Max-und-Moritz-Preis 2002
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler
Hochleistungssportler
Peter Puck
Wenn man es eine Leistung nennen will, dass jemand gegen alle
ästhetischen Moden seinen eigenen Stil verfolgt, dann ist Peter
Puck ein Hochleistungssportler. Seit der 1960 geborene
Heidenheimer Zeichner vor siebzehn Jahren seine Serie "Rudi"
begründete, hat er nichts anderes getan, als seine persönliche
Sicht auf die Funnies zu perfektionieren - und dabei ein Werk
geschaffen, das wie ein Monolith in der deutschen Comicwelt
steht. Denn Puck ist kein Epigone, so sehr man seinem
dynamischen Strich den Einfluss der Marcinelle-Schule auch
ansieht und so sehr seine Erzählweise sich an den
Gepflogenheiten französischsprachiger Comic-Klassiker wie
"Achille Talon" oder "Gaston" orientiert. Doch man müsste
darüber hinaus ein ganzes Panoptikum von Einflüssen benennen,
das von Carl Barks bis Robert Crumb reicht, um seinen Satiren
inhaltlich und formal gerecht zu werden, und man hätte damit
noch nicht annähernd deutlich gemacht, was die eigentliche
Meisterschaft von Puck ausmacht: sein Timing, seine Sensibilität
für genau die richtige Pose seiner Figuren und ein Textgespür,
das ganz ohne Beispiel ist. Denn Pucks "Rudi" ist nicht weniger
als ein deutsches Sittenbild der letzten zwanzig Jahre. Wer
jemals in der Zukunft lesen und sehen möchte, wie wir gelebt
haben, mit all unseren Marotten, Lastern und
Liebenswürdigkeiten, dem steht mit den gerade einmal sechs
"Rudi"-Bänden eine Enzyklopädie des Alltags bereit. Und in Peter
Puck gilt es einen Chronisten zu feiern, der sich mit allem
messen kann, was das Genre hierzulande hervorgebracht hat.
Andreas Platthaus
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