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Frisch ausgepackt und aufgefallen: Andreas Dierks weist auf besondere Comics hin, die jetzt im Comicladen oder am Kiosk liegen.  [Folge 55]

Von Dieben und Denunzianten

Von Dieben und Denunzianten

Jean-Pierre Gibrat hatte in den letzten Jahren für das zweibändige Werk "Der Aufschub" (Salleck) und für "Verwandlungen" (Carlsen) viel anerkennende Aufmerksamkeit erfahren. An dem jetzt vorliegenden 56-seitigen Album "Von Dieben und Denunzianten" arbeitete Gibrat wegen der aufwändigen Zeichnung und Kolorierung drei Jahre. Wie in "Der Aufschub" wählte er als Sujet die Schilderung besonderer Schicksale im Zweiten Weltkrieg. Jeanne und ihre Schwester Cécile sind Mitglieder der Résistance, werden aber denunziert, so dass sich Jeanne im Gefängnis wiederfindet und sich über den Verbleib ihrer Schwester ernste Sorgen zu machen beginnt. Ein Dieb namens François verhilft der hübschen Kommunistin zur Flucht. Wenngleich die schönen Zeichnungen und insbesondere die Wahl der Hintergründe ein Gefühl von Authentizität vermitteln, so erscheint die puppenhaft adrette, rotkäppige und auch in aller Not und Gefahr blendend aussehende Hauptdarstellerin in diesem Kriegscomic wie die Fehlbesetzung in einem Film, der es zudem an der nötigen Kurzweil vermissen lässt.


Fog 4

Nach einigem Zögern hat man sich beim nunmehr in Hildesheim ansässigen Verlag comicplus+ dazu durchgerungen, endlich auch Alben zu veröffentlichen, die einen semirealistischen Strich zeigen. Comic - und gerade auch jener aus der hier vorliegenden Serie "Fog" - vermag dadurch über Bildsprache packend mitteilen, was einem dem realistischen Abbild verhafteten Zeichner erschwert ist: das Flirren einer sengenden Sonne, den quälenden Grusel unwirklicher Situationen oder die bedrückenden Gefühle im nächtlichen Dunkel. Dem guten Zeichner nimmt man auch bei einem Krimicomic diese Machart gerne ab.

Fog 4

Und "Fog" geht mit seinen esoterischen Motiven in zuweilen überraschender Weise über den klassischen Krimicomic hinaus, der Zeichenstil fügt sich ein und unterstützt. Wer mag nun also hinter diesen grausigen Spektakeln in jener geheimen Arena stecken, in der Mensch gegen Mensch auf Leben und Tod kämpft?

Die Macht des Volkes

Die Pariser Kommune konnte nur gut zwei Monate ihre sozialistischen Ideen in die Tat umzusetzen versuchen. Am 29. Mai 1871 wurde der Aufstand der Arbeiterschaft und der Nationalgarde von den Truppen der französischen, konservativen Nationalversammlung niedergeschlagen. Zuvor, am 18. März 1871, hatte die Pariser Bevölkerung erfolgreich einen Schritt in eine vielversprechende Zukunft gemacht, als es ihnen gelang, infolge des verlorenen deutsch-französischen Krieges 1870/71, die Kanonen ihrer Stadt zu übernehmen. Jean Vautrin, Schreiber der Romanvorlage für diesen dreiteiligen Comic im markanten Tardi-Stil, meint man die Sympathie für die Mitstreiter jener revolutionärer Tage deutlich anzumerken.

Die Macht des Volkes

In dem sorgsam hergestellten, querformatigen Buch kann Tardi seine Vorliebe für historische Stoffe in gewohnter Weise und in Schwarzweiß umsetzen. Das wirkt nicht aufregend neuartig, aber dank des Themas allemal lesenswert.


S.K.P. 1

Lucio Parillo, ein durch IPP bereits bekannter, italienischer Comicschaffender, zeichnete den ersten Comic einer neuen Reihe, die unter Leitung von Andreas Waldt (ehemals bei "Splash") und unter dem Titel Freestyle erscheint. Als weitere Zeichner in dieser Projektreihe sind Özi, Peter Popken, David Boller, Julia Smith und wohl auch Gabriele dell'Otto zu erwarten. Den aktuellen Stand von Freestyle kann man einer dafür eigens eingerichteten Website entnehmen.

S.K.P. 1

Auf der Flucht vor Ulrich, dem Unglaublichen vom Clan der Unglaublichen, folgt man Spike mit einer Art Zeitreisemaschine durch eine schlichte Geschichte, die man als Karikatur auf einen Fantasy-SciFi-Comic verstehen mag. Da fehlt es dann also auch nicht an einer schönen und toughen Retterin und an einem Bösewicht, der an Lex Luthor erinnert und der ebenfalls hinter der unglaublichen Zeitmaschine S.K.P. (sprich: escape oder scappare) herjagt. Ob er dabei allerdings einen Sturz aus dem 30. Stock überlebt, wird erst die Zukunft zeigen.

Little Lit 2

Little Lit 2

Auch dieser zweite Band mit kurzen Comics, Rätseln und Denkanstößen ist ein gelungenes Buch für die jüngere Leserschaft oder für diejenigen, denen es eine Freude ist, den zuweilen tiefsinnigen Geschichten von Art Spiegelman, Lewis Trondheim, Jules Feiffer, Posy Simmonds, Jacques de Loustal und gleichgesinnten Autoren zu folgen. Die multiple Persönlichkeit des Selby Sheldrake, das Gefangensein in einem Comic oder im Labyrinth des Leidens, das Entlaufen eines Schattens, all das lässt den Leser an dem großen Buch Gefallen finden. Und für den dadurch zum Selbermachen angeregten Comicfreund bietet das Vorsatzpapier Tipps zum Comiczeichnen.


The First 1

Bei dem hohen Titelausstoß, den Infinity in Gestalt von CrossGen Comics in den letzten Monaten auf die Beine stellt, könnte man sich in jene Zeit zurückversetzt fühlen, als dieser Verlag mit "Spawn" groß wurde und sogar Serien wie "Kabuki" in den Kiosken landauf, landab platzierte.

The First 1

"The First" gehört als neue Serie zum CrossGen-Universum der deutschen CrossGenComics, zu denen bald auch "Crux", "Sojourn", "The Ruse" und "Negation" stoßen sollen, und erzählt von jenen, die als Urheber für all die Welten genannt werden, in denen die bereits laufenden Serien "Sigil", "Mystic", "Meridian" und "Scion" spielen: Das recht rätselhafte Auftauchen des Mals (dieses Ying-Yang-ähnlichen Zeichens) und einer besonderen Waffe beunruhigt die Ersten und führt sogar zum Tod eines ihrer Leute. Barbara Kesel schreibt mit ihren mystisch-verquasten Geschichten die schwächeren Stories dieser großen Fülle miteinander verbundener Fantasy-Reihen.

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