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Heftich 4

Horrorschocker am Bahnhof

Der regsame Freibeuter-Verlag Weissblech Comics versucht es und schickt seine Horror-Produktion in die deutschen Bahnhofsbuchhandlungen. Dabei steht ihm JNK zur Seite, der Verlag, der mit "Comixene" und "Hit Comics" ebenfalls die Bahnhöfe beschickt. Die Jury um Andreas AE Eikenroth, Christian Heesch, Marion Müller, Haina und Tom Plate konnten die Hefte zwar nicht komplett lesen, wie Haina Fischer erklärte, aber den silbernen HRTN wollten sie für diesen Grusel am Kiosk dann doch verleihen.

Horrorschocker 2

Levin Kurio ist der Autor der jeweils drei Geschichten im "Horrorschocker", zeichnerisch von Zeit zu Zeit durch Roman Turowski und Rainer F. Engel unterstützt. Kurio nutzt seine Fähigkeit, sich in relativ kurzer Zeit Erzählungen ausdenken und in Comic umsetzen zu können. Und dann kann er sicherlich auf die Erfahrung setzen, die er bei der Herstellung seiner bisher etwa vier Dutzend Comics gemacht hat. Die Website von Weissblech Comics gibt eine Übersicht. Da finden sich nicht nur Horrorschocker, sondern auch Humoriges und Ekliges, Erotik und Satire, typisch Weissblech, darin bewahrt man ja auch eher Sachen auf, die einen gelegentlich hart aufstoßen lassen.

Daumenkino und Schottenwitze

Auch wenn die Jury meinte, das sei kein Comic, so fand man die hervorragend gemachten Daumenkinos von Tim Posern (Foto) in der Edition offkeks so gut, dass man ihnen eine lobende Erwähnung aussprach.

Tim Poserns Daumenkino

Die zweite lobende Erwähnung ging ebenfalls an ein Heft, welches kein Comic ist, aber so ungewöhnlich gezeichnet, dass die Jury es hervorheben wollte: Gunnar Saecker erzählt in "Schottenwitze" in seiner Zeichenweise ebensolche, so dass sie einen neuen Witz bekommen.

Love Park

Nach dem kleinformatigen "Der Junge aus Schweden" hat sich Pascal D. Bohr der Liebe zwischen einem naiven Wesen und einer Fliege zugewandt.

Love Park

Bohr wählte für sein Lehrstück diesmal das szene-übliche, normale A5-Heftformat. Die bohnenköpfige Hauptfigur (Bohr haucht gerne ungewöhnlichen Formen Comic-Leben ein) erfährt zu ihrem Unglück, dass eine Fliege trotz aller Liebe doch irgendwann nervt.

Comic La Boum 2

Für den 8. Oktober ist schon das nächste Comic-Fest in Hamburg angekündigt: "Comic La Boum 2" ist die Releaseparty zum Comicheft "Orang 4", bei dem Pascal D. Bohr, Arne Bellstorf und viele andere Zeichner mitmischen.

Herrensahne

Herrensahne kriegt den Gold-HRTN

Aus Düsseldorf reiste die Herrensahne an die Elbe und legte der Heftich-Jury ein edles, selbstgemachtes Comic-Magazin mit Bierdeckel vor. Dafür gab es umgehend den HRTN in Gold. Stephan Lomp (Foto, ganz links) hatte schon beim letztjährigen Heftich 5 für sein erstes Heft der Comicreihe "Terrorjesus" einen goldenen HRTN mit an den Rhein genommen. Dieses Jahr holten die ungefähr zehn Mitarbeiter der Herrensahne nun gemeinsam den Titel, wobei ein Blick ins Inhaltsverzeichnis des 112-seitigen "Herrensahne No. 9 - Voulez-vous déja-vu avec moi?" lehrt, dass mindestens auch eine Damensahne zu dieser erfolgreichen Gruppe gehört. Wer sich fragt, warum das neunte Herrensahne-Buch jenen französischen Titel trägt, der wird beim Lesen des auch inhaltlich fein abgestimmten Comics schlauer. Die Zeichner erzählen rund um eine gemeinsame Situation, decken Märchenhaftes, Träumerisches und Nachdenkliches auf, um dabei en passant eine Lanze für Lurchi zu brechen. Das verdiente sogar einen Platin-HRTN. (Foto v.l.n.r.: Stephan Lomp, Marc Ewert, Tobi Dahmen und Till Laßmann)

INC

Die Initiative Comic Kunst e.V. (INC) gibt es seit 1991. In ihr haben sich Comiczeichner, -fans und -verleger vereint und in den vergangenen Jahren einiges auf die Beine gestellt, darunter vier Ausstellungen: "Am Anfang war der Strich", "Comopoly", "Ehrlich billig!" und "Die vierte Dimension". Jedes Jahr wird zudem das "Heftich"-Festival ausgerichtet, eine Gelegenheit für Freunde der gehefteten Comic-Kunst sich zu begegnen, Neues anzusehen, Hefte zu kaufen und abends zusammen Party zu machen. Die INC stellt sich auf ihrer Website vor.

Reprodukt, Schwarzer Turm und Zwerchfell heftich dabei

Auch wenn sie gar nicht (mehr) daran denken, ihre Hefte und Alben im Copy-Shop selbst zu kopieren und auch noch alle einzeln zusammenzutackern, wie es sich für einen urtypischen Heftchen-Macher gehört, sondern damit professionelle Drucker weit weg irgendwo in Europa beauftragen, so gehören sie wie selbstverständlich zur Heftich-Szene und halten hin und wieder die Steigbügel. Seit Jahren stärken mehrere, kleinere Verlage der Szene den Rücken. Von außen beobachtet scheint es kein Problem zu sein, dass Zeichner, die eben noch bei Zwerchfell veröffentlicht haben, im nächsten Moment dem Schwarzen Turm zuarbeiten; wer bei Reprodukt oder der Edition 52 seine Comics unterbringt, bleibt offen für die Mitarbeit in Fanzines, Berliner Zeichner machen etwas für Bremer Blätter, Hamburger für Hildesheimer, alles dreht und tauscht sich, man unterstützt sich, als spürte man, dass letztlich alle am gleichen Strang ziehen. Das alljährliche Heftich-Festival macht das sichtbar. Dem INC sei Dank.

Blümchens Schacht

Ans de Bruin stellt einen neuen Gratis-Comic auf die Beine, der seit Frühling 2004 im Gießener Raum zu haben ist. Man nimmt Bezug auf das sogenannte "Elefantenklo", eine Art Gießener Wahrzeichen, und fragt, was wohl wäre, wenn in der Stadt Elefanten wirklich mal nötig dorthin müssten...

Freunde bleiben

Sicherlich kennen alle diese eine Seite aus "Wir können ja Freunde bleiben" von Mawil, wo er sich auf seinem Bett hin- und herkrümmt, nachdem ihm die Spanierin gesagt hat, dass sie gar nichts von ihm will. Dieses elende Gefühl kennt man. Mawil hat es wortlos und so eindrücklich gezeichnet, dass man diese Comicseite nicht mehr vergisst. Auch das Verhalten der spanischen Studentin, mit Mawil klärend zu sprechen, wie er es auf der Seite davor packend schildert, bleibt in Erinnerung und zeigt ihre Größe.

Wir können ja Freunde bleiben

Da steht sie nun (Foto, rechts) neben Mawil. Sie ist von der iberischen Halbinsel wiedergekommen und mit ihm nach Hamburg zu Heftich 6 gereist. Eben noch eine Comicfigur und jetzt gibt es sie da leibhaftig. Merkwürdig, wie sich Wirklichkeit und Comicerzählung plötzlich mischen und wie man sich dabei ertappt, Daumen zu drücken, obwohl einen das Ganze ja gar nichts angehen sollte. ¡Desculpe, suerte y muchos saludos! Den Comic gibt es bei Reprodukt. Auch der Mawil hat eine Website.

Rittertempler und Salamanderartige

Kein Heftich-Festival, ohne dass es abends noch heftig auf die Ohren gibt. Dieses Jahr sorgten dafür "The Knight Templars" - in klassischer Besetzung mit Gitarre, Gesang, Bass, Schlagzeug, Tasten, grauen Anzügen, Schlips und historisch korrekten Brillen - und die "Salamandroids" mit ausgefeilter Bühnentechnik und -show.

The Knight Templars

Dass die "Salamandroids", die zweite Band des Abends, etwas mit Salamanda-Comix zu tun hat, deutet sich durch Haina an, den man auch trotz Maske erkennt (Foto dank Wittek).

Hak Huk

Max Kielhauser erzählt seine Gags im Streifenformat. Hak oder Huk oder Gurt Norbers, wer wer ist, das bleibt unklar, aber derjenige, der wie ein Michelinmännchen aussieht, hat die Ruhe weg. Der andere, ein hagerer Tagträumer mit Hang zum Kämpfertypen und mit martialischem Stirnband, muss den Frust des Lebens in der U-Bahn einstecken. Max weist in seinem Heft auch auf Torpedo Girl hin, eine Heavy Metal-Gruppe, für die er den Bass spielt.

Max Kielhauser: Hak, Huk und Gurt Norbers

Epidermophytie und Skorpione

Den bronzenen HRTN mussten sich dieses Jahr zwei Preisträger teilen. Die Gewinnerurkunde hatte man ebenfalls aufgeteilt. Der Zeichner aha nahm sie mit der Bitte entgegen, doch auf die Qualität des Fanzines "Epidermophytie" von der Bühne aus nochmals laut hinzuweisen. Schon das von aha aufwändig gestaltete, mehrschichtige und farbige Cover zeugt vom Einsatz, mit welchem man sich diesem Berliner Fanzine widmet.

Epidermophytie 11

Der bronzene HRTN ging zu gleichen Teilen auch an Bellstorf Comics, Hamburg, für das Heft "The Scorpions", in welchem der Hannoveraner Rockgruppe gleichen Namens ("Wind of Change") ihre englischen Texte um die Ohren gezeichnet werden.

The Scorpions 1

OMI

Seit 1991 hat Gerd Bonau aus Kiel bereits 56 OMI-Hefte hergestellt. Mit den für ein typisches Fanzine geringen Auflagen von knapp hundert Exemplaren erreicht er ein weit übers Land verstreutes Publikum.

cOMIc

Seine Hefte stellt Gerd Bonau (Foto) in vorbildlicher Heftchenmacher-Manier mit einem gewöhnlichen Schwarzweiß-Kopierer her und tackert alles von Hand zusammen. Internet hat OMI nicht, man schickt ihm/ihr seine Beiträge per Post.

So viel "Warum"

Andreas Eikenroth (AE) aus Gießen war in der Fanzine-Szene bereits mit "Kainsmal" aktiv. Jetzt stellt er fest, dass es so viele Fragen nach Gründen gibt, aber so wenige Antworten.

Soviel 'Warum'

Also hat sich AE mit viel Sinn fürs Aufklärende ans Werk gemacht und beispielsweise gezeichnet, warum die Schokoriegel-Mafia das Milky Way nicht beseitigen konnte. Ein Link klärt weitere Fragen.

Heftich 6: Das Plakat

Das Plakat

Wittek sorgte wie in den vergangenen Jahren wieder durch ein chöines Plakat für die wegweisende und auch aus der Ferne klar lesbare Orientierung zum Heftich-Festival.

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