RRAAH! aktuell

Sammlerfrust: Eingestellte Serien

In den letzten Jahren stellten Verlage immer wieder Comicserien ein und verärgerten Käufer wie Händler gleichermassen. Besonders Carlsen hat in der Umbruchsphase nach Andreas C. Knigges Abgang eine stattliche Zahl Serien und Fortsetzungsreihen einen frühen Tod sterben lassen. Würden nicht andere Verlage die abgebrochenen Serien aufgreifen, könnten deutschsprachige Sammler die entsprechenden Serien nie vervollständigen.
Der Schweizer Comicjournalist Reto Baer hat zu diesem Thema mit Joachim Kaps (Carlsen), Michael Hug (Phoenix) und Eckart Schott (Salleck) Interviews geführt.


Joachim Kaps

Warum stellt Carlsen gewisse Comic-Serien ein?

Die Antwort ist sehr einfach: Wir stellen Serien dann ein, wenn sie nicht mehr genügend Leser bzw. Käufer finden und somit defizitär werden. Carlsen ist wie alle großen Verlage eben ein Unternehmen, das auch die Sicherheit der Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter schauen muss. Die Vorgänge beim Rowohlt Verlages führen uns allen doch zur Zeit sehr deutlich vor Augen, wohin es führt, wenn ein Verlag ohne wirtschaftliches Augenmaß geführt wird. Und bevor irgendwelche McKinseys hier ihr Unwesen treiben, entscheiden wir doch lieber selbst darüber, wo Investitionen sich lohnen und wo nicht. Trotz allem haben wir uns in den letzten beiden Jahren bemüht, die Zahl dieser Stopps so weit es geht zu begrenzen und nur solche Reihen zu stoppen, die nicht mehr in das heutige Konzept von Carlsen Comics passen.

Bei Endlos-Serien kann man vielleicht noch damit leben. Aber was sagst du dazu, daß die vierbändige Fortsetzungsreihe "Red Road" ebenso wie der vierbändige erste Zyklus der Serie "Tramp" von Carlsen ausgerechnet nach Band 3 abgebrochen wurden?

Wir haben beide Reihen erst gestoppt, nachdem gesichert war, daß kleinere Verlage die Reihen weiterführen werden. Auch dies kann ja ein Service für unsere früheren Käufer sein, für die letztlich doch egal ist, ob auf einem Album Carlsen, Kult oder Phoenix steht, solange sichergestellt ist, daß sie das Ende der Geschichte erfahren. Wir hätten die Folgebände nur dann gemacht, wenn sich keine anderen Interessenten gefunden hätten.

Führt das bei den Sammlern dieser Serien nicht zu einem Imageverlust?

Es mag sein, daß das beim Sammler dieser Serien zu Imageverlust führt, obwohl wir natürlich hoffen, daß sie zumindest zur Kenntnis nehmen, daß wir für eine Fortführung in anderen Verlagen Sorge getragen haben. Aber wir müssen eben auch unsere Ressourcen bei den Finanzen und unserer Arbeitskraft sinnvoll einsetzen - und da stehen uns die 15.000 Leser von "Titeuf" oder die 50.000 Leser von "Dragon Ball" naturgemäß näher als die 1.200 Leser von Serien, die nicht wirklich ein Publikum in Deutschland finden konnten.

Wäre es Carlsen nicht auch möglich gewesen, besonders im Fall dieser zwei Schlußbände, diese noch mit kleineren Auflagen herauszugeben?

Natürlich wäre es für Carlsen möglich, aber viel sinnvoller ist es, so vorzugehen, wie wir es getan haben. Es nützt doch auch niemandem, wenn wir diese Miniauflagen jetzt drucken und dann in zwei Jahren doch das Lager bereinigen müssen. Verlage wie Kult oder Phoenix können es sich leisten, auch die von uns zu sehr fairen Konditionen an sie abgegebene Backlist zu pflegen, weil sie keinen Katalog von fast 1.000 lieferbaren Bänden zu betreuen haben.

Stellt Carlsen Serien ein, um sich lukrativeren Titeln wie z.B. Manga zu widmen?

