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Am 03.01.2005 verstarb Will Eisner, und sein Tod hat auch die Comic Convention 2005 in San Diego überschattet. Mit Will Eisner starb nicht nur eine Legende - es scheint, als würde sich eine ganze Ära dem Ende nähern.
Inmitten all der lärmenden und protzenden Stände von Filmfirmen wie Lucasfilm und Dreamworks sind die Comics nur noch eine Nebensache. Da die Popularität der Comic-Verfilmungen enorm angestiegen ist, scheint der Comic sein eigenes Merchandising-Produkt geworden zu sein. Und ganz ehrlich gesagt: Auf der Messe für Populäre Kultur, wie sich der Con inzwischen im Untertitel nennt, scheinen die Comic-Stände beinahe rührig und altbacken im Gegensatz zu den gigantomanen Ständen der Film- und Computerspielfirmen.
Es lässt sich leicht und vielfach darüber klagen, in welches Nischenprodukt sich die Comics hier in San Diego verwandelt haben, wenn die Filmindustrie ein Feuerwerk an Trailershows of upcoming Events liefert. Die Entwicklung im Comicbereich lässt sich nur schwer erahnen. Daher ist es spannend, hier einmal auf Spurensuche zu gehen.
Da sind z. B. exemplarisch die wichtigsten Neuerscheinungen der großen Verlage, die hier anwesend waren (Marvel glänzte durch Abwesenheit und war nur durch Lizenznehmer vertreten): Der neue Batman-Run von Frank Miller und Jim Lee, der auch das Festivalplakat schmückte, war das große Thema bei DC. Wenn aber diese leichte Modifikation der Urgeschichte im ersten Heft, die dazu an Konventionalität kaum noch zu überbieten ist, neu sein soll, dann wird der amerikanische Superhelden-Comic auf Jahre hinaus der Stagnation anheimfallen.
Anders hingegen Tokyopop, die das neue vierteljährliche Magazin Takuhai vorstellen, in dem es nicht nur um "cool stories" geht, sondern um den Lebenstil Manga. Ein gelungener Mix aus hauseigenen Manga-Previews, Interviews, Berichte über Merchandise u. v. m. Diese ganzheitliche Sicht der Mangas als Lebenskultur wird in Zukunft mit Sicherheit noch Schule machen.
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Auch Disney goes Manga. Auf dem Con wurde das Preview-Heft "DD7 - Donald Duckling" verteilt, in dem der kleine Donald Abenteuer in der Schule erlebt. Das ist anders und auch gar nicht so dumm, denn die Anlehnung an Zeichentrick-Vorabendserien könnte Kinder dazu bringen, auch wieder mehr Comics zu lesen.
Denn das ist die große Befürchtung, die auf dem Con geäußert wird: Die Kids von heute lesen immer weniger Comics. Das Konsumverhalten hat sich durch den leicht zugänglichen Passivkonsum wie Fernsehen und Computer verändert. Der durchschnittliche Comic-Leser in Amerika ist 25-35 Jahre alt, und wenn nichts Gravierendes passiert, wird er in 10 Jahren zwischen 35 und 45 Jahren alt sein. Daher sind solche Vorstöße von Disney durchaus zu begrüßen, auch wenn sich die Superhelden doch eher Sorgen über Leserschwund im Nachwuchsbereich machen sollten.
Das Programmheft hat allerdings diesen Superhelden-Fokus immer noch. Es werden im Programmheft u. a. 50 Jahre Krypto der Super-Hund oder 25 Jahre New Teen Titans gefeiert, aber mehr zu diesen Events gibt es auf dem Con nicht. Es sind einfach keine Ausstellungen vorhanden, was sehr verwundert. Anhand von Ausstellungen könnten die Besucher aus den dunklen Kinosälen zurück zur Kunstfertigkeit und der Historie des Comic gebracht werden. Immerhin werden die Geehrten der Hall of Fame zum ersten Mal ausgestellt, aber versteckt in einer Nische, beinahe exemplarisch.
Die Zeremonie dieser Convention ist die Verleihung der Eisner Awards, und hier wurde der Verlust von Eisner besonders deutlich. Mit Filmeinspielungen und mit Ehrengästen wurde der große Zeichner posthum noch einmal geehrt. Sein Einfluss auf die Comics wurde mit Orson Welles' Einfluss auf den Film verglichen. Und es gab den bewegenden Moment, als sein ehemaliger Verleger Denis Kitchen ihn als "Father of the Industry" bezeichnete. Er sei es gewesen, der die "Artistic Side" mit der "Business Side" verbunden habe. Da die Preisträger eine solche Zeremonie auch nicht weiter stören wollten, kamen sie im Eiltempo auf die Bühne, bedankten sich artig, holten ihre Preise ab und verschwanden wieder.
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Will Eisner wird auch gemeinhin für den Erfinder der Graphic Novel in Amerika gehalten. Und gerade das war das Zauberwort der größeren Kleinverlage. So gab es auch eine Diskussionsrunde über diese Form, die eigentlich so neu gar nicht ist. Aber denkbar ist die neue Popularität durch die Verbindung der Langform des Manga mit der europäischen Erzähltradition.
Man konnte sich jedoch auf dem Podium nur auf die Formel: Graphic Novel gleich Buchmarkt einigen, was eigentlich die einzige Strategie zeigt, die dahinter steckt. Dazu sollte sich noch eine entsprechende Thematik gesellen, die populär genug ist - fertig ist der Comicbuchmarkt der Zukunft.
So peilt also Fantagraphics weiter diesen Buchmarkt an, auf dem sie nach eigenen Angaben durch die Zusammenarbeit mit WW Norton als Vertrieb unglaubliche Verkaufszahlen haben - was allerdings bei der wunderschönen Aufmachung der "Peanuts"-Bücher durch Seth auch nicht weiter verwundert.
Als neues großes Ding wird die Collection Ignatz gepriesen, die zunächst bei Drawn&Quarterly begonnen wurde, nun aber bei Fantagraphics gelandet ist. In Deutschland erscheint die Reihe beim Avant-Verlag. In dieser von Igort initiierten Reihe wird europäischen und amerikanischen Künstlern eine Plattform gegeben, auch erzählerisch neue Wege zu bestreiten. Des weiteren soll mit sorgfältig aufgemachten Reprints Kasse gemacht werden - als nächstes ist "Dennis the Menace" an der Reihe.
Bei Top Shelf zeigt man sich enttäuscht darüber, dass Craig Thompson einen Exklusivvertrag bei Pantheon Books unterschrieben hat, zugleich aber erfreut, dass Alan Moore seine nächsten Projekte dort verlegen will. Und man sucht sogar bis nach Deutschland Autoren, die ein Projekt im Umfang von "Blankets" stemmen können. Denn das, so Chris Staros, verkauft sich. Format vor Inhalt?
Wie lange der Comic neben den Celebrity Signings, der Masquerade und den Trailershows noch zeitgemäß sein kann, das wird sich noch zeigen. Es fehlt im Moment an Visionen und an Ideen. Von daher ist es um so mehr zu bedauern, dass Will Eisner der Comicwelt verloren gegangen ist.
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Fotos: Alfred Neuwald und Heiner Lünstedt
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