Quintett 1
Frank Giroud brachte als gewiefter Szenarist innerhalb von nur drei Jahren alle zehn Alben der Serie "Zehn Gebote" in die Läden, indem er für jedes Album einen anderen Zeichner aussuchte. Für sein neues Projekt "Quintett" wählte er das gleiche Erfolgsrezept. Den ersten Band zeichnete Cyril Bonin ("Fog"), den zweiten Band Paul Gillon ("Die Schiffbrüchigen der Zeit"). An den übrigen drei Bände arbeiten Steve Cuzor, Jean-Charles Kraehn ("Das Zeichen der Adler") und Giulio De Vita ("James Healer"). Doch im Unterschied zu "Zehn Gebote" setzt Frank Giroud die Zeichner nicht für verschiedene Zeitabschnitte der Erzählung ein, sondern für unter-schiedliche Blickwinkel auf ein und dasselbe Ereignis im Jahr 1916 in Mazedonien. Die Sängerin Dora Mars hat sich in Paris in einen Flieger verliebt. Es gelingt ihr, im Rahmen der Truppenbetreuung zu ihm an die Front zu kommen. Dort findet sie sich schon bald mit anderen Musikern zu einem Quintett zusammen und sie trifft auch auf ihren untreuen Geliebten. Auf die Zeichner kommt durch Girouds "Quintett"-Konzept die spannende Aufgabe zu, dem Leser die Hauptfiguren wiedererkennbar anzubieten und doch den eigenen Zeichenstil nicht aufzugeben.
Panel 25
Die Jubiläumsausgabe eines der besten deutschsprachigen Fanzines ist erschienen. Seit 25 Jahren tragen Bert Dahlmann und seine Mitarbeiter Comicgeschichten zusammen, entdecken neue und lesenswerte Autoren und geben einen Überblick über interessante Neuerscheinungen. Zum Jubiläum wurde auch die Website des PANEL e.V. neu aufgebaut.
Das neue Heft versammelt auf 84 Seiten ganz überwiegend gelungene Kurzerzählungen, die den Leser nicht nur auf einer vordergründigen Ebene ansprechen. Deutlich wird das zum Beispiel bei Rauties 'Der Mann aus dem 4. Stock' oder Ulf K.s Geschichten über den Herrn Hieronymus oder Elke Steiners 'Im Kolk'. Hier sprechen die Bilder in einer Weise von Dingen jenseits der Oberfläche, die nachdenklich macht. Herr Arbusto und Rudi zeigen am Ende des neuen Panel, wie nötig wir eine gute Portion Nachdenklichkeit brauchen können.
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Epidermophytie 12
Wenn man sich an die über-bordenden Wimmelbilder von Manfred Schmidt ("Nick Knat-terton") oder die Mosaik- oder Asterix-Versionen dieser detail-freudigen Zeichnungen erinnert, dann fällt einem auch wieder ein, mit wie viel Entdeckerfreude man in diesen Bildern auf Reise geht. Das ist in der neuen Ausgabe der "Epidermophytie" genauso. Zwölf Zeichner haben für diese Nummer 12 jeweils aus ihrem Blickwinkel eine mehr als DIN A3 große Seite beigetragen. Den Umschlag gestaltete dieses Mal Kenichi Kusano. Damit gelang den Epidermophytie-Leuten wieder ein solcher Hingucker wie beim famosen Cover der Ausga-be 11, welches aha gestaltete.
Wie Mawil sich ein katholisches Mädcheninternat vorstellt, wie Levin Kurio, Usi B. Fitzenreiter und aha Szenen aus Dorf und Stadt verwimmeln, das hat klassisches Format. Daneben gibt es einiges Neuartiges. Den Vogel schießt allerdings Rolf Nölte ab, der ein Simultanbild zeigt und damit eine Art von Wimmelbild zeichnete, die um 1500 von Hans Memling, Vittore Carpaccio u.a. gepflegt wurde und die man im Comic nur recht selten findet.
Katran 2
Die beiden Brüder Nirrod und Riaud werden während der Kämpfe um Peslo von ihren Eltern Sogre und Lisra getrennt. Lisra kann den beiden noch zurufen, dass man in Gamësch, einer Hauptstadt im Norden Katrans, wieder zusammenfin-den will. Nirrod und Riaud erreichen diese riesige Stadt zwar nach einiger Zeit, doch ihre Angehörigen suchen sie dort vergebens.
Der zweite Band der Fantasy-Erzählung gewinnt nicht nur durch geeigneteres Papier und ein hilfreiches Vokabularium, sondern auch durch ein geduldigeres Erzählen. Den schnellen Schnittfolgen im ersten Band stellt Joker im zweiten Band ein gelegentlich wechselndes Erzähltempo entgegen, so dass der Leser bequem auf den Zug aufspringen kann, der ihn durch eine spannende Geschichte trägt.
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Cargo
Im Verhältnis zu Israel reiche es, "wenn Israelis wissen, wo man in Berlin Digi-Kameras günstig kaufen kann, und Deutsche wissen, wo es in Jaffo den besten Fisch gibt", stellt Henryk M. Broder in seinem Vorwort zu diesen Comicreportagen heraus. Diese Ansicht wird wohl niemand teilen, aber in ihr drückt sich der Wunsch aus, zu einer gewöhnlichen Beziehung wie zu anderen Ländern, zu einer gewissen Alltäglichkeit zu gelangen. Drei israelische und drei deutsche Zeichner zeigen, was dem im Wege steht. Ihre Comics und illustrierten Tagebücher sprechen von einer Welt, deren Schrecken aus mittelalterlicher Verbohrt-heit zu stammen scheint. Wer zudem die Comic-reportage "Palästina" von Joe Sacco gelesen hat, wird bedrückt nach Lösungen für ein Zusammenleben der Menschen in Israel fragen. Die Themen Religion und Staat, Unterdrückung und Armut, Bildung und Intole-ranz drängen sich einem dabei unmittelbar auf. Von dem, was in Israel geschieht, können wir für unser eigenes Zusammenleben lernen, uns erinnern, uns impfen. Und da soll es genügen, wenn ich weiß, wo es in Jaffo den besten Fisch gibt?
A · K · A
Auch bei Epsilon ist nun eine Comic-Diplomarbeit aus einer Fachhochschule erschienen. Auf 67 Seiten erzählt Chris Deutsch eine ungewöhnliche Dreiecksgeschichte, in der auf Gefühle so Rücksicht genommen wird, dass sich alle Klarheiten beseitigen. Der Buchtitel setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Hauptfiguren zusammen. Andy kommt von einem Auslandsaufenthalt zurück. Seine Ex-Freundin Alex und deren neuer Freund Kim holen ihn vom Bahnhof ab. Man möchte miteinander wie früher umgehen, kommt aber nicht dazu. Chris Deutsch zeichnet klar lesbar und sicher. Seine Erzählung wirkt konzentriert, überlegt und überraschend. Er schafft dadurch einen Comic neuer, eigener Art.
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