Nein, diese Argumentation greift zu kurz. Viel eher stellen wir solche Serien ein, um uns anderen Projekten widmen zu können, die unsere ganze Aufmerksamkeit verdienen, damit ihnen das Schicksal von "Tramp" oder "Red Road" erspart bleibt. Die frei werdenden Mittel und Kräfte fließen statt dessen in den Aufbau von Autoren wie Lewis Trondheim, Enrico Marini oder Dirk Schulz und Robert Feldhoff, die mit modernen Konzepten eine echte Chance haben, ein großes Publikum zu finden, wenn man sich entsprechend um sie kümmert.

Welche Verkaufszahl ist die Schallgrenze, wo Ihr bei Carlsen sagt, das lohnt sich nicht, diese Reihe wird eingestellt?

Wir sind gottlob weder eine AG noch wollen wir eine werden, daher gibt es auch keine generellen Schallgrenzen. Wir stellen auch nicht gleich jede einzelne Reihe ein, die keine schwarzen Zahlen schreibt, weil ein Programm ja nicht aus Würstchen oder Schuhen, sondern aus Büchern besteht. Unter dem Strich muß aber die Mischung stimmen, und das eben hinsichtlich der Inhalte und der Rentabilität. Dabei gilt die Faustregel, daß man am ehesten solche Projekte stoppt, die sich im Laufe der Zeit einfach überlebt haben und dadurch weder wirtschaftlich noch kulturell wirkliche Perspektiven aufzeigen. Zudem erwischt es dann am ehesten Serien, die sonst keine Einbindung in unser Programm haben. Beispiel "Red Road": Carlsen hat praktisch alle anderen Westernthemen schon vor Jahren abgegeben. Und deshalb sucht das Publikum solche Stoffe auch nicht mehr bei uns, sondern eher bei anderen Verlagen.

Wie wißt Ihr, ob die niedrigen Verkaufszahlen nicht vielleicht am mangelnden Marketing lagen?

Natürlich lässt sich das nicht immer so leicht lokalisieren. Aber selbst wenn es so wäre, rettet das die Serie dann auch nicht mehr, weil man es nicht schafft, den vierten Band einer Reihe plötzlich als Sensation zu verkaufen, ohne daß sich etwas am Produkt ändert. Dann müsste man einen kompletten Relaunch oder eine Neuedition auflegen, und dies haben wir bei "Tramp" und "Red Road" als nicht sinnvoll erachtet.

Wie schätzt du die Situation ein: Wird es in Zukunft bei Carlsen weniger Serienabbrüche geben? Warum?

Ja, es wird definitiv weniger Serienabbrüche geben, weil wir in den letzten beiden Jahren sehr stark "aufgeräumt" und für uns einen Weg definiert haben, den wir gehen wollen. Und fast alle Serien, die nicht zu diesem Weg passen, sind nun schon gestoppt, weshalb ein weiteres Aufräumen nur noch in Einzelfällen nötig sein wird.

Wie viele Jahre lang schrieb das Comicprogramm von Carlsen rote Zahlen? Wieviel ist der Gewinn heute?

Das Carlsen Comic Programm schrieb seit Beginn der 90er Jahre bis 1998 rote Zahlen. Seit 1999 sind sie wieder schwarz, und 2000 werden sie sehr deutlich schwarz. Über genaue Werte möchte ich eigentlich keine Auskunft geben, aber es bewegt sich um einem Renditewert von rund 10 % des Umsatzes, was für einen Buchverlag eigentlich ein sehr akzeptabler Wert ist.

Denkst du, das liegt unter anderem daran, daß Carlsen weniger lukrative Reihen eingestellt hat?

Nicht alleine. Wir habe ja nicht nur "Ballast" abgeworfen, sondern mit den frei gewordenen Ressourcen vor allem sehr erfolgreich andere Bereiche gestärkt, was viel entscheidender war. Und zwar nicht nur Manga-Taschenbücher, wie einäugige Szenebeobachter immer wieder gerne glauben, sondern auch große Bereiche unserer Albenproduktion. Die Akzeptanz etwa von Funny- und Fantasy-Themen hat wieder sehr stark zugenommen.

Zum Schluß noch: Wie alt bist du, und seit wann genau bist du Carlsen Cheflektor?

Ich bin zur Zeit 36. Und ich bin gar nicht Cheflektor, wie es oft heißt, sondern leite den gesamten Comic-Bereich bei Carlsen, nicht nur das Lektorat. Mein Alltag hat daher auch manchmal mehr mit dem Taschenrechner als mit dem Duden zu tun. Aber wenn das der Sache dient, für unsere Autoren und ihre Stoffe viele Leser zu gewinnen, ist gerade dieser Mix eine äußerst spannende Angelegenheit.


