit nach Mitternacht. Das Dozententeam ist seit dem 14. Seminar erstmals ein deutsch-französisches Mix. Den französischen Part vertrat im vergangenen Jahr Max Cabanes, Paris, in diesem Jahr ist es Frédéric Bézian aus Revel. Den deutschen Teil vertritt zum zweiten Mal der Zeichner Martin tom Dieck, Hamburg, der bereits mit seinem ersten Album 1994 einen Max-und-Moritz-Preis erhielt.
Die Seminar-Teilnehmer, die zum Teil immer wieder nach Erlangen kommen, waren im letzten Jahr: Eva Dünzinger (Rüsselsheim), Mirja Engelhardt (Dortmund), Kai Gurski (Braunschweig), Paul Hoppe (Pforzheim), Annette Jung (Böblingen), Lizah Kochenburger (Konstanz), Nils Oskamp (Dortmund), André Rösler (Karlsruhe), Ingrid Sabisch (Stuttgart), Barbara Schaaf (Bad Soden), Dirk Schwieger (Hamburg), Elke Steiner (Münster), Jan Thüring (Ludwigsburg), Daniela Trocker (Augsburg), Sylvia Wolf (Wiesbaden), Monika Zwick (Gelnhausen).
In diesem Jahr sind es: Eva Dünzinger (Rüsselsheim), Mirja Engelhardt (Dortmund), Nils Oskamp (Dortmund), Ingrid Sabisch (Stuttgart), Jan Thüring (Ludwigsburg), Tobias Meier (Lüneburg), Mario Nägele (Österreich), Bernhard Skopnik (Kassel), Christopher Fellehner (Frankfurt/M.), Bernhard Speh (Wiesbaden), Homayoun Haghgoo (Köln), Alexander Ziegler (Kassel), Lucius Heidenreich (Hemhofen), Rüdiger Hahn (Erkrath), Vockan Baga (Würzburg), David v. Bassewitz (Zell am Main), Oliver Wörle (Margetshöchheim), Michaela Wagner (Niedernhausen), Karin Fischer (Velbert), Stefanie Wegner (Hamburg).
War im letzten Jahr das Thema "Das Tier in mir", so ist es in diesem Jahr "Das Neue Territorium". Dozent Martin tom Dieck schreibt dazu: "Was könnte das sein? Geographisches, Psychologisches, Biologisches, Semantisches oder Soziales ... Neue Räume, neue Gefühle, neuer Lebensabschnitt, neue Wahrnehmung, neu Gelerntes, neue Sprache, neuer Sinn, neue Freunde, neue Macht: eine sinnliche Entdeckung, ein Konflikt, sprechen oder lesen lernen, eine neue Brille, Kindheit, Pubertät, Alter, nach dem Tod, der siebte, achte oder neunte Himmel, ein Gefängnis oder der neue Columbus. Aber auch das Neue und das Alte, die Grenze und der Grenzüberschritt - ein neuer Workshop und ein neues Projekt ..."
Die ersten Schritte ihrer Story bringen die jungen Teilnehmer bereits im Reisegepäck nach Erlangen mit.
Die Ergebnisse der Seminare von 1999 und 2000 werden beim Salon in einer Ausstellung vorgestellt. Das hat Tradition. Und wird mit großer Spannung erwartet. Immerhin werden hier Talente geschmiedet und entdeckt. Zu ihnen zählten in den letzten Jahren u.a. Andreas Dierßen, Harm Bengen, Markuss Golschinsky, Frida Bünzli, Isabel Kreitz (nominiert für den Max-und-Moritz-Preis 2000), Jan Thüring (mit einer Ausstellung beim Salon 2000) und Uli Oesterle (nominiert für den Max-und-Moritz-Preis 2000).
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Ten Eyes Archiv
André Breinbauer, Fufu Frauenwahl, Norbert Zlöbl
Kongreßzentrum
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Die drei Nürnberger Comiczeichner André Breinbauer, Fufu Frauenwahl und Norbert Zlöbl präsentieren ihr Projekt "Ten Eyes Archiv", das Gleichgesinnten und auch ihnen selbst eine Plattform zur Veröffentlichung bietet.
