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katalog

Cover des Katalogs zur Ausstellung "Die Kunst der Comics".

Nur langsam begann in den Redaktionen ein Umdenken. Nach dem Pillenknick bot der Kioskmarkt keine Zukunftsperspektive; da konnte es nur recht sein, wenn sich die Comics über den Buchhandel und die noch völlig exotischen Comicläden absetzen ließen. Das Produkt schien ja daßelbe zu sein - eine sehr oberflächliche Einschätzung, wie sich bald herausstellte.

Die Kunst der Comics

Für die neue Kundschaft waren Comics nicht mehr nur Ware, sondern auch Werke von kulturellen Dimensionen. Das ließ sich an den Ausstellungen ablesen, die die Veranstalter zusammengetragen hatten. Herausragend in jeder Beziehung war die mehrere hundert Originale umfassende Schau "Die Kunst der Comics" in der Städtischen Galerie. Nicht nur, daß so mancher hier zum erstenmal sah, was dem gedruckten Strip, Heft oder Album vorausging - es war auch die Bandbreite, die überraschte. Achim Schnurrer und der Zeichner Ricardo Rinaldi hatten sich die Sammlung aus Italien ausgeborgt.

Von "Krazy Kat" und "Prinz Eisenherz" über Barks' "Donald Duck" bis hin zu "Tim und Struppi" und "Gaston" war hier alles vertreten, was Rang und Namen hatte. Eine ähnlich umfassende Übersicht über die Geschichte des Comic, dargestellt anhand von Originalen, sollte es auch später nicht mehr geben. Die Ausstellung tourte anschließend durch die Lande. In Weiden/Oberpfalz entfachten die ausgestellten Blätter von Crepax' "Emanuelle" einen handfesten Sittenskandal und wurden entfernt; in Hannover bescherte "Die Kunst der Comics" dem Wilhelm-Busch-Museum einen Rekord von 34.000 Besuchern.

Zum Erlanger Beiprogramm gehörte - neben weiteren Ausstellungen, Vorträgen und einer Trickfilmschau - auch die bis heute beliebte "Elefantenrunde", die Podiumsdiskussion mit den Vertretern der großen Verlage. Sie lief 1984 unter dem Titel "Comics - Kulturgut oder Industrieprodukt?" und war so gut besucht, daß im Veranstaltungsort Kulturtreff nicht einmal mehr ein Stehplatz zu ergattern war. Carlsen kündigte hier an, man wolle in Zukunft Alben mit deutschen Zeichnern herausbringen. Das war die Art von Signal, auf das die Szene wartete. Zwar freuten sich alle, daß die bekannten Comics aus Frankreich und Belgien (andere Länder waren weniger in Mode) nun auch bei uns erschienen, was aber eigentlich gefordert wurde, war eine spezifisch deutsche Comic-Kultur. Der Redoutensaal war voll von jungen Talenten, und immerhin war der Comic-Salon aus einer Initiative des ICOM, des Verbands der Zeichner und Autoren, entstanden.

  Riesig

Comicfiguren unter sich: Micky und Goofy posieren mit den beiden Sammlern Hans-Jürgen Runge (Mitte links) und Heiner Jahncke.

 
Preistraeger

Svante Setterblad von Bulls Pressedienst und die Preisträger
Chris Scheuer, Chris Browne (für seinen Vater Dik Browne)
sowie Eckart Sackmann für den Carlsen Verlag.

Max-und-Moritz-Preis

Unter den am Samstag vergebenen "Max-und-Moritz-Preisen" war der für den "Besten deutschsprachigen Künstler" die Hauptattraktion. Er ging 1984 an den Österreicher Chris Scheuer. Scheuers heißester Konkurrent Matthias Schultheiss, der bereits ungleich mehr an Veröffentlichungen vorzuweisen hatte, mußte sich noch zwei Jahre gedulden, bis auch er den begehrten Silbertaler erhielt. Die Verleihung fand auf Atzelsberg, einem kleinen Schlößchen in der Nähe von Erlangen, statt und wurde von dem Medienforscher Prof. Alphons Silbermann vorgenommen. Die Jury bestand aus Fischer, Schnurrer, Rinaldi, Silbermann, Svante Setterblad von Bulls und dem Verleger Vito von Eichborn.

Drei Kategorien wurden damals bedacht; die Namen der Preisträger waren schon vor der Verleihung bekanntgegeben worden. Den Preis für den "Besten Internationaler Comic-Strip-Künstler" bekam mit Dik Browne ("Hägar") ein Zeichner aus dem Stall des Preisstifters Bulls Pressedienst. Der Preis für die "Beste deutschsprachige Comic-Publikation" ging an die Edition ComicArt des Carlsen Verlags, was den schmollenden Volksverleger Raymond Martin zu einem bösen Vorwort in seinem Magazin Schwermetall veranlasste. Ganz offenbar hatte die Jury die Preise aus politischen Gründen so verteilt: möglichst überregional (der "deutschsprachige Raum") und möglichst verbindlich (an Carlsen und Bulls als Garanten für weitere Salons).

Für Karl Manfred Fischer wurde der Comic-Salon ein voller Erfolg. Die Besucher waren von weither gekommen, aus Hamburg und Berlin, aus Zürich und Wien. 26.000 sollen es gewesen sein; gezählt hatte sie allerdings niemand, da der Eintritt damals noch kostenlos war. Wer am letzten Veranstaltungstag, dem Sonntag, von Erlangen aus wieder nach Hause fuhr, nahm weit mehr mit als ein paar "erstandene" Zeichnungen und eine Überfülle von Eindrücken. Er fuhr auch in dem Bewusstsein, daß es nun aufwärts gehen würde mit der deutschen Comicszene. Daß der Aufstieg kein geradliniger werden würde - das wollte in diesen tollen Tagen im Juni 1984 wohl niemand wissen.

 

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In gedruckter Form liegt der obige Artikel im Comicmagazin "ZACK" (Ausgabe 36 vom Juni 2002) vor.

Copyright © 2002 Verlag Sackmann und Hörndl. Fotos: Hans-Jürgen Runge, Bernd Böhner