Das kam nicht von ungefähr. Schon in den Jahren davor war eine Wandlung zu spüren gewesen. "ZACK" und "Comixene" hatten ihren Lesern vermittelt, daß ein Comic nicht nur gedruckt, sondern zunächst einmal geschrieben und gezeichnet wird. Nicht mehr nur Kinder griffen zu dieser Art von Unterhaltung, sondern immer mehr Ältere. Die wollten etwas über die Hintergründe ihrer Lektüre wissen. Vor allem aber suchten sie den Kontakt zu den Verlagen, den Autoren und Zeichnern.
In Frankreich und anderswo waren die Schöpfer der "bunten Bilder" längst der Einsamkeit ihrer Arbeitsstuben entfleucht und genossen das Bad in der Menge. Die beste Gelegenheit, einen Franquin oder Moebius mit eigenen Augen zu sehen, bot der seit 1974 stattfindende Comic-Salon von Angoulême. Dorthin wie auch ins italienische Lucca pilgerten jedes Jahr Tausende von Comicfans. Waren Comics anfangs auch in Frankreich und Belgien ein Wegwerfprodukt für Kinder gewesen, so galt ihnen nun die Aufmerksamkeit der heimischen Medien.
Darauf war man hierzulande mit Recht neidisch. Der Wunsch nach "französischen Zuständen" beseelte das Häuflein der Comicschaffenden, die sich im März 1981 im fränkischen Erlangen trafen, um die Gründung eines "Interessenverbands Comic" (ICOM) zu beschließen. Das ICOM-Treffen war vom Kulturamt der Stadt bezuschusst worden, ebenso wie eine Comic-Con genannte, zweitägige Veranstaltung im November 1982, die neben einer kleinen Ausstellung schon mit Vorträgen und einem Filmprogramm aufwarten konnte und die den "Andrang" von 200 Besuchern verzeichnete.
Vorbilder Lucca und Angoulême
Getragen wurden die Bestrebungen des ICOM, in Erlangen einen Comic-Salon nach dem Muster von Lucca und Angoulême ins Leben zu rufen, in erster Linie von Achim Schnurrer. Zusammen mit Hartmut Becker hatte Schnurrer einige Jahre zuvor schon in seiner Heimatstadt Köln so etwas aufzuziehen versucht. Damals winkten die zur Mitarbeit aufgerufenen Verlage noch ab - sie waren es einfach nicht gewohnt, in dieser Form an die Öffentlichkeit zu gehen. Ganz auf sich allein gestellt, scheuten die beiden Veranstalter das Risiko.
Inzwischen war Schnurrer in den Raum Erlangen gezogen; rein persönliche Gründe hatten den Ausschlag gegeben. Bei Karl Manfred Fischer, dem Leiter das Erlanger Kulturamts, der in der Städtischen Galerie bereits die von Becker und Schnurrer zusammengestellte Ausstellung "Die Kinder des fliegenden Robert" gezeigt hatte, fand der Missionar in Sachen Comic ein offenes Ohr. Fischer unterstützte den kulturellen Anspruch eines solchen Festivals. Er ahnte wohl auch, daß nur durch ein langfristiges Engagement von seiten der Stadt Wirkung erreicht werden konnte, selbst wenn das einen stetigen Kampf um politische Mehrheiten und Finanztöpfe bedeutete. Durch ähnliche Projekte, wie etwa das Poetenfest, verfügten die Erlanger über eine langjährige Erfahrung in der Organisation und Durchführung von Großveranstaltungen.
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