Michael Hug

Wann erschienen die ersten Comics in deinem Verlag?

Die ersten beiden Bände erschienen im März 2000 ("Melusine" und "Jackie Kottwitz").

Warum greifst du Serien auf, die von anderen Verlagen eingestellt wurden?

Aus der Sicht des Comic-Fans war und bin ich selbst jedesmal sehr enttäuscht, wenn eine weitere Serie eingestellt wird. Deshalb entstand in mir ein inneres Bedürfnis, diese Serien fortzuführen. Aus der Sicht des Verlegers ist es wesentlich einfacher, eine schon eingeführte Serie fortzuführen, als eine völlig neue Serie auf dem relativ kleinen Comic-Markt zu etablieren.

Betrifft das bloß Titel von Carlsen oder auch von anderen Verlagen?

Es ist purer Zufall, daß ich momentan nur Carlsen-Serien fortführe. Auch aus dem riesigen Ehapa-Nachlass könnte man einige schöne Sachen wieder aufgreifen oder zu Ende führen. Aber auch bei Splitter wird man fündig. An "Zoo" 2 z.B. bin nicht nur ich, sondern auch Carlsen sehr interessiert.

Findest du es vertretbar, daß die großen Verlage Serien aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht mehr fortführen?

Aus der Sicht dieser Verlage ist es wohl unumgänglich, Serien einzustellen, die nicht die nötigen Verkaufszahlen aufweisen können. Was bleibt ihnen auch anderes übrig. Dieses Prinzip existiert in der ganzen Marktwirtschaft. Ein Artikel, der nicht vom Markt in der nötigen Stückzahl aufgenommen wird, verschwindet sehr schnell wieder von der Bildfläche und wird durch einen anderen ersetzt.

Was hältst du davon, daß die vierbändige Fortsetzungsreihe "Red Road" ebenso wie der vierbändige erste Zyklus der Serie "Tramp" von Carlsen nach Band 3 abgebrochen wurden?

Das ist ein Verbrechen am Leser. Wenn eine Serie schon von vornherein als abgeschlossener Mehrteiler konzipiert und die Handlung entsprechend angelegt ist, ist es in meinen Augen eine Frechheit gegenüber denjenigen, die sich die ersten Bände zugelegt haben. Den Abschlußband nicht mehr zu bringen, zeugt von keiner hohen verlegerischen Weitsicht. Comic-Leser verzeihen so was nicht so schnell.

Trifft Joachim Kaps' Aussage zu, daß Carlsen sich um die Fortführung dieser zwei Reihen bei anderen Verlagen kümmerte?

Tatsache ist, daß man mich dieses Jahr von seiten Dargaud in Angoulême angesprochen hat, daß Carlsen den vierten Band von "Tramp" nicht mehr macht und ich ihn haben könnte. Ich hatte letztes Jahr auf der Buchmesse schon einmal nachgefragt. Da hieß es, Carlsen überlege noch. Mit anderen Worten, Carlsen hat "Tramp" fallen lassen, bevor ich ja gesagt habe. Was die Backlist anbetrifft, so stimmt es, daß man mir "Tramp" 1 bis 3 sehr günstig überlassen hat. Die Transaktion lief sehr gut ab und ich kann die Zusammenarbeit mit Carlsen nur loben.
Die Frage ist nun, hätte Carlsen tatsächlich den Abschlußband noch gebracht, falls sich niemand gefunden hätte? Ich glaube, nein. Die Reihen wurden schon auf Eis gelegt, bevor Eckart Schott oder ich mich für die Fortsetzungsbände interessiert haben. Aber nichtsdestotrotz kann man seinen Aussagen nichts entgegensetzen. Die Aussage, Carlsen habe für eine Fortführung in anderen Verlagen Sorge getragen, ist allerdings mehr als unverschämt. Sich mit den Lorbeeren anderer zu schmücken ist nicht gerade die feine englische Art.

Wie hoch sind die Auflagen deiner Comictitel im Normalfall?

Meine bisherigen Titel haben eine Auflage zwischen 1800 ("Odilon Verjus") und 2800 ("Tramp"), jeweils inklusive der Luxusausgaben.

Kannst du von deiner Verlegertätigkeit leben oder ist das eine Nebenbeschäftigung?