Das T.E.A. ist eine Comic-Heft-Reihe, bei der jedes Heft von jeweils einem Zeichner gestaltet wird. Den Anfang der Reihe bilden Hefte der drei Ten Eyes-Gründungsmitglieder. Sie stehen sich weniger stilistisch als in ihrer Passion für das Comic-Genre nahe. So reichen auch die Themen von einer Neuinterpretation der Schöpfungsgeschichte durch den "parapsychologischen Weltenbummler" Horst Kreiner über die Abenteuer dreier herren- bzw. frauenloser Vibratoren (The Amazing Joysticks) bis zu den surrealen Fällen des Traumdetektivs Ray Murphy.
Die Ten Eyes-Gruppe war beim 8. Internationalen Comic-Salon Erlangen bereits mit ihrer Comicanthologie "Sendeschluß" vertreten.
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Denkmuskel
Elf junge Comic-Zeichner/innen
Kongreßzentrum
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Ungewöhnliches zum Thema "Bildgeschichte" von Schülern und Studenten eines Projekts der "Schule für Kunst und Theater" aus dem rheinischen Neuss.
Die "Alte Post" in Neuss ist eine Schule für Kunst und Theater. Wechselnde Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst und ein vielfältiges Bühnenprogramm ergänzen das Lehrangebot. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit ist die künstlerische Förderung und ausbildungsbezogene Orientierung talentierter junger Menschen zwischen 15 und 25 Jahren.
Die Dozenten sind Berufspraktiker mit Hochschulausbildung aus den unterschiedlichsten Bereichen der bildenden Kunst, der Gestaltung und der darstellenden Kunst, bis hin zu Kabarett, Literatur und Chanson. Sie repräsentieren unterschiedliche Wege individueller beruflicher Orientierung und Formen künstlerischer Identität.
Neben der Kursarbeit wurde in den letzten Jahren die Projektarbeit zunehmend wichtiger. Die Teilnehmer müssen bereits Vorerfahrungen mitbringen.
Das Comic-Projekt "Denkmuskel" ist Ergebnis einer solchen Arbeit. Über 60 Comic-Zeichner haben Arbeiten eingereicht, die das ganze Spektrum dessen umfassten, was Bildgeschichte sein kann.
Auswahlkriterien waren vor allem künstlerische Intensität und Eigenständigkeit. Es wurde auf Beweglichkeit im Einsatz zeichnerischer Mittel geachtet, sowie auf Erfindungsgabe hinsichtlich der Figuren und ihrer Bewegungen, der dargestellten Räume und Gegenstände, der Dramaturgie und Handlung und der Gestaltung der Seiten.
Die ausgewählte Gruppe repräsentiert die Breite dessen, was an zeichnerischen Ausdrucksweisen eingereicht wurde. Oberstes Ziel war, eine ansprechende, zeichnerische Bildgeschichten-Welt zusammenzustellen, mit allem Phantastischen, Grotesken und Anarchischem, was das Genre zu bieten hat. Thematische Vorgaben gab es nicht.
Die Teilnehmer und ihre Geschichten: Aike Arndt, geb. 1980; "Metal Morphose"; Pia Blasius, geb. 1985, "Liebe geht über Laichen"; Robin Bohn, geb. 1988, "Mr. Merlin"; Julia Elling, geb. 1980, "Hüllenformat c 6"; Dirk Eßer, geb. 1976, "Leere Augen Augenblicke"; Max Fiedler, geb. 1977, "Televisionen"; Hilmar Hildebrand, geb. 1972, "Lars auf Reise"; Simone Klerx, geb. 1980; "Frisösen und gespreizte Beine"; Sebastian Kork, geb. 1978, "Die Weltherrschaft"; Raphael Schöttler, geb. 1988, "Die Nacht der Aliens"; Leonhard Torscheit, geb. 1982, "Feentasie".
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Jan Thüring
Endstation Paradies
Galerie Hartmut Beck (16. Juni - 8. Juli)
Geöffnet während des Salons: Do 12-19 Uhr, Fr, Sa 10-18 Uhr, So 10-19 Uhr, sonst: Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr, So und Mo geschlossen
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Pti'Lucs Ratten-Kosmos in animierte Bilder umgesetzt. Set, Standfotos, Storyboardzeichnungen geben Einblicke in die Dreharbeiten des Films.
Jan Thüring verfilmte Pti'Lucs Ratten- und Müll-Story zu einem Animationsfilm von rund sieben Minuten. Zu sehen war und ist der Film u.a. bei den Festivals von Annecy, Potsdam, Trento, Emden, Rüsselsheim und Stuttgart. Produziert wurde er von der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg. In Emden bekam er soeben den 1. Preis beim Kurzfilm-Wettbewerb - einen "Goldenen Ottifanten".
Der Film "Endstation: Paradies" ist eine freie Adaption einer Comic-Kurzgeschichte aus dem Album Miasma Blues von Pti'Luc. Zum erstenmal ist Jan Thüring vor vier Jahren auf diese Geschichte aufmerksam geworden, als der Belgier seine Originalseiten in Erlangen ausstellte. Jetzt hatte er die Möglichkeiten, seine "Lieblingsgeschichte" als eigenständige Erzählung auf die Leinwand zu bringen.
Gezeigt werden die Rattenpuppen und Requisiten des Films. Darüber hinaus wird ein Einblick hinter die Kulissen gegeben, der Weg vom Originalcomic zum Kinokurzfilm mit Ausschnitten aus dem fertigen Film.
Geboren 1975 in Aachen, studierte Jan Thüring Kommunikationsdesign in Krefeld. Er jobbte unter anderem in einem Kleinzoo und als Location-Scout in New York. Während dieser Zeit zeichnete er Comic-Kurzgeschichten, die unter anderem in Panel, Filmriss, Moga Mobo erschienen. Danach wandte er sich verstärkt dem Film zu, drehte Kurzfilme und Videoclips, zeichnete Storyboards und Animatics und verknüpfte immer wieder Comic und Film.
Jan Thüring ist freier Filmemacher, arbeitet zur Zeit für "MAD" und koloriert den neuen Comic von Martin Frei. Er studiert an der Filmakademie Baden-Württemberg.
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Axel Voss - That's entertainment
Galerie Eschenbacher
Antiquariat Eschenbacher, Goethestr. 37 (22. Juni - 5. Juli)
Geöffnet während des Salons: Sa 11-18 Uhr, So 11-18 Uhr, sonst: Mo-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr
Vernissage am 22. Juni, 19 Uhr
Es spielen die Pampelmusen: Gesang: Stefanie Panichi & Nicola Fütterer. Piano: Mauro Bella
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"Thats's Entertainment", ein Comic im Singleformat, das ist die neue Arbeit des Wahl-Fürthers Axel Voss, eine Hommage an die englische Punkmusik der Ge-Ge-Generation nach den Who. Anhand des Jam Songs "That's Entertainment" entwirft Axel Voss das Bild eines urbanen London unter Margaret Thatcher, wie es die Punks sahen. Der Comic, der die Stropheneinteilung des Songs beibehält, zerlegt den Text von Paul Weller und ordnet die Bilder neu an, so dass sich teilweise einzelne Episoden ergeben, teilweise die assoziativen Bilder die ewig gleiche Unbill des modernen Lebens widergeben.
Axel Voss beschreibt seine Arbeit als: "schwarzweiss, realistisch & nicht sehr lustig". Man merkt dem Autor aber seine Liebe zur englischen Rockmusik und zum trockenen englischen Humor an, "lights going out and a kick in the balls, that's entertainment". Beim ersten Comic-Salon des neuen Jahrtausends besinnt sich Axel Voss, der sich als "ewigen Nein-Sager" bezeichnet, auf die Musik des vergangenen Jahrhunderts und das ausgestorbene Singleformat.
"That's Entertainment" ist gleichzeitig das Motto der Ausstellung. Präsentiert werden auch die Computeranimationen, die sich um akrobatische Schweine und rotierende Totenschädel drehen. Ausserdem zeigt Voss Folgen seiner Siebdruckserie zur Nürnberg-Fürther U-Bahn.
Axel Voss, ein "traditionalistischer Künstler zwischen Slapstick und Sarkasmus", Jahrgang 1966, studierte an der Kunstakademie Nürnberg und lebt als freier Künstler und Grafiker.
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Texte (HH) von Herbert Heinzelmann
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Index
Moebius/Giraud
Jean-Claude Mézières
H. R. Giger
Kreuzfahrt durch den phantastischen Kosmos
Ils rêvent le monde
War and Peace
Max Cabanes
© TOM
WON
Gezähnte Comics
Wie entsteht ein Comic?
Das neue Territorium
Ten Eyes Archiv
Denkmuskel
Jan Thüring
Axel Voss
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