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Hinweise des Kulturamts

Geschichtlicher Abriss der ex-jugoslawischen Comic Szene
Angesichts der politischen Lage mag es verwundern, aber tatsächlich existierte in den ehemaligen ex-jugoslawischen Republiken während des Krieges der 90er Jahre so etwas wie eine kulturelle Szene. Einer der lebendigsten und unabhängigsten Bereiche war die Comic-Produktion, was insofern nicht überrascht, als der Comic schon seit den 30er Jahren dort sehr populär ist. Es war die Zeit, in der amerikanische und europäische Comics erstmals im großen Stil veröffentlicht wurden und sich lokale Szenen bildeten, mit Autoren aus Belgrad und Zagreb. Sogar während des zweiten Weltkrieges wurden Comics veröffentlicht, sowohl in den kommunistischen Heften, als auch in denen der nationalsozialistischen Besatzungsmacht. Während einige Hefte unter Tito bis in die späten 80er europaweit Verbreitung fanden, mussten in den frühen 90ern die meisten Verlage auf Grund des Kriegsbeginns und der Spaltung der Republiken ihre Arbeit einstellen. Aus dieser Situation heraus konnte sich aber eine neue Comic-Zeichner-Generation entwickeln, die heute weitgehend im nicht-kommerziellen Stil des American Underground arbeitet.
Zograf über sich
Als Anfang der 90er der Krieg ausbrach, begann ich, eigene Mini-Comics in englischer Sprache zu produzieren, die ich in Form von Fotokopien innerhalb der alternativen Netzwerke der ganzen Welt verkaufte. Während ich noch in Pancevo, einer serbischen Kleinstadt lebte, begann ich, mit großen amerikanischen Alternativ-Verlagen wie Fantagraphics Books und Kitchen Sink Press zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig entdeckte ich, dass es noch andere Comic-Zeichner in Serbien gab, die in ähnlichem Stil arbeiteten. Einer von ihnen, auch 1963 geboren, lebte in der Nachbarstadt. Durch Zufall trafen sich unsere Wege. Er nannte sich Wostok.
WAR AND PEACE
Schranken zu durchbrechen und in der großen weiten Welt Aufmerksamkeit zu gewinnen, das ist auch von einem kleinen Land aus möglich. Man muss nur seine Energien richtig einsetzen. Die Ausstellung WAR AND PEACE stellt nicht nur Serbiens und Sloweniens alternative Comic-Szene vor, sie ist außerdem ein Beispiel für den Zusammenhalt ex-jugoslawischer Autoren und Herausgeber in aus ihrem Lauf geratenen Zeiten. Slowenien ist die erfolgreichste ex-jugoslawische Republik und wohl nicht weit von der Aufnahme in die Europäische Union entfernt. Serbien hingegen ist weiterhin in Aufruhr. Seit zehn Jahren ist es in all diese nicht erklärten Kriege verwickelt und niemand weiß, ob die NATO-Luftangriffe wirklich das letzte Kapitel sind oder nur der Beginn einer neuen Krise. Die Konflikte konnten jedoch bis heute weder Künstler noch Herausgeber von der Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen abhalten. In diesem Sinne will diese Ausstellung auch zeigen, dass man nur etwas guten Willen, gesunden Menschenverstand und Humor braucht, um die bürokratischen Hürden eines Landes zu überwinden.

(zitiert aus der Presseinformation vom 22.6.00 des Kulturamts Erlangen)

 

Umzug und Abschied

Georg F. W. Tempel "Dschordsch F. W. Temple, bitte kommen Sie zum Orga-Büro!", tönt die Lautsprecherdurchsage. Seit Tagen sorgen die ungewollten Verballhornungen von Namen durch die freundliche Dame am Mikro für Heiterkeit ("Schau'n Sie einmal beim Zwergenfell Verlag vorbei!"). Irgendjemand steckt ihr, dass der Name des Herrn Tempel deutsch auszusprechen sei. Daraufhin verbessert sie: "Georg VW Tempel, bitte kommen Sie zum Orga-Büro!" Selbiger steht am Ehapa-Stand und liest den Röhrenden Hirsch, das Szeneblatt von Zwerchfell, welches zu mindestens 30 % erstunken und erlogen ist. Demnächst wird er nach Berlin umziehen und nach der Umstrukturierung (d.i. Verschlankung) von Egmont Ehapa als Verlagsleiter für "Manga Europe" tätig. - Als die Lautsprecher verkünden: "JOCHEN Enterprises sagt Adieu!", horchen viele auf, denn der Röhrende Hirsch hatte bereits gemeldet, dass Dirk Baranek und Partner zum Ende des Jahres diesen ungemein verdienten und regen Verlag schließen wollen. Das mag man sich ungern vorstellen und ist überrascht, auch da JOCHEN doch gerade erst mit viel Tratra in neue Räume umgezogen ist. Also dann zerknirscht: Adieu, Jochen!