Ich mache das hauptberuflich. Meine bisherige Tätigkeit im Einzelhandel hätte mir nicht die Zeit gelassen, dies nebenher zu betreiben. Daß man davon leben könnte, davon bin ich momentan noch meilenweit entfernt. Die derzeitige verkaufte Auflage deckt nicht einmal die Produktionskosten. Meine Frau hat sich zu meinem Glück entschlossen, mich voll und ganz zu unterstützen und ganztags arbeiten zu gehen und somit die Familie (zwei Kinder) zu ernähren. Somit bin ich halb Verleger, halb Hausmann geworden.

Willst du deinen Verlag bewußt "klein" halten oder planst du, demnächst in Konkurrenz zu den großen Verlagen zu treten, indem du nach Bestseller-Serien suchst und diese in großen Auflagen herausgibst?

Gerne würde ich "groß" werden, doch die derzeitigen Verkaufszahlen verhindern dies. Ehapa/Carlsen können durch ihre Marktpräsenz höhere Auflagen bieten (und auch verkaufen), so daß der Zuschlag meistens ihnen zufällt. Ich muß mich derzeit noch mit den Krümeln begnügen, die vom Tisch fallen. Oder man muß den richtigen Riecher beweisen bei neuen Serien, bei denen die Großen geschlafen haben oder zu träge sind bei ihren Entscheidungen (z.B. Eckart Schott mit dem "Blauen Tagebuch" oder dem "Aufschub"). Den Zuschlag bei Bestseller-Serien wie "Gipsy" oder "Largo Winch" erhalten auf jeden Fall immer die Marktführer. Wobei "Bestseller" in Deutschland relativ ist.

Welche Serien, die von Carlsen, Ehapa o.a. eingestellt wurden, planst du demnächst weiterzuzführen?

Angedacht und vom Fan gewünscht ist vieles, aber konkret geplant eigentlich noch nichts. Beworben habe ich mich um "Zoo" 2 und bei etwaiger Einstellung von seiten Carlsen "Die blauen Boys". Viele Funny-Serien aus dem Spirou-Fundus interessieren mich sehr. Bei einer geplanten grösseren Zusammenarbeit mit ZACK lässt sich hier vielleicht eine Testplattform für weitere One-Pager oder Serien finden. (Z.B. "Garage Isidor", "Les Psys", "Les Crannibales") Oder man könnte solche Dauerbrenner wie "Die kranken Schwestern" oder "Leonardo" wieder neu aufleben lassen. Aber das ist alles Zukunftsmusik.

Wie gefällt dir das aktuelle Verlagsprogramm von Carlsen Comics?

Auf alle Fälle besser als die letzten und viel besser als alle letzten von Ehapa. Mit den Mangas muss man wohl leben. So langsam wird das Programm von Carlsen wieder ausgewogener und bietet für jeden Geschmack etwas. Ich persönlich freue mich auf einige kommende Titel.


Eckart Schott

Wann erschienen die ersten Comics in deinem Verlag?

Mein erster Comic "Der alte Blaue" erschien 1991, der zweite "Briefe aus meiner Mühle" 1995. Danach wurde ich mit "Das blaue Tagebuch" professioneller, der Durchbruch kam.

Warum greifst du Serien auf, die von anderen Verlagen eingestellt wurden?

Aus zwei Gründen: 1. Weil man weiß, daß ein Publikum dafür da ist. Dazu ist zu sagen, daß große Verlage wie Carlsen oder Ehapa ganz andere Stückzahlen verkaufen müssen, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Ein Kleinverlag schafft das schon mit 1500 bis 2000 verkauften Alben. 2. Weil sich viele Leser, und ich mich selbst, ärgern, wenn wie im Fall "Red Road" 6 Bände erscheinen und nur ein einziger Abschlußband fehlt. Diese Lücken fülle ich gerne.

Betrifft das bloß Titel von Carlsen oder auch von anderen Verlagen?

Bis jetzt war ich hauptsächlich "Lückenfüller" für Carlsen und mit den "Minimenschen" einmal bei Ehapa. Generell würde ich alle Serien weiterführen, wenn die Qualität stimmt und ich erwarten kann, davon 1500 Alben zu verkaufen.

Findest du es vertretbar, daß die großen Verlage Serien aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht mehr fortführen?

Ich kann die wirtschaftlichen Gründe verstehen, obwohl diese Verlage mit anderen Produkten (Mangas oder Micky Mäusen) genug Profit machen, um solche Verluste eigentlich verschmerzen zu können. Aber die einzelnen Produkte werden wahrscheinlich nicht gegeneinander aufgerechnet.

Was hältst du davon, daß die vierbändige Fortsetzungsreihe "Red Road" ebenso wie der vierbändige erste Zyklus der Serie "Tramp" von Carlsen nach Band 3 abgebrochen wurden?

Ich finde es einfach schade! Viele Leser sind enttäuscht, weil sie 3 Alben gekauft haben und man ihnen dann einen einzigen Abschlußband vorenthält. Viele Leser zögern auch, Alben von einigen Verlagen zum vollen Preis zu kaufen, weil diese Verlage sehr viel geramscht haben oder weil man ihre Alben auf Börsen mit sehr hohen Preisnachlässen bekommen kann. Zurück zu den Abschlußbänden: Im Fall von "Tramp" ging das ganze positiv aus, denn Michael Hug (Phoenix Verlag) hat ein sehr schönes Album in Originalgröße und auf gutem Papier produziert, gut gedruckt. Schlicht und einfach Qualität!

Trifft Joachim Kaps' Aussage zu, daß Carlsen sich um die Fortführung dieser zwei Reihen bei anderen Verlagen kümmerte?

Soweit ich mich erinnern kann, habe ich mich erst um "Red Road" beworben, als klar war, daß Carlsen die Serie bei 2001 ramscht. Carlsen hätte meiner Meinung nach nie die Folgebände gemacht.

Wie hoch sind die Auflagen deiner Comictitel im Normalfall?

Meine Auflagen schwanken zwischen 1500 und 2000 Stück, dazu kommt oft noch eine Luxusausgabe in einer Auflage zwischen 200 und 250 Stück.

Kannst du von deiner Verlegertätigkeit leben, oder ist das eine Nebenbeschäftigung?

Ich kann von meiner Verlegertätigkeit leben, da ich mietfrei wohne und ein bescheidener Mensch bin. Ich fahre einen gebrauchten Golf und will keinen Mercedes oder Rolls Royce. Mein Ziel im Leben ist, schöne Comics zu produzieren und davon leben zu können. Damit bin ich zufrieden.

Willst du deinen Verlag bewußt "klein" halten oder planst du, demnächst in Konkurrenz zu den großen Verlagen zu treten, indem du nach Bestseller-Serien suchst und diese in großen Auflagen herausgibst?

Eigentlich bin ich mit 20 Titeln pro Jahr kein Kleinverlag mehr. Ich plane nicht, in Konkurrenz zu Carlsen oder Ehapa zu treten, ich bin es manchmal schon, weil z.B. Carlsen einige Alben machen wollte, um die ich mich auch beworben hatte. Mir fällt da "Erde ohne Übel" ein. Ob Carlsen davon 6000 Stück verkauft hätte und glücklich geworden wäre, wer weiß? Ich veröffentliche Luxusausgaben von Carlsen Titeln, übernahm einige der Serien, die Hummelcomic früher vertrieben hat, helfe Carlsen ab und an bei Zeichnerkontakten - also eine gute, freundschaftliche Zusammenarbeit. Mit den "Machern" von Ehapa habe ich auch freundschaftliche Kontakte, Georg F. W. Tempel betreut ab jetzt auf eigenen Wunsch meine Serie "Die Minimenschen". Bewußt suche ich mir keine Bestseller-Serien aus, ich suche mir Comics aus, die mir zusagen, die Niveau und Qualität haben, was Zeichnung und Text angeht.

Welche Serien, die von Carlsen, Ehapa oder anderen eingestellt wurden, planst du demnächst weiterzuführen?

Der vierte Band von "Jonas Valentin" wird wahrscheinlich im Herbst erscheinen, "Die Minimenschen" werde ich massiv weiterzuführen und ab 2001 "Harry und Platte" nach und nach komplettieren.

Wie gefällt dir das aktuelle Verlagsprogramm von Carlsen Comics?

Ich finde immer noch einige Alben im Carlsen-Programm, die mich interessieren. Mangas allerdings interessieren mich überhaupt nicht.

(Stand: Juli 2000)

zurück  [RRAAH! aktuell] [Startseite RRAAH! online] [Seitenanfang]

Copyright © 2000 Verlag Sackmann und Hörndl