Die Podiumsdiskussion "ComicKonsum 68" (Kapitalismus vedirbt! Eine Comiclesung!) fand am 17. Juli 2008 im Märkischen Museum Berlin statt. Sie ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung "Berlin 68: sichten einer revolte" im Berliner Stadtmuseum (Ephraim Palais) vom 10. Juli bis 2. November 2008. mehr dazu
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comic.de aktuell
ComicKonsum 68
Alfred von Meysenbugs Comic "Super-Mädchen" 1968 und heute
Lesung und Podiumsdiskussion im Märkischen Museum Berlin im Juli 2008
Im Rahmen der Ausstellung "Berlin 68: sichten einer revolte" entwickelten Studentinnen der FH Potsdam (Studiengang Kulturarbeit) einen Beitrag zum Begleitprogramm, der eine Lesung des Comics mit einer anschließenden Podiumsdiskussion verband.
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Visuell und akustisch war die künstlerische Umsetzung des Comics im Märkischen Museum in Berlin angelegt. Während dem Publikum die entsprechenden Seiten aus dem 1968 erschienen Buch, aber auch aus dem für die vom Autor stark veränderte Neufassung von 1975 auf der Leinwand vor Augen geführt wurden (Foto rechts), sprachen SchauspielstudentInnen der Universität der Künste Berlin (Foto oben) den im Comic lesbaren Text. Mit über hundert Interessenten aus allen Altersgruppen war die Veranstaltung sehr gut besucht, so gut, dass schließlich noch zusätzliche Stühle herbeigetragen werden mussten. Alfred von Meysenbug war zwar anwesend, mischte sich jedoch unter das Publikum, ohne sich zu erkennen zu geben.
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In seinem 1968 erschienenen, großformatigen Comic-Buch "Super-Mädchen" (und kurz darauf in einem zweiten Comic, "Glamour Girl") übte der damals in Frankfurt lebende Alfred von Meysenbug Konsumkritik mit den Mitteln von Pop Art und Werbegrafik. Meysenbug (geb. 1940) war kein Zeichner von Haus aus - er studierte Philosophie und Soziologie (unter anderem bei Adorno); zu seinen Freunden zählten der Soziologe Günter Amendt und der Comicverleger Bernd Brummbär. "Super-Mädchen" war denn auch kein Gebrauchscomic für das breite Publikum, es war ein Kunstprodukt mit gesellschaftskritischem Anspruch, wie er damals auch die deutschen Kunsterzieher bewegte.
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Dem mitgebrachten Referenzmaterial nach hatte sich Bandel eine vielschichtige Analyse des Comics vorgenommen. Da aber das Thema Konsumkritik - damals und heute - die Diskutierenden bewegte, blieb für die vom Moderator angekündigten Ausführungen zur Ästhetik und comicgeschichtlichen Einbindung kein Raum.
Amendt hatte ohnehin gleich darauf hingewiesen, dass er zu einer künstlerischen Debatte wenig beisteuern könne. Indirekt tat er das dennoch, als er anmerkte, wie unscharf in den 60er Jahren die Trennung zwischen Hoch- und Trivialkultur, zwischen der kritisierten Werbewelt und den visuellen Mitteln von Kritikern wie Meysenbug waren. Während die in den USA entstandene Pop Art nicht kritisierte, sondern nur abbildete und einen neuen, künstlerisch-künstlichen Kontext schuf, ließ ein Comic wie "Super-Mädchen" zwar das Spielerische, Happening-Gewohnte seines Urhebers durchscheinen, ergriff aber gleichzeitig auch Partei im politischen, gesellschaftskritischen Sinn.
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Quasi für den Autor sprach auf dem Podium Günter Amendt (Foto unten), der ja auch das Vorwort der Buchausgabe von 1975 verfasst hatte. Die Podiumsdiskussion schloss direkt an die Lesung an. Sie wurde von dem Hamburger Literaturwissenschaftler Jan-Frederik Bandel moderiert (Foto links), der als weitere Gäste drei Vertreter der modernen Konsumkritik neben sich hatte, Karen Eliot und Monty Cantsin von der Gruppe Hedonistische Internationale und Hans von k.o.a.l.a..
Die Wahl der Podiumsteilnehmer war gelungen. Die Redebeiträge Amendts auf der einen und die der jüngeren Konsumkritiker auf der anderen Seite führten letztlich zu dem Ergebnis, dass man damals wie heute Konsumkritik als Kapitalismus- und Systemkritik auffasse. Sie machten aber auch die Unterschiede in der Denkweise deutlich. Da mutete es ganz eigenartig an, als der historisch gebildete, an Marx und Adorno geschulte Amendt darauf hinwies, die 68er seien nicht geschichtslos gewesen, man habe sich durchaus an Vorbildern aus der Geschichte des Sozialismus orientiert, und dann nachlegte, die Hedonistische Internationale lehne sich doch wenigstens im Namen auch an die Sozialistische Internationale an.
Damit konnten deren Vertreter nur wenig anfangen. Sie machten deutlich, dass sie weitgehend aus dem Bauch heraus agierten, indem sie zum Beispiel die Eröffnung eines neuen Einkaufszentrums gezielt durch Störmanöver sabotierten. Systemveränderung sei zwar ihr Ziel; eine Marschroute können sie aber nicht vorgeben. Auch den Begriff hedonistisch interpretierten sie nicht im klassischen Sinn als Hingabe an den Überfluss, sondern ganz im Gegenteil als Freude am Verzicht.
Es war eine lebendige Diskussion, die im Nu ihr zeitliches Limit von zwei Stunden erreicht hatte, so dass abschließend nur noch einige wenige Fragen aus dem Publikum möglich waren. Zur Nachahmung empfohlen.
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Alfred von Meysenburg im Juli 2008 in Berlin
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