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Mills und Hicklenton

Hicklenton Nicht mehr nur bei Ehapa kommen Comics von Pat Mills heraus, auch Extrem Erfolgreich Enterprises (EEE) hat jetzt stolz ein von Mills geschriebenes und eigenproduziertes Heft im Programm, das den Titel "Torturer" trägt. Gezeichnet wird das Horror-Oeuvre in passender Weise von John Hicklenton (s. Foto links). Von EEE eingeladen gibt man Pat Mills angeblich nicht an Ehapa zu einem Signiertermin frei, doch bei EEE wusste man von diesem Ansinnen Ehapas auch gar nichts, wie die Leipziger mitteilen. Ein solches in der Szene der Comic-Verlage eigentlich unübliches Verhalten des Blockierens könne man eher Infinity vorwerfen, die Liam Sharp ("Death Dealer") nicht an EEE ausleihen wollten. Man merkt, die Zeichner sind nicht nur schöne Verzierung sondern auch wichtiges Lockmittel einer Messe. Sie bringen Geld in die Kassen, trotz des Aufwands, den man für ihre Reise und Unterkunft treiben muss. - Übrigens hat EEE ein eigenes Tagebuch während des Comic-Salons geführt und unter www.big-f-manor.de ins Netz gehängt.

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Vallès

Vallès Von seiner Arbeit als Zeichner der Familiensaga eines Geschlechts von Bierbrauern (in Deutsch "Hopfen und Malz" in acht Bänden) könne er in Frankreich zufriedenstellend leben, erzählt Francis Vallès. Wenn man sieht, dass von dieser Serie bisher jedes Jahr nur jeweils ein Album erschien, kann das deutsche Zeichner neidisch auf den frankobelgischen Markt blicken lassen. Zudem hat Vallès das Glück, mit Jean Van Hamme einen überaus erfolgreichen Texter an der Seite zu haben, der mit Serien wie "XIII", "Largo Winch" und "Thorgal" große Beliebtheit erlangte. Der 40-jährige Vallès kommt aus der Gegend südwestlich von Lyon und stellt in Erlangen unter anderen den 8. Band 'Die Steenforts' vor, der als Sonderband im Rückblick kürzere Episoden der Familienhistorie versammelt, um die Saga erzählerisch abzurunden. Vor seiner Arbeit an dieser Serie, die ihn recht bekannt machte, zeichnete Vallès "Dorian Dombre", "Jean-Louis Éntienne, le marcheur du Pôle" und zahlreiche Literaturadaptionen ('Gullivers Reisen', 'Oliver Twist' usw.) für die Monatszeitschrift Je bouquine.

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Tüpen und Rückblick

Lack und Leder-Vamp Von Buddy ("Krass") Bradley beziehungsweise seinem Übersetzer ist das treffende Wort "Tüpen" an uns überkommen, mit welchem er seine mehr oder weniger netten Mitmenschen bezeichnet. Mit einer Peitsche ihren beleibten und belederten Begleiter schlagend zieht eine Grusel-Domina, von der wir hier vorsichtshalber nur die Vorderseite zeigen, über die Comic-Messe. Ein Foto der Rückseite der Dame schicken wir gegen Altersnachweis per eMail nur an über 21-jährige, die nichts gegen die Frauenfiguren von Robert Crumb haben.

Das Kulturamt spricht davon, in etwa die gleichen Besucherzahlen wie vor zwei Jahren gehabt zu haben (also gut 20.000). Die Händler zeigen sich zufrieden bis sehr zufrieden mit dem Geschäft. Bei Carlsen und Ehapa schließt man sich dem an und hebt übereinstimmend hervor, auch viele neue Gesichter gesehen zu haben. Beide Verlage äußern den Eindruck, dass mehr Besucher als vor zwei Jahren bei ihnen gewesen seien, was bedeutet, dass diese an anderen Orten gefehlt haben werden. In den am Rand liegenden Abschnitten der Messeräume war der Stand von Infinity (mit David Mack) ständig umlagert, während der Dino-Raum wegen seiner Größe oftmals relativ leer wirkte. Die längste Signierschlange innerhalb der Messe wurde bei Giger beobachtet, außerhalb soll sich beim abendlichen Signiertermin von Moebius in der Städtischen Galerie eine lange Schlange bis auf die Straße gebildet haben. Das zu sehen, konnte man leicht verpassen, wie man es überhaupt wiederum kaum schaffen konnte, an den ereignisreichen vier Tagen an allen interessanten Veranstaltungen des reichhaltigen Programms teilzunehmen. Erlangen bietet Auswahl. So bekommt man die Fans ganz unterschiedlicher Comic-Arten unter einen gemeinsamen Hut und schafft die Möglichkeit, dass der eine auch einmal beim anderen hineinschaut, um die Vielfalt der deutschen Comic-Szene wahrzunehmen, die sich zwischen den Independent-Verlagen und den Marktführern aufspannt. Moebius schätzte die deutsche Comiclandschaft in seiner Ansprache zur Max-und-Moritz-Gala daher als "small but strong" ein, was man gerne als Lob und Ermunterung versteht.

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