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10. BD Contern 2003

De Superjhemp

Auch in Luxemburg gibt es Comichelden. Darunter einen, der es beim Fliegen nicht immer auf die vorgeschriebene Flughöhe bringt und also zerborstene Fensterscheiben hinterlässt. "Superjhemp" ist eine Luxemburger Comicserie, in deren Erzählungen reichlich Lokalkolorit eingewebt wird.

Superjhemp

Roger Leiner (Zeichnungen) und Lucien Czuga (Text) haben seit 1988 etwa 16 Bände von "Superjhemp" auf den Markt gebracht.

Don Harley

Von 1951 bis 1962 zeichnete Don Harley an der famosen Weltraumserie "Dan Dare" mit, die durch Frank Hampson zeichnerisch so packend in Szene gesetzt worden war. Es gelang Salleck Publications, einen ersten, großformatigen Band von "Dan Dare" in Deutsch herauszugeben, was immerhin eine Investition von gut 20.000 € bedeutete.

Don Harley

Engagierte Anhänger der britischen Comic-Zeichenkunst aus den 50er-Jahren gibt es noch heute. So arbeitet Don Harley an einem Projekt mit, durch welches neue Dan Dare-Comics entstehen sollen. Eine eigene Gesellschaft, die Eagle-Society, benannt nach dem damaligen Comic-Magazin Eagle, in welchem "Dan Dare" am 14. April 1950 erstmals erschien, befördert diese Unternehmung.

Jo-El Azara

Er wurde 1937 als Joseph F. Loeckx in Drogenbos geboren. Vielleicht musste er sich deswegen dann in Jo-El Azara umbenennen. Als Schüler des bekannten Instituts für Comiczeichner in Saint-Luc, Brüssel, lernte er 1953 Willy Vandersteen kennen und zeichnete mit ihm ein "Suske und Wiske"-Abenteuer. Er trat dennoch nicht in dessen Studio ein, sondern 1954 in das von Hergé.

Jo-El Azara

Als Zeichner für das berühmte Comicmagazin Tintin hob er 1965 mit Vicq die Serie "Taka Takata" aus der Taufe, deren Albenausgabe bis heute bei wechselnden Verlagen herauskam, zuletzt bei Azeko, seinem eigenen Label, wo im Jahr 2000 der zehnte Band erschien. Taka Takata ist ein japanischer Soldat, der so gar nichts von den martialischen Kriegern hat, die man sonst in den Medien als Kämpfer Nippons serviert bekommt. Als Werbeillustrator ist Azara sehr gefragt. Bei der Gestaltung des Dekors einer mittelalterlichen Straße im Asterix-Park bei Paris half er auf Nachfrage Albert Uderzos gern.

Superjhemp-Torte

Comictorte und singende Zeichner

Würde man in dem kleinen Ort Contern, östlich der Stadt Luxemburg gelegen, nicht einmal im Jahr Comicfest feiern, wäre der in Wiesen und Ackerland gebettete Ort wohl nur dessen Einwohnern und der Luxemburger Basketballliga bekannt. Das wollte man ändern und eine überregionale Bekanntheit erzielen. Konzeptionell setzte man für "BD Contern" auf drei Bausteine: zum einen sollten bekannte Zeichner eingeladen werden, dann sollte eine Comicbörse stattfinden und drittens sollten die Besucher gut mit Essen und Getränken versorgt sein. Letzteres erreichte man durch die Bitte an die ortsansässigen Vereine, entsprechende Stände aufzubauen und sich den erwirtschafteten Gewinn in die Vereinskasse zu stopfen. Demgegenüber dürfte es anfangs schwieriger gewesen sein, Zeichner und Händler zum Kommen zu bewegen, aber dank der Gemeindekasse und einiger Sponsoren gelang es. Die Gemeinde erhält zum Ausgleich (oder besser zur Beruhigung?) des angegriffenen Gemeindesäckels die Eintrittsgelder (3 € pro Tag) und die Standmieten. Neben diesem Konzept spielen die günstige Lage zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland, die Vielsprachigkeit der Luxemburger und die vielen hilfsbereiten Hände der 1.086 Einwohner Conterns beim von Jahr zu Jahr zunehmenden Erfolg eine Rolle. Sympathisch wirkt zudem die Überschaubarkeit des Ortes (ähnlich wie beim Festival plouc de BD im Pyrenäendorf Fillols), wo man trotz der kurzen Wege einen Bus-Pendelverkehr einrichtet, heimische Comicgrößen auf die Torte backt (siehe oben) und sich abends ohne vernehmlich zu klagen sogar singende und mundharmonikablasende Comiczeichner anhört. Contern muss Comics sehr mögen.

Großangebot

Nicht nur neue und gebrauchte französischsprachige Comics, sondern auch antiquarische, deutschsprachige Comics wurden in Contern 2003 gehandelt, wenngleich durch das Nichtkommen eines großen deutschen Händlers (Die Sammlerecke) dieses Angebot geringer blieb. Wer es einmal mit etwas Besonderem versuchen mochte, erwarb Comics in Letzebuergisch, dem moselfränkischen Dialekt, der in Luxemburg alltags gesprochen wird.

Comichändler

Auf der Jagd nach Schnäppchen konnte insbesondere der geduldige Fan frankobelgischer Alben seine Lücken zu teilweise recht günstigen Preisen schließen. Einem besonders hartnäckigen Käufer gelang es nach Stunden sogar, einen Posten an alten Comics von anfänglich 160 € glatt auf 40 € herunterzuhandeln. Beide, Käufer und Verkäufer, sollen anschließend geweint haben.

Hüpfburg und Wurscht

Ein Fest für alle soll BD Contern sein, so dass weder eine Hüpfburg für die Kleinen noch die "Thüringer Mettwurscht" für die Großen fehlen durfte. Durch die Straßen zogen eine musizierende Bummskapelle und der Clown Pippo, der den hitzegeplagten Festivalgästen mit dem Staubwedel zu Leibe rückte.

Hüpfburg vor Rathaus

Nicht nur angesichts der hohen Temperaturen, sondern auch wegen der Kinder und Comicleser stünde dem Festival anstelle der Bier- und Weinbuden ein Saftausschank mit alkoholfreien Getränken besser zu Gesicht.

Die roten Polos

Les Polo-Rouges nennt man die sympathischen und zahlreichen Betreuer und Organisatoren des Conterner Comicfestivals wegen ihrer einheitlich gestalteten, roten Oberbekleidung gerne. Romain Claus (links) ist einer von ihnen und war als Nachbar eines Gründers des Festivals von Anfang an dabei. Sein Lieblingszeichner ist Servais, dessen Alben er wegen des detailreichen Zeichenstils besonders schätzt. Aber auch Eckart Schott (rechts, Verleger Salleck Publications) kann mit einem besonderen Hemd aufwarten: stolz verweist er auf sein "Dan Dare"-Shirt.

Romain Claus und Eckart Schott

BD Contern

Schon zum zehnten Male richtete Contern in diesem Jahr sein Comicfestival aus. 1994 habe man mit acht Comic-Autoren angefangen, berichtet Le Jeudi, ein Luxemburger Wochenblatt, welches zur diesjährigen Ausgabe der Veranstaltung eigens eine gratis verteilte Zeitungsbeilage herstellte. Daniel Grün, Mitglied im Gemeinderat und Comicbegeisterter, habe damals davon geträumt, ein kleines Angoulême in Luxemburg aufzubauen.

Festivalplakat

Stolz würde der leider viel zu früh verstorbene Daniel Grün jetzt auf ein Festival schauen, zu dem etwa 70 Zeichner und Autoren eingeladen werden konnten. Letztes Jahr kamen laut Le Jeudi etwa 10.000 Besucher zum Fest. Vom Kulturausschuss der Gemeinde Contern ist nun Jean-Marie Mangen mit den Aufgaben des Präsidenten des Festivals betraut. Gut zehn Sponsoren unterstützen das Spektakel, darunter eine Sparkasse, die Post, eine Fluglinie, ein Autobauer, eine Hotel-, eine Supermarktkette, Medien und auch staatliche Töpfe des Großherzogtums.

Sonjas Manga

Fast hätte man den Eindruck haben können, BD Contern sei mangafrei. Doch Sonja Gleis hält unter den über siebzig anwesenden Zeichnern das Fähnchen für die Luxemburger Manga-Generation hoch.

Sonja Gleis

Mit ihren Mangabeiträgen ist Sonja im Radiosender "Socio Culturel" zu hören, was ihr nun auch die Aufmerksamkeit von Fernsehen und Presse bescherte. Eines ihrer letzten Themen war "You are under arrest".

Raoul Cauvin

Für Bédu schreibt Raoul Cauvin die Serie "Les Psy" und entwarf für ihn auch das oben abgebildete, diesjährige Festivalplakat, was den "Spirou"-Starszenaristen selbstredend noch längst nicht ausgelastet haben wird. Denn die Vielzahl an Serien, die er betreut, ist nahezu legendär.

Raoul Cauvin

Raoul Cauvin wurde 1938 in Antoing, Belgien, geboren, lernte Werbelithografie und begann sein Arbeitsleben in einer Fabrik für Billardkugeln. 1960 kam er zum Verlag Dupuis, wo er Raster für Kreuzworträtsel zeichnete und im Zeichentrickfilmstudio die Kamera bediente, bevor ihn Charles Dupuis zum Schreiben von Szenarios ermunterte. Mit "Die blauen Boys", "Sammy und Jack", "Pierre Tombal", "Cédric" und vielen mehr konnte er in Folge seinem Humor freien Lauf lassen.

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Copyright © 2003 Verlag Sackmann und Hörndl