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ComicTime Hildesheim: Roemer- und Pelizaeus-Museum

Roemer-Pelizaeus-Museum, Am Steine 1-2

Das neue Gebäude des Roemer- und-Pelizaeus-Museums

Dr. Annamaria Geiger - Dr. Thierry Groensteen - Jean Mardikian

Dr. Annamaria Geiger, Dr. Thierry Groensteen, Jean Mardikian während der Eröffnungsveranstaltung (v.l.n.r.)

Schätze im Dunkeln

Die Größe eines Lichtquants ist proportional zu seiner Frequenz. Das weiß nicht nur der aufmerksame Physikschüler sondern auch das Papier von Comiczeichnern, welches die Attacke eines solchen Photons je nach Größe merklich verändert. Vier ganze Jahre lang könnten die Originalzeichnungen, die in Hildesheim im Rahmen der Ausstellung Asterix, Barbarella & Co. bis zum 1. Oktober diesen Jahres gezeigt werden, deswegen danach nicht mehr an das Licht der Öffentlichkeit, betont Dr. Thierry Groensteen in seiner Ansprache anlässlich der Ausstellungseröffnung. Groensteen ist Direktor des 1990 gegründeten Comic-Museums Angoulême. So habe zum Beispiel die mitgebrachte Originalzeichnung von Hergé mittlerweile einen Wert von etwa 60.000 DM, weiß Groensteen weiter mitzuteilen und somit von seinen zahlreichen Zuhörern den Comic-Exponaten gegenüber den gebotenen Respekt einzufordern. Die Umsitzenden und auch diejenigen, die wegen der unerwartet hohen Besucherzahl im hinteren Teil des Saales stehen müssen, klatschen anerkennend Beifall. Groensteens weitgehende Unterstützung der Ausstellung wird als etwas Besonderes und als Glücksfall empfunden.
Roemer-Pelizaeus-Museum Hildesheim
Als Beweis der Freundschaft zwischen den Partnerstädten Angoulême und Hildesheim verstehen Dr. Annamaria Geiger, Kultur- und Expo-Dezernentin der Stadt Hildesheim, und Jean Mardikian, stellvertretender Bürgermeister und Kultur-Dezernent der Stadt Angoulême, das Gelingen des Ausstellungsprojektes.

Der Direktor des Roemer-Museums Hildesheim, Manfred Boetzkes, spricht abermals das Lichtproblem an und baut Spannung auf, als er die getroffenen besonderen technischen Maßnahmen erwähnt, die die Zeichnungen schützen sollen. Wird man am Ende durch einen stockdunklen Raum stolpern müssen, in welchem die Bilder den Betrachter im Glanze besonders langwelligen Rotlichts anschimmern?

Schon am Problem der Beleuchtung ist zu erkennen, dass es längst nicht damit getan ist, für eine anspruchsvolle Ausstellung lediglich die Bilder aufzutreiben und in den eigenen Räumen an die Wand zu hängen. An die Seite technischer Fragen treten auch didaktische und methodische, will man dem späteren Besucher einen bleibenden Eindruck vermitteln. Die Ausstellungskonzeption, inhaltlich wie technisch, lag bei Dr. Thierry Groensteen und der Agentur Mérimée Paris (Didier Moulin und Corinne Lafont). Die Agentur zeichnet verantwortlich für die Ausstellungsarchitektur und die Lichtkonzeption. Für die gelungene technische Koordination in Hildesheim betreffend der Umsetzung der Pläne und der technischen Ausstattung wurde Stefanie Krause und ihren Mitarbeitern durch die Redner des Abends gedankt. Stefanie Krause ist des Weiteren für die museumspädagogischen Betreuung der Präsentation verantwortlich.

Stefanie Krause

Stefanie Krause von allen Seiten beglückwünscht

ComicTime Hildesheim -Veranstaltungshinweise
Bereich VII: Tradition und Moderne

Originale wie ein aufgeschlagenes Buch präsentiert

Einleuchtende Entdeckungen

Einleuchtende Entdeckungen

Originale in angewinkelten Kästen

Exponate in angewinkelten Kästen

Der fensterlose Ausstellungsraum empfängt einen durchaus nicht so finster wie befürchtet. Der Raum ist durch Wände und Pfeiler geteilt und gestaltet, auf denen erklärende Texte stehen, die angemessen beleuchtet sind, an die Außenwände werden Comiczeichnungen projiziert, in einer Leseecke gibt es ausreichend Lampen. Und dann - als Geniestreich der Ausstellungsdesigner - hängen von den Decken lange Lichtleiterkabel, mit denen man die Teile der Exponate ausleuchten kann, die einen interessieren. Das ist durchaus nicht bloße technische Spielerei und hat nicht nur konservatorischen Nutzen für Papier und Tusche (in den Lichtgeneratoren, an denen die Lichtleiter angeschlossen sind, befinden sich geeignete Filter gegen schädliche Lichtanteile), es ist darüber hinaus Aufforderung an den Besucher, seine Aufmerksamkeit auf Details zu lenken, so nah an die Panels zu kommen, wie es der Zeichner vermutlich auch getan hat.

Die meisten Ausstellungsstücke befinden sich in Kästen, die die Form eines aufgeschlagenen Buches haben. Dadurch gelingen augenfällig Gegenüberstellungen für den vergleichenden Beobachter.

Großformatige Zeichnungen sind an Zwischenwänden in herkömmlicher Weise angebracht, darunter zwei Planches von Hergé und beeindruckende Arbeiten von Paul Gillon und Philippe Druillet, die man sich ebenfalls einmal aus der Nähe ansehen sollte.

Die Schau auf die Geschichte des Comic im französischen Sprachraum ist in neun Bereiche gegliedert, von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zum Autorencomic unserer Tage. Ein gehaltvoller, von Thierry Groensteen verfasster Katalog bereitet den Ausstellungsbesuch exzellent vor oder nach, ersetzen kann er ihn wohl kaum.

Asterix, Barbarella & Co. - Informationen zur Ausstellung
Für Schulklassen ab Jahrgangsstufe 4 und für Erwachsenengruppen bietet das Museum Kreativführungen an, was sich darin äußert, dass nach einer Entdeckungsreise durch die Ausstellung Gelegenheit zu eigenen Versuchen gegeben wird, sich als Comiczeichner auszudrücken. Zur Einstimmung wird man bei dieser Art Führung aufgefordert, einen Blick in ein (fiktives) Atelier eines Comic-Zeichners zu nehmen. Vielleicht wird heutzutage kein Comic-Zeichner mehr mit einer derartigen Schreibmaschine seine Szenarien tippen oder eine derartige Zeichentafel verwenden, aber immerhin sind wir ja in einem Museum. :-)

Die Ausstellung ist überaus gelungen. Zwei Städte haben mit staatlicher Unterstützung ihre Mittel zusammengetragen, um die Comicgeschichte des französischsprachigen Sprachraums aufzuarbeiten und in einer deutschen Stadt vorzuzeigen. Da fragt man unwillkürlich, ob das vielleicht umgekehrt auch einmal mit der Historie des deutschsprachigen Comics zu machen wäre?

Atelier

Fiktives Zeichneratelier

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