Caroline Baldwin 6
André Taymans stellte in Erlangen dieses Jahr sein sechstes Album von "Caroline Baldwin" in Deutsch vor. Bei Casterman erschienen bisher zehn Alben und zudem gab man bereits vier Mal je zwei Alben im Schuber heraus, denen ein numerierter und signierter Druck beilag. Das belegt die Nachfrage für dieses klassisch gestaltete, frankobelgische Abenteuermaterial. Den Lesern bieten die Erlebnisse der taffen Detektivin mit ihren indianischen Wurzeln eine Erinnerung an Krimiabenteuer wie "Rick Master" oder "Valhardi", doch gelingt Taymans eine deutlich frischere Variante dieser Art von Comics, da er den Leser tiefer in die Gefühlswelt der Hauptfiguren hineinsehen lässt. Caroline hat sich mit AIDS infiziert und ist verzweifelt. In einem Nest beim Berg Angel Rock verbringt sie ihre Tage an der Bar. Als im unwegsamen Terrain der Nordwand des Berges eine Leiche geborgen werden soll, begleitet sie den Vater des Toten, dem bei der sehr gefahrvollen Unternehmung sonst niemand helfen will. Die Hochgebirgswelt, in die Caroline Baldwin aufbricht, wirkt in ihren Bildern so, als hätte Cosey sie gezeichnet. Tatsächlich nahm André Taymans mit Cosey Kontakt auf, um sich Tipps zum Zeichnen der Bergwelt einzuholen. Auf Authentizität legt Taymans Wert.
Sommerblond
Drei Kurzgeschichten, drei Protagonisten und immer das gleiche Problem. Adrian Tomines Hauptpersonen sind gehemmt im Umgang mit anderen Menschen und mit ihren eigenen Gefühlen. Das kann zum Psychiater führen, zu Telefonstreichen oder zu Bombendrohungen, das Ende bleibt aber immer ambivalent: kein Happy-End, keine Katastrophe, aber etwas hat sich verändert.
Tomine versteht es, seine Charaktere buchstäblich mit wenigen Strichen zu zeichnen und zu beschreiben. Feine Linien, schwarze Flächen und Rasterfolie genügen ihm, um die farblose Welt von Neil, Hillary und Scotty zu Papier zu bringen. Ideal für alle, die bei einem Gläschen Wein eine gepflegte Herbstdepression genießen wollen. (rö)
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Entscheidung am Nudo Coropuna
In seinen sorgsam hergestellten, überlegten und gezeichneten Comics zeigt Burkhard Ihme den ihm eigenen Sinn für Humor, Witz, der nicht polternd plättet, sondern wie nebensächlich daherkommt und wirkt. Enthielt der Band "Die grüne Eisbombe" bereits viele Zitate, die den Insider zum Lachen brachten, so bergen auch "Die Abenteuer des Reginald W. Spotherworth-Moulder" trotz des Krimi-Gehalts komische Elemente, wenn man etwa an den sachfremden Einsatz von Golfschlägern oder an das U-Boot im tosenden Wasserfall denkt. Die Hauptfigur ("Freunde nennen mich Reggy") scheint eine Anspielung auf den spleenigen Engländer zu sein, der mit Chris Howland im Karl May-Film durch die Wüste zog, oder an Graf Yoster.
Die jetzt vorliegende, farblich überarbeitete Neuauflage des Bandes brachte es mit sich, dass der Zeichner eine Reihe von limitierten und numerierten Drucken anfertigen ließ, nach denen sich Sammler die Finger lecken können.
Catwoman: Böse kleine Stadt
Von der Diebin zur Rächerin der Armen und Entrechteten - so schnell kann's gehen, siehe "Catwoman: Das dunkle Ende der Straße" (US-Hefte 1-4). Zum Glück hat Catwoman bei ihrer Wandlung zum Guten nichts an Biss verloren. Unterstützt von Privatdetektiv Slam Bradley und Freundin Holly nimmt sie sich diesmal Kokaindealer zur Brust, die ihre "Böse kleine Stadt" (US-Hefte 5-10) verunsichern. Außer- dem braucht eine alte Freundin Selinas Hilfe, und in einem witzi- gen Zweiseiter sind Selina und Holly im Bad zu beobachten. Die einfachen, schnörkellosen und flächig kolorierten Zeichnun- gen Brad Raders werden zwar nicht alle begeistern, sie ent- sprechen aber der sauberen, spannenden Storyführung Ed Brubakers. Auch Nebenfiguren wie Holly und Bruce Wayne bleibt genug Raum. Insgesamt nette Krimilektüre mit originellen Einfällen. (rö)
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Blue Moon of Kentucky
Die ewig erfolglose Band, die unerfüllte Liebe, das Leben in einem Provinzkaff - all das will Bassist Pat hinter sich lassen. Auf dem Weg zum letzten Konzert mit den "Kentucky Chickens" nehmen die Dinge aber unerwartet eine Wendung. Stefan Atzenhofer gelingt es, in Rückblenden und Moment- aufnahmen eindringlich eine Geschichte zu erzählen, die wir irgendwie alle kennen: vom Aufbrechen, vom Träu- men, vom Erwachsenwerden und davon, wie das Leben so spielt. Ob krakelige Schwarz-Weiß-Zeichnung oder bunte Pinselei, Stefan Atzenhofer fängt Stimmungen ein und garniert sie mit liebevollen Details. "blue moon of kentucky" hat zwar schon fast zehn Jahre auf dem Buckel, schmeckt aber immer noch knackfrisch. Wäre es ein Bier, würde es beim Öffnen zischen. (rö)
Junge Hexen 1
Das viktorianische England - trotz der strengen sittlichen Ordnung eine Blütezeit der phantastischen Gruselge- schichten und der erotischen Literatur. Irgendwo zwischen Poe und The Pearl bewegen sich Solano Lopez und Barreiro mit "Junge Hexen": um 1880 landet die hübsche Waise Lilian in einem unge- wöhnlichen Mädcheninternat. Dort erfährt sie einiges über ihre übernatürlichen Kräfte und der Leser alles über die Anatomie der Internats- schülerinnen. Die erotischen Momente drängen sich dabei aber nicht soweit in den Vor- dergrund, dass man Porno- alarm schlagen müsste.
Die spannende Horrorstory und die pulpig-nostalgischen S/W-Zeichnungen ergänzen sich hervorragend. Zeichner Solano Lopez gelingt mit der Abbildung der verschiedenen Frauengesichter sogar etwas, woran viele seiner Kollegen scheitern. Man darf auf den zweiten Band gespannt sein, in dem es angeblich deutlicher zur Sache geht. (rö)
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