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Frisch ausgepackt: Andreas Dierks und Röni Wurth weisen auf besondere Comics hin, die jetzt im Comicladen oder am Kiosk liegen.  [Folge 120]

Wilhelm Busch und die Folgen

Wilhelm Busch und die Folgen

"Drum blüht der Zweig der Literatur / so üppig auch in Deutschland nur. / Geht's jedoch um Bildgeschichten, / gilt diese Leidenschaft mitnichten. / Comics? Die liest der Franzos'! / Der Deutsche rümpft die Nase bloß." Ralf König formt am Beginn dieser Anthologie im Stile von Wilhelm Busch Reime und erzählt mit dem ihm eigenen Humor und zum Vergnügen seiner Leser einige neue, zeitgemäße Max und Moritz-Geschichten. Demgegenüber wirkt die Adaption von "Plisch und Plum", die Laska Comix dem Buch bei-steuern, zwar recht brav, ist aber in seinem frischen, gefälligen Stil doch sehens- und lesenswert ("Tugend will ermuntert sein / Bosheit kann man schon allein."). Die weiteren Beiträge von Ulf S. Graupner, Volker Reiche, DuO, Flix, Martin tom Dieck, Ulf K., Martin Baltscheit und Anike Hage sind Beleg für das breite Spektrum an Arbeitsweisen und Ausdrucksmöglichkeiten, die der Comic bietet. Im einleitenden Essay erklärt Andreas C. Knigge sowohl den Werdegang Wilhelm Buschs als auch den der Bilder-geschichte, die seiner Meinung nach seit 1893 in den New Yorker Tageszeitungen zum Comic wurde. Die Comics von Rodolphe Toepffer, die bereits etwa 50 Jahre früher in den USA publiziert wurden, bleiben dabei außen vor.


Scheibchenweise

Zep (d.i. Phillipe Chappuis) ist als Autor von "Titeuf" ein gefeierter Comicmacher, der aber nicht nur als Zeichner dieses frechen Kerls mit der superhohen Haartolle etwas gelten mag, sondern auch durch seine humorigen Sichten auf Leben, Kunst, Sex und Gitarren.

Scheibchenweise

Scheibchen für Scheibchen lässt uns Chappuis an seinen Sichten teilhaben, wobei er auch eine Reihe von Stimmungen einzufangen weiß, die jenseits des Alltagslärms liegen und tristere Gefühlslagen andeuten. Daher erlaubt dieser Hardcoverband einen tieferen Blick ins Gemüt des 2004 mit dem Grand Prix der Stadt Angoulême ausgezeichneten, sym-pathischen Erfolgsmenschen.

Peepshow

Dass sich Trish eines Tages von ihm trennen wird, erkennt der einfühlsame Leser nach wenigen Seiten. Joe Matt hat, glaubt man dieser Autobiographie, große Probleme, sich auf längere Zeit an eine Frau zu binden. Er wird es bedauern, er wird leiden. Und doch bleibt er trotz aller sich ihm bietenden Möglichkeiten so wählerisch, dass man die Frauen, für die er sich dann wegen Haarfarbe oder zu dicken Waden doch nicht entscheidet, nur beglückwünschen kann.

Peepshow

Doch auch wenn Joe Matt mit seiner Unentschiedenheit dem Leser und seinem Freund Seth ("Eigentlich ist das Leben schön") auf den Geist geht, so gewinnt er durch sein offenes, ungeniertes Mitteilungsbedürfnis Sympathien. Er verschweigt uns auch das nicht, was wir verheim-lichen würden. Robert Crumb äußerte sich zum vorliegenden Titel dann auch mit der Bemer-kung: "[...] noch so ein katho-lisch erzogener, unterdrückter, besessener Comiczeichner - Ich bin gespannt, was als Nächstes passiert. Gott möge ihm helfen!"


Halo Graphic Novel

Halo Graphic Novel

Dieser Comic zum Spiel wurde von der Leiterin des Projekts als "erstklassiges Stück sequenziel-ler Kunst" geplant und es gelang ihr auch, namhafte Comiczeich-ner dafür zu gewinnen. So darf Simon Bisley, der Spezialist für Gemetzelcomic, den Kampf einer Sondereinsatztruppe gegen entsetzliche Angreifer darstellen. Tsutomu Nihei ("Blame!") küm-mert sich um den harten Kampf eines Sergeants aus feindlicher Umklammerung, Andrew Robin-son zeichnet den aktionsreichen Test eines neuen Kampfanzugs und Moebius steuert einen tod-bringenden Angriff auf Mombasa bei. Vier dünne Storys wenden sich weitab von Erstklassigkeit in vielen eindrucksvollen Bildern an die Freunde des gleichnami-gen Xbox-Spiels.

Bardin der Superrealist

Bardin der Superrealist

Klare Linien und matte Farben bestimmen den Stil von Max' Zeichnungen. Umso komplexer, verwirrender und abwechslungs-reicher sind dagegen die Bildmotive und die Erzählungen. Dali- und Füssli- und andere Zitate wechseln ab mit Seiten voller ornamental angeordneter Symbole von der Swastika bis zum Allsehenden Auge, und die in dem Band enthaltenen Ge-schichten reichen von pointierten Einseitern über seitenlange philosophische, religiöse oder betrunkene Gespräche bis hin zu bedeutungsschwangeren Reiseberichten aus surrealen bzw. eben superrealen Welten. Manche Erzählungen kommen ganz ohne Worte aus, in ande-ren sind die Sprechblasen fett von Wortspielen und Geplänkel. Protagonist ist dabei stets der kleine Glatzkopf Bardin, der weder Gott noch Götter fürchtet, aber von Alpträumen geplagt wird. In den Nebenrollen (u.a.): Bardins Freunde Cirlot und Ber-nadette, der andalusische Hund und Sankt Zeremonio, der Schutzpatron der Faulen. Me-dien- und Kunstwissenschaftler, Dada-Dandys und der Club der Freunde des intellektuellen Humors werden an diesem Band gleichermaßen ihre Freude haben. (rö)


Whiteout

Einen Krimi in der Antarktis spielen zu lassen, eine solche Idee spannend umzusetzen, dazu muss man sich etwas einfallen lassen. Denn was kann man dort überhaupt unerkannt aufregend Übles anstellen? Eine Pinguinkolonie ausrauben? Einem Südpol-Touristen die Fotoausrüstung klauen?

Whiteout

Man wird überrascht sein, dass Carrie Stetko, die in jener lebensfeindlichen Gegend als US-Marshal tätig ist, dort einen rätselhaften Mordfall aufklären muss. Kein Wunder, dass dieser packende Comic als Vorlage für einen Film ausgewählt wurde.

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