Die Leidenschaft des Herrn Lührs
Die Leidenschaft von Herrn Lührs kann verstehen, wer schon einmal drei Wochen lang im Italienurlaub nur Pasta und Pizza zu sich genommen hat: Kartoffeln. Die Suche nach einer bestimmten Zubereitungsart dieser Knollen ist spaßiger Hintergrund einer Geschichte mit ernsterem Hintergrund. Im Mai 2000 reisten Laura Bartels und die Comiczeichnerin Isabel Kreitz im Auftrag der deutschen Welthungerhilfe nach Bolivien. Ergebnis dieser Reise ist ein humoriges Album, das weder staubtrocken belehrt, noch mit flachen Witzchen aufklärt. Stattdessen reist man mit einer sympathischen Hauptfigur nach Bolivien und erlebt, wie nicht nur dieser Herr Lührs sondern vermutlich viele in diesem Land benutzt werden, wie man lebt und wie man Schritte in die Zukunft unternimmt. Dem Album ist ein informativer, bebilderter Reisebericht angefügt.
Djinn 1
"Ich suche einen Djinn... einen Geist... den Geist meiner Großmutter...". Ohne lange zu zögern und zum Erstaunen des Lesers nimmt Kim Nelson ohne Umschweife das Angebot eines jungen, unbekannten Mannes an, im Bordell von Madame Fazila unbekleidet nach ihren eigenen Wurzeln zu graben.
Am Ende des ersten Teils dieser abenteuerlichen Erzählung ahnt man dann, warum die junge Engländerin sich an einem solchen Ort nicht unwohl fühlt. Der Harem des letzten osmanischen Sultans Murat spielt dabei eine Rolle, die der erfahrene Szenarist Jean Dufaux ("Beatifica Blues", "Das verlorene Land", "Giacomo C.") fesselnd zu beschreiben weiß.
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Westminster 1
Einen fein gesponnenen Politkrimi legen Delitte & Richelle mit "Westminster" vor. Man ahnt von dunklen Machenschaften, die die Regierenden zu ihren Ämtern gelangen ließen, aber man weiß als Leser vom Kern der Dinge fast so wenig wie Inspektor Caine von Scotland Yard, der nach dem Mord an einem Ex-Premierminister seine Ermittlungen hartnäckig vorantreibt. Nach und nach ans Licht kommende Details machen die Sache spannend.
Problem so manchen Politkrimis ist es, dass die Geschichte so komplex angelegt wird, dass man den verwickelten Handlungsfäden nur noch mühsam folgen kann. Bei "Westminster" ist das erfreulicherweise nicht so.
Spirit of Wonder 3
Ein irrer Wissenschaftler, ein netter Assistent, verrückte Erfindungen und die Vermieterin Miss China, die deswegen einiges durchmachen muss. Der dritte Band dieses etwas anderen Manga ist da.
Dr. Breckenridge kann die Miete nicht zahlen, doch für teure Experimente ist Geld da. Wäre Jim, der Assistent, nicht, würde Miss China wohl kaum auf den Breckenridgianischen Raumreflektionismus setzen, um den Mond zu erreichen, sondern ihre Miete einfordern. Das einzige, was an diesem Manga stört, sind seine Anflüge von dem, was wir in Europa Altmännererotik nennen. Schade, dass Kenji Tsuruta seinen spaßigen und phantasievollen Geschichten damit einen gänzlich unnötigen Beigeschmack gibt.
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Marcel Proust: Remembrance of things past
Jetzt kann man einen Comic, der es wegen seiner berühmten literarischen Vorlage bis ins Feuilleton und zu einem Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse 2000 geschafft hat, auch in Englisch bekommen. Der Verlag NBM/ComicsLit macht es möglich, sich Prousts Meisterstück, gezeichnet von Stéphane Heuet, etwa zum gleichen Preis wie die französische Originalausgabe zuzulegen. Die Erinnerungen, die im Erzähler nach dem Genuss des Madeleine-Kekses aufsteigen, eine bekannte Situation der Literatur und womöglich auch in unserem Alltag, verfehlen auch in Comicform ihren Reiz nicht. Man kann darüber diskutieren, ob das Stück in der Bearbeitung von Heuet an einigen Stellen nicht sogar einiges an Ausdruck gewinnt.
Das Erbe der Götter 1
Eine herrische Gräfin möchte von den abgetretenen Göttern die absolute Macht über die majestätische Stadt Ataraxie erben. Doch die Götter haben für diese Aufgabe jemand anderen auserwählt, sagen aber nicht wen. Ist es die mutige und schöne Likonda?
Derjenige, der stets nach neuartigen Fantasycomics Ausschau hält, wird dieses Album als überflüssig empfinden. Es vermengt oft gesehene Fantasymotive mit etwas Humor, mit Nacktem, mit Blut und Kampf, dass man den Eindruck bekommt, hier reiten welche auf der Fantasywelle mit, ohne sich richtig angestrengt zu haben.
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