Die Kosmonauten der Zukunft 1
Lewis Trondheim entwirft packende Geschichten, die uns eben noch mit ihrer einfühlsam vermittelten Lebensnähe wie aus dem Alltag vertraut vorkommen, um dann doch in skurrilen Wendungen ins Phantastische abzuheben. Durch die Niedlichkeit der Zeichnungen Manu Larcenets (und sicherlich auch, wenn Trondheim selbst der Zeichner gewesen wäre) scheint sich der Comic vornehmlich an Kinder zu richten, typisch für Trondheim (vgl. "Herrn Hases haarsträubende Abenteuer"), aber damit verhält es sich wie mit dem warmen Mantel, den man jemandem hinhält, damit er gerne hineinschlüpft, anstatt ihm das erzählerische Anliegen wie einen nassen Sack über die Ohren zu ziehen. Und so folgt man den mit einer sehr gesunden Skepsis ausgestatteten Kosmonauten der Zukunft mit Sympathie durch einen vorbildlichen Fünfsternecomic, der unliebsame Überraschungen bereithält, wie das Titelbild bereits durchblicken lässt.
Die Abenteuer von Blake und Mortimer 12
"Blake und Mortimer"-Comics, das waren diese spannenden Alben mit Abenteuern um ungewöhnliche Phänomene, mit rechteckigen Sprechblasen und viel Text darin. Nach dem Tode von Edgar P. Jacobs übernahmen mehrere bekannte Autoren und Zeichner die Fortsetzung der Serie, die sich in Frankreich als Kassenschlager entwickelte (mit Druckauflagen von etwa einer halben Million Exemplaren, vgl. comic.de aktuell).
Den aktuellen zwölften Band der Serie schrieb der Bestseller-Autor Jean Van Hamme, der sich eine Geschichte um einen frühen Vorfahren Mortimers ausdachte, der 1777 im nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg plötzlich von der Bildfläche verschwand und in der Jetztzeit (1954) wieder auftauchte, aber leider während dieses Zeitsprungs offenbar erstickte. Die verzwickte, 68-seitige Story, von Ted Benoît sehr passend gezeichnet, setzt die Serie im Stile Jacobs respektvoll und kurzweilig fort. Dass der Autor (oder Letterer) die Schlacht von Saratoga aus Versehen auf ein Jahr zu früh datierte (s. S. 5), fällt dabei nicht ins Gewicht und nur pingeligen Historikern auf.
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Floralia
Gerade hat der Comictheoretiker R. C. Harvey seine Bedenken gegen einen Comic ohne Wörter in einem ausführlichen Artikel dargelegt (s. The Comics Journal #242, S. 100ff), da zeigt Ulf K. mit seinem neuen Titel "Floralia" sehr schön, dass das, was Harvey als Schwäche empfindet ('without words, we have ambiguous sequential images'), eine Stärke sein kann.
Andeutungen können sehr wohl ertragreicher sein als ein Text- Bild-Gemisch, welches den Leser auf allzu festen Gleisen durch die Erzählung leitet und der ausdeutenden Phantasie kaum Spielraum lässt. Wie überflüssig wäre es, ließe Ulf K. den Kraftmeier etwa sagen: "Ha, ich hab's, ich hol' ihr 'ne Blume!". Und wie wenig sinnvoll wäre es, den Dialog mit dem Totenmann wörtlich vorzulegen. Diese Dinge unnötig zu bebuchstaben und sie damit zu vereinfachen, hieße sie in ihrer Wirkung als Sinnbild für das Schöne und das Jenseits abzuschwächen und ihren Gehalt ein Stück weit aus unseren Gedanken zu verlieren, ganz persönliche Gedanken, die sehr wohl 'ambiguous' sein und bleiben dürfen.
Midnight Nation 1
Eben noch in vollem Saft als tougher Polizist, dann ein Wanderer in der Zwischenwelt, Lieutenant David Grey vom Los Angeles Police Department war bei der Jagd nach einem Mörder womöglich zu unvorsichtig? Der Computer hatte nicht verraten, dass außer Arlan Jaeker noch andere höllische Gestalten in jener Wohnung auf sie lauerten, die Grey zum Verhängnis wurde.
J. Michael Straczynski stellte für "Midnight Nation" ein Szenario zusammen, das in seinen Bausteinen an "Spawn" erinnert. Doch bleibt die schöne Frau hier nicht unerreichbar im Diesseits zurück, sondern sie empfängt den Halbtoten im Dazwischen; das Cover deutet es an. Mit dieser neuen Serie erfährt das uralte Thema der Rettung der eigenen Seele vor dem Bösen eine weitere Auflage.
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Caroline Baldwin 4
Noch hockt Caroline Baldwin in der angenehmen Kühle eines leeren Swimmingpools, um über die Morde, die an diesem Ort geschahen, nachzudenken. Doch die Spur führt die Detektivin schon bald ins heiße Kuba, ein abenteuerliches Unternehmen, bei welchem sie hoffentlich nicht ihren Skalp riskiert, ein Schicksal, das der Autor Tim Allen und der Tankwart Hans erlitten. Und was beabsichtigt Colonel Norton und seine Liga gegen die Unzucht denn noch außer dem Verbrennen von Sexmagazinen? In der Hitze Havannas geht Caroline auf eine gefährliche Spurensuche. Nicht nur, dass die Titelheldin eine Indianerin ist, auch sonst wirkt diese Art Krimicomic erfrischend andersartig. André Taymans wählt dazu zeichnerische Mittel, die dank ihrer Liebe zum Detail den angenehmen Schein von Authentizität schaffen, womit er eine gute frankobelgische Tradition fortsetzt.
Crimson Sonderband 4
Nach 24 Heften fühlten sich Brian Augustyn, Autor der US-Serie "Crimson", und seine Mitarbeiter 'ein bisschen geschlaucht', wie er in seinem Nachwort zum jetzt vorliegenden vierten Sammelband der lebhaften Vampirsaga schreibt, der treffend mit "Erlösung" betitelt wurde.
So darf man also schon annehmen, dass wir oder Alex Elder in diesem Band von irgend etwas erlöst werden. Aber es kommt selbstredend immer etwas anders als man denkt. Jedenfalls verwundert die Erschöpfung von Autor und Team nicht, wenn man an die zahlreichen interessanten Charaktere denkt, die durch ein Phantasiegetümmel der opulenten Art zu führen waren, wovon uns vielleicht der Heilige Georg oder die energische Armbrustschützin Scarlet Thinbault noch länger in Erinnerung bleiben werden.
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