Blankets
"Blankets" ist ein ganz dickes Ding. Autor und Zeichner Craig Thompson wird mit Auszeich- nungen geradezu überschüttet. Auch FAZ und taz singen Lobes- hymnen auf den fast 600 Seiten starken Band. Wer Comics liebt, wird an "Blankets" nicht vorbei- kommen, und manch anderer wird durch dieses Buch erstmals mit dem Medium Comic in Berührung kommen. Und berührend - aber nicht rührselig - ist die autobiogra- phische Geschichte, die Thompson erzählt. Der junge Craig, ein menschenscheuer Außenseiter aus streng christlichem Elternhaus, findet seine erste Liebe und verliert sie wieder. So simpel, so gut. Mit traumwandlerischer Sicherheit, ohne sich jemals in distanzierende Ironie zu retten, steuert "Blankets" an der Kitschfalle vorbei, die bei Liebesgeschichten lauert. Der leise, aber eindringliche Ton der Erzählung findet seine Entspre- chung in den kunstvollen, aber ungekünstelten Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Thompson spielt mit graphischen Ausdrucksmitteln, ohne Prahlerei und ohne Experi- mente um der Experimente willen. Eine Leseprobe ist bei Speed Comics zu finden. (rö)
Wüstensöhne
In drei Kurzgeschichten setzt sich der bisher durch Fantasystories bekannte Horus mit dem "kulturellen Brachland, das der Faschismus in Europa hinterließ" auseinander. Horus hat dabei gute Einfälle, erprobt unterschiedliche Erzählweisen und testet die Grenzen des Mediums Comic aus.
Das alles hilft jedoch nicht darüber hinweg, dass besonders die beiden längeren Geschichten durch Textlastigkeit und Namedropping ziemlich langatmig wirken. Ähnlich die Zeichnungen: Horus' gutes Gespür für Gesichter verschwindet oft hinter einer nicht durchdachten Gesamtkomposition. (rö)
Aria 13
Eine tapfere Amazone reitet für Epsilon. Der Verlag für starke Frauen hat sich neben "Natascha" und "Franka" auch den Abenteuern von Aria angenommen. In ihrer altertümlichen und von Magie erfüllten Welt zeigt sie 'elenden Machos', was eine beharrliche Frau unternimmt, der man ihr Pferd gestohlen hat.
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Eigentlich ist das Leben schön
Geschwungene Tuschlinien und bauchige Grauflächen: Schwarz, weiß und graugrün zeigt Seth die Suche seines gezeichneten Alter Ego nach dem vergesse- nen Cartoonzeichner Kalo. Unklar bleibt, was an der Ge- schichte mehr und was weniger autobiographisch ist. Um so deutlicher tritt aber die Mischung aus Melancholie und Nostalgie zutage, in der der Protagonist Seth badet, und die der Autor Seth genüsslich und nicht ohne Selbstironie ausbreitet.
Erschienen ist der Band bei der Edition 52, zusammen mit "Clyde Fans", einem weiteren Meisterwerk des kanadischen Zeichners. (rö)
Die Schlange
Wortlos, schlangengleich und einfallreich windet sich die Diebin durchs Museum und versucht, reiche Beute zu machen. Der brave Polizei- beamte bekommt sie nicht zu fassen, ein konkurrierender Kraftprotz kann sie nicht besiegen und die alte Mumie schaut dem ganzen Treiben machtlos und verärgert zu.
Ginge es in einem Museum immer derart kurzweilig zu, wie es Paul Hoppe in seinem schönen Comic erzählt, würde man nicht über zu wenige Besucher klagen müssen, aber wohl über viel zu wenige (heile) Ausstellungsstücke.
Marlysa 5
"Die Grausamkeit und Machtgier des Meisters ist maßlos! Und sein fürchterlichstes Werkzeug ist der in den tiefsten Verliesen seiner Burg eingeschlossene Thaumaturg..."
Im letzten Band der Fantasy-Serie klärt sich, warum Marlysa ständig Maske trägt. Das vom Szenaristen länglich ersonnene Verwechsel- und Verwirrspiel löst sich endlich mit einem gruseligen Wundertäter und in nicht sonderlich packender Weise in Wohlgefallen auf. Da möchte man gerne einem etwas ungewöhnlicheren Schluss ins rätselhafte Gesicht schauen und hinter der Maske mehr vermuten.
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Professor Bell 1
Schön, schaurig und char- mant, und in düsteren Farben gehalten: Das alles ist die phantastische Grusel- geschichte, die der beim Comic-Salon Erlangen als "Bester Internationaler Sze- narist 2004" ausgezeichnete Joann Sfar erzählt. Titelheld Joseph Bell, "das Vorbild von Sherlock Holmes", muss sich mit einem Mann mit zwei Köpfen und diversen Untoten herumschlagen. Sfar nutzt die Gelegenheit, ver- schrobene Nebenfiguren und skurrile Begebenheiten ein- zubauen. Unterstützt wird das altertümliche Groschen- heft-Flair durch die beson- dere Papierqualität des Bandes. (rö)
Die Kannibalen 1
Frank Kemter gibt nicht nur die Comic-Fachzeitschrift "Xoomic" heraus, sondern verlegt jetzt auch eine erste Comicserie, die er aus dem reichen Fundus an Funnys des Verlags Dupuis wählte.
Mit Jean-Claude Fournier als Zeichner und Zidrou als Autoren sitzen zwei alte und erfahrene Hasen aus dem "Spirou"-Rennstall an den abgedrehten Onepagern über die Kannibalen-Familie, bei der kein Postbote zweimal klingeln muss. Aber vielleicht rettet ja der aufmerksame Nachbar doch noch den ein oder anderen lieben Gast vor dem leckeren und ungemein reichhaltigen Abendessen.
ZACK 64
Von der heißbegehrten Action-Serie "Largo Winch" hatte Ehapa von 1991 bis 1994 vier Alben in Deutsch herausgeben können. Doch dann mussten die Fans dieses spannenden Van Hamme-Thrillers in die berühmte Röhre gucken oder bei der Volkshochschule Französisch lernen. Das Comicmagazin ZACK sorgt jetzt in Deutsch für eine Fortsetzung der Abenteuer des reichen Erbens eines Wirtschaftsimperiums.
Ein Hingucker für Freunde verschmitzten Humors sind zudem die Einseiter des "Wunder des Lebens", die ZACK regelmäßig abdruckt.
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