Schiller
Beachtlich, wie es Horus gelungen ist, Friedrich Schiller gerecht zu werden. Dieses Album ist endlich einmal kein staubtrockener Geschichtscomic, der wie ein Lehrwerk Fakten nachplappert und womöglich noch mit Blödheiten verziert, nein, Horus schuf gekonnt, unverbrämt, verständlich und mit Verstand eine Reihe an Bildfolgen zu Ehren des Dichters und zur Bereicherung des Lesers. Texte und Bilder ergänzen sich, betonen Wichtiges. Gelegentlich tritt der Text mehr in den Vordergrund, er ist jedoch gut gewählt und wirft die passenden Schlaglichter auf das Leben des großen Dichters. Und wenn der Text den Bildern weicht, wie in der Theater-Szene mit der Uraufführung der Räuber, dann bemerkt man deren grundlegende Bedeutung. Comic muss mehr sein als Bilder sprechender Köpfe. Horus zeichnet Schiller zum Glück so, wie dieser wirklich ausgesehen haben mag. Er vermeidet dadurch das Idealisierende, das Unwirkliche, welches andere Generationen dem Schiller dreist anhefteten, um ihn zu ihrem Superhelden zu machen. Dabei wäre es doch genau gegen deren Enghirnigkeit und Intoleranz, gegen die Marquis Posa wie im Don Carlos sein "Geben Sie Ge-dankenfreiheit" ausriefe. Goethe war ein Beatle, Schiller ein Rolling Stone.
Comic Bibliothek 6
Den Manga "Detektiv Conan" in einer dicken, soliden Hardcover-Ausgabe zu finden, das ist immer-hin eine angenehme Folge der Absicht, eine Comic-Bibliothek von zwölf Bänden als eine besondere Beilage eines recht fragwürdigen Boulevard-Blattes zu verkaufen. In Italien sind Zeitungs-Verlage mit dem gleichen Konzept erfolgreich, in Frankreich übernimmt man diese Idee nun ebenfalls. Tatsächlich verkaufen sich diese Art Comic-Ausgaben wie geschnitten Brot, auch die Bände der "Comic-Bibliothek" mussten nachgedruckt werden, um die überraschend große Nachfrage zu befriedigen. Von "Lucky Luke" bekam man nur vier Wochen nach dem ersten Erscheinen bereits eine dritte Auflage zu Gesicht. Für den Comic insgesamt sind diese lukrativen Bemühungen hoffentlich eine ergiebige Werbung, auch wenn man gelegentlich über zu kleines Format und einseitige Auswahl (nur Funnies) klagen hört. Die am Anfang jedes Bandes stehenden Einleitungen sollte man sich aller-dings einschwärzen oder zukleben. Diese genügen einer Comicredak-tion weder fachlich noch im Stil.
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Isaak der Pirat 3
Christophe Blain macht seinen Kollegen von der französischen Comickünstlergruppe L'Associa-tion alle Ehre. Jetzt wird er endlich auch in Deutschland veröffentlicht – Reprodukt sei Dank. Zeit wird's, schließlich wurde "Isaak der Pirat" schon 2002 in Angoulême mit dem Prix Alph-Art für das beste Album ausgezeichnet. Erzählt wird die Geschichte des Malers Isaak, der von Piraten verschleppt wird, um ihre Großtaten auf Leinwand zu bannen. Dass dabei zwei Welten aufeinanderprallen, sorgt für manches Schmunzeln und manches harte Schlucken.
Wesentlich zum Lesevergnügen tragen Blains Bilder bei, die in ihren Überzeichnungen und Verfremdungen einen Bogen zwischen Karikatur und Expressionismus spannen. (rö)
Klassiker der Comic-Literatur 1
Die Bücher wirken schlichter, die redaktionelle Begleitung aber deutlich beschlagener und herz-hafter als die der konkurrieren-den "Comic-Bibliothek". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung betreut ihre Comicreihe durch das Feuilleton, was ihr zugute kommt, aber sie ließ sie leider anfangs in einer Art herstellen, die die interessierte Leserschaft hoffentlich nicht umgehend abschreckte.
Während man bei der "Comic-Bibliothek" hauptsächlich aus Egmont- und Carlsentiteln auswählt, verband man sich bei der F.A.Z. mit Panini. Also ist der Anteil US-amerikanischer Comics größer. Es verblüfft dann etwas, dass als Begründung dafür, dass "Superman" am Anfang dieser Ausgabe von "Klassikern der Comic-Literatur" steht, das Jahr 1938 in den USA als "Epochenschwelle" zum Comicheft für Jugendliche ausgerufen wird, als hätte es in Europa "Tim und Struppi" (Le Petit XXe, 1929) oder "Spirou" (1938) nicht gegeben. Warum verzichtet man nicht einfach auf überhöhende und unzutreffende Formulierungen wie "der Held, mit dem alles begann" oder "der erste Superheld"? Auch ohne die Luft solcherart fritiert zu be-kommen, räumte man dem Mann von Krypton selbstredend seinen Platz unter den Comic-Klassikern ein. Die Erfolgsge-schichte der von seinen Autoren Jerry Siegel und Joe Shuster für 130 Dollar an den Verlag DC ver-kauften Serie spricht für sich.
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Wayne Shelton 3
Wayne Shelton ist nicht der Typ, der seine Schulden nicht bezahlt. So zieht er in Band 3 der Serie los, den Erben seiner verstorbenen Mitarbeiter deren Lohn zu überbringen. Aber auch andere wollen offene Rechnungen begleichen, und Shelton hat bald sowohl die Polizei als auch lästige Mietkiller auf den Fersen. Ein actionreicher Plot bietet dem Titelhelden wieder einmal die Möglichkeit seinen Mann zu stehen, und zwar als eine Mischung zwischen Magnum und James Bond. Dass einige Szenen hart am Klischee vorbei schrammen, kann man als störend empfinden – man kann sich aber auch einfach gut davon unterhalten lassen. Band 4 ist für Anfang 2006 angekündigt, wobei Thierry Cailleteau als Szenarist Van Hamme ablösen wird. (rö)
Ganz gleich
Gim Ji-hoon aus Südkorea siedelte schon im Alter von acht Jahren in die USA über und nahm dort den Namen Derek Kirk Kim an. Als Manhwa könnte man seine anziehend vorgetragene Erzählung "Ganz gleich" jedoch nicht bezeichnen, eher als amerikanischen Independentcomic, der mit koreanischem Hintergrund versehen wurde. 2004 verlieh man dem Zeichner dafür den Eisner Award als bestes neues Talent. Seine Comics veröffentlicht er auf seiner Website www.lowbright.com in Fortsetzungen.
Unverhofft sieht die Haupt-figur der Erzählung, Simon, seine blinde Ex-Klassen-kameradin Irene wieder, zeigt sich peinlich berührt und gibt sich dieser nicht zu erken-nen. Seine Bekannte Nancy schafft es dank ihrer frechen, neugierigen Art und auf un-gewöhnliche Weise, Simon in seinem Verhalten zu Irene ein gutes Stück weiter-kommen zu lassen. Es liegen wohl jedem solche Momente auf der Seele, in denen man sich dumm benommen hat und die man gerne ungeschehen machen möchte. Da es für solche ärgerlichen Situationen einen Rückspulknopf wie am Videogerät aber nicht gibt, wird man es so angehen müssen, wie Simon es letzt-lich stückweise schafft